Region

«Lieber gar nicht abstimmen als falsch»

Auf den Gemeinden um Winterthur sind bis gestern viel weniger Stimmzettel eingegangen als sonst. Die Vorlagen seien zu komplex, sagen die einen. Andere glauben, dass die Themen zu wenig polarisieren.

Bislang sind durchschnittlich erst rund ein Viertel aller Stimmzettel eingegangen.

Bislang sind durchschnittlich erst rund ein Viertel aller Stimmzettel eingegangen. Bild: Keystone

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Die Briefkästen der Gemeindeverwaltungen quellen derzeit nicht über. Bisher sind nur wenige Abstimmungscouverts eingetroffen. Und am kommenden Sonntag steht den Stimmenzählern kein strenger Tag bevor. Denn was sich drei Tage vor dem Abstimmungssonntag abzeichnet, wird sich bis dahin kaum ändern: Nur wenige Stimmbürger machen am 25. September von ihrem Stimmrecht Gebrauch.

In Seuzach etwa liegt die Beteiligung bei derzeit etwas mehr als 26 Prozent. An die Urnen kommen jeweils noch weitere 10 Prozent der insgesamt 5277 Stimmberechtigten. Das sind vor allem ältere Menschen und Familien, die den Urnengang als Gelegenheit für einen Spaziergang nutzen, wie Sanja Smajic, Leiterin Einwohnerdienste, sagt. Sie hofft letztendlich auf etwa 30 Prozent Stimmbeteiligung. Zum Vergleich: Im Juni äusserten sich rund 50 Prozent der Stimmberechtigten zu den eidgenössischen und kantonalen Vorlagen. Im Februar waren es gar 70 Prozent. Damals stand die Durchsetzungsinitiative an.

Quote von 23 bis 25 Prozent

In Wiesendangen, Rickenbach, Elgg, Neftenbach und Dägerlen sind bis gestern gar noch weniger Stimmzettel eingetroffen: zwischen 23 und 25 Prozent. Natürlich werden in den verbleibenden Tagen und am Sonntag weitere hinzukommen. Doch die angefragten Mitarbeiter auf den Gemeinden äussern sich alle ähnlich: Es zeichnet sich eine tiefe bis sehr tiefe Quote ab.

Auch Kommunales zieht nicht

Und an dieser vermögen auch kommunale Geschäfte nichts zu ändern, wie etwa der Illnau-Effretiker Stadtschreiber Peter Wettstein sagt. «Es müsste schon eine brisante Vorlage sein.» In Illnau-Effretikon steht zwar die Initiative «Wohnen für alle» an, die einen höheren Anteil an gemeinnützigen Wohnungen verlangt und die im Vorfeld vor allem in Leserbriefspalten eingehend diskutiert wurde. Doch auch hier haben bisher nur etwas mehr als 2700 Personen abgestimmt – bei 10 201 Stimmberechtigten. Das entspricht etwa 26 Prozent.

In Neftenbach wählen die Stimmbürger ein neues Gemeinderatsmitglied. Weil sich aber nur ein Kandidat zur Wahl stellt, vermag auch dieses Geschäft nicht zu mobilisieren. Von 3825 Stimmberechtigten haben bisher nur 24 Prozent gewählt und abgestimmt.

Von den angefragten Gemeinden tanzen Zell und Hettlingen etwas aus der Reihe. Dort erwartet man eine Stimmbeteiligung von rund 40 respektive 45 Prozent. In Zell sei die Quote normal, sagt Gemeindeschreiber Andreas Meyer. In Hettlingen ist sie vergleichsweise dann doch eher tief, wie der stellvertretende Gemeindeschreiber Dominik Böni sagt.

Über die Gründe vermögen die Gemeindeangestellten nur zu spekulieren. So vermutet Sonja Lambrigger, Gemeindeschreiberin von Elgg: «Die Leute stimmen lieber nicht ab als falsch.» Die Vorlagen seien diesmal eher technisch, schwer verständlich und komplex. Hier sind sich mehrere Gemeindeschreiber einig.

Eher an die Urnen lockten Themen, die auf allen Medienkanälen «gehypt» würden, wie der Neftenbacher Gemeindeschreiber Hannes Friess sagt. Werden den Stimmbürgern die Themen also etwa auf dem TV-Bildschirm «serviert», setzen sie sich eher damit auseinander. «Das ist diesmal nicht der Fall», sagt Friess.

Es ist auch so, dass keine der zur Abstimmung stehenden Vorlagen eindeutig polarisiert, wie Hans-Peter Höhener, Gemeindeschreiber von Wiesendangen, sagt. So seien Themen, die derzeit im Nationalrat diskutiert würden, präsenter. Auch mobilisierten solche, über die jeder eine Meinung habe, eher. Die Autobahnvignette beispielsweise oder die Masseneinwanderung.

Am Sonntag stehen drei eidgenössische und zwei kantonale Geschäfte zur Abstimmung: Initiative «Für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft», Initiative «AHV plus», das Nachrichtendienstgesetz sowie die Initiative «Bezahlbare Kinderbetreuung für alle».

(Der Landbote)

Erstellt: 22.09.2016, 09:10 Uhr

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