Elgg/Aadorf

«Man sollte die Hündeler von den brütenden Vögeln fernhalten»

Die Anzahl Feldlerchen sei in den letzten zehn Jahren dramatisch zurückgegangen, sagt Andreas Bieri, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Aadorf. Es brauche dringend Massnahmen.

Die Feldlerche ist für ihren schönen Gesang bekannt. In der Schweiz ist die Art aber gefährdet.

Die Feldlerche ist für ihren schönen Gesang bekannt. In der Schweiz ist die Art aber gefährdet. Bild: Keystone

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Eine Untersuchung im Auftrag von Birdlife Zürich hat ergeben, dass über die Hälfte der 2008 noch von Feldlerchen besiedelten Flächen 2017 leer waren. Sie zählen auch das Aadorferfeld bei Elgg auf. Wie sieht es in der Region aus?
Andreas Bieri: Im Aadorferfeld haben wir 2008 sechs Reviere von Feldlerchen nachgewiesen – und das nur im Raum, wo wir gezählt haben. Rundherum hatte es noch mehr. Letztes Jahr habe ich im gesamten Gebiet nur noch zwei Reviere gefunden. Es ist also dramatisch. Im Kanton Zürich ist der gleiche Trend wie in der restlichen Schweiz zu beobachten. Die Zahlen gehen um 60 bis 70 Prozent zurück.

Sie schreiben weiter, Sie hätten in diesen zwei Revieren auch keinen Bruterfolg feststellen können?
Ich konnte nicht nachweisen, dass die Feldlerchen brüten. Das ist allerdings auch nicht ganz so einfach.

Weshalb?
Im letzten Jahr war das Wetter lange Zeit schlecht. Erst in den letzten Tagen der Zählung hat es gebessert und da sind die Vögel erst aus dem Süden angekommen. Ich bin zwar nach Abschluss der Untersuchung nochmals vorbeigegangen und habe gesehen, dass die Feldlerchen geblieben sind, aber Brut konnte ich keine feststellen. Wären die Vögel früher gekommen, wäre das Gras noch tiefer gestanden, dann hätte man mehr sehen können.

«Wenn wir weiter so fuhrwerken, dann verschwindet die  Feldlerche.»Andreas Bieri

Was sind die Hauptgründe, dass die Feldlerchenpopulation derart zurückgeht?
Ein Hauptgrund ist sicher die intensive Landwirtschaft. Im Aadorferfeld gibt es zwar Massnahmen, man stellt Hinweistafeln auf und dergleichen. Aber gleichzeitig decken Gemüsebauern flächendeckend Felder ab. Da können die Vögel nirgends brüten. Und dass Drohnen ein Thema sind, weil sie die Vögel stören könnten, ist ja gut. Aber viel wichtiger wäre es, die Hündeler während der Brutzeit fernzuhalten.

Hunde stören die Feldlerchen eher als Drohnen?
Ja. Die Hündeler fahren mit ihren Autos in die Natur hinaus, öffnen den Kofferraum und der Hund springt ins Feld davon. Er meint es nicht böse und er frisst die Lerche auch nicht. Aber wenn er über ihr Nest springt, dann verlässt sie es, weil sie ihn für einen Beutegreifer hält. Es ist erstaunlich, ein Landwirt kann mit seinem Traktor direkt am Nest vorbeifahren – die Feldlerche nimmt ihn nicht als Gefahr wahr. Aber bei Hunden oder Füchsen fliegt sie auf und will sie vom Nest weglocken. Sie stellt sich dann jeweils tot, damit die Tiere näherkommen und fliegt dann wieder ein Stück weiter weg. Wenn das jeden Tag passiert, verlässt sie ihr Nest irgendwann ganz.

«Ein weiteres Problem ist der  Einsatz von Gift in der Landwirtschaft.»Andreas Bieri

Die Vögel bräuchten also mehr Plätze, wo sie ungestört brüten können. Was sonst?
Ein weiteres Problem ist der Einsatz von Gift in der Landwirtschaft. Den Feldlerchen fehlt die Nahrung, sie finden fast keine Insekten mehr.

Gibt es in der Region auch positive Beispiele?
Das Flugfeld in Zürich ist einer der besten Feldlerchen-Hotspots. Es handelt sich um ein unbearbeitetes Feld, das vielleicht ein- bis zweimal im Jahr gemäht, aber sonst in Ruhe gelassen wird. Da fühlen sich die Feldlerchen wohl, so wäre es ideal.

Aber das ist natürlich nicht überall realistisch. Welche Massnahmen empfehlen Sie?
Es ist dringend nötig, dass man etwas macht. Das ist auch vielen Landwirten klar. Massnahmen wie Lerchenfenster in den Feldern zeigen zumindest, das der Wille da ist. Während der Brutzeit müsste man Verbote erlassen, damit die Lerchen weniger gestört würden. Das würde auch anderen Vögeln helfen. Wenn die Feldlerche ein gutes Jahr hätte, würde sich der Bestand allenfalls etwas erholen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber wenn wir weiter so fuhrwerken, dann verschwindet sie. (Landbote)

Erstellt: 28.02.2018, 15:47 Uhr

Andreas Bieri, Präsident Natur und Vogelschutzverein Aadorf

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