Unterstammheim

Manches ändert sich, vieles bleibt gleich

«Das isch de Schtärn vo Bethlehem» steht über der Bühne und so ertönte es auch aus rund fünfzig Kindermündern als am Samstag die Probe der Zäller Wiehnacht in der reformierten Kirche eröffnet wurde.

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Auf der Bühne herrscht Gewusel während Orgelklänge gleichmässig und beruhigend die reformierte Kirche in Unterstammheim erfüllen. Die Probe des Krippenspiels D’Zäller Wiehnacht nähert sich langsam dem Höhepunkt: Josef und die hochschwangere Maria suchen ein Dach über den Kopf, aber nirgends ist Platz, weder im «Leue» noch in der «Sunne».

Kaum ein Kind kann seinen Einsatz erwarten, helle Stimmen überschlagen sich, wenn sie dran sind. Jetzt soll das Heilige Paar in den Stall ziehen: «Wo nur Zigeunerpack übernachtet», ruft ein Junge. «Zigeunerpack sagen wir nicht», interveniert Sabine Bierich, «wir sagen Roma». Ein betretenes Gesicht beim Kind. Irgendjemand sagt leise, «war gestern nicht da». Dies ist nicht die einzige Stelle, die die Regisseurin aus dem Originaltext von Paul Burkhard getilgt hat. Auch der Negervater und die Negermutter sind rausgefolgen. «Das ist rassistisch», sagt Bierich, «aber irgendwie tauchen die Texte immer wieder auf.»

Politisch korrekte Texte

Niemand hat sie gezählt, all die Zeller Weihnachten, die seit 1960 über die Bühne gegangen sind, aber diese wird eine politisch korrekte. Die Produktion, musikalisch betreut von der Unterstammheimerin Monika Bohe, ist eine Herausforderung mit rund 50 Kindern im Alter von 5 bis 15 aus der Kirchgemeinde. Rollen werden anders verteilt

«Es ist eine sehr heterogene Gruppe», sagt Bohe, «deshalb singen wir auch einstimmig und nicht zweistimmig». Das ganzheitliche Theatererlebnis für die Kinder sei ihr wichtig. Bierich ist aufgefallen, dass sich die Geschlechterrollen bei der Rollenverteilung geändert haben: Während bei Burkhard die Jungen die Aufführung beschliessen und dann den Mädchen die Aufgaben zuteilen, hätten hier die Mädchen das Zepter übernommen. «Die Rolle der Maria war dabei gar nicht begehrt», sagt die Ex-Stammheimerin. «Die Frau des Herodes schien ihnen viel spannender.»

Alles Musiker aus dem Tal

Unterstützt wird die Produktion von einem sechsköpfigen Bläserchor und Flötenspielerinnen, «alles Musiker aus dem Tal», freut sich Monika Bohe. Die rustikale Anmutung der Kirche mit viel einheimischem Holz und dem backsteinroten Boden unterstreicht das schlichte Bühnenbild. Was wird den Kindern einst, vielleicht in 50 Jahren, von dieser Zäller Wiehnacht in Erinnerung bleiben?

D’Zäller Wiehnacht Sa, 16.12., 19 Uhr und So., 17.12., 17 Uhr. Ref. Kirche Unterstammheim. Eintritt frei, Kollekte.

(Der Landbote)

Erstellt: 11.12.2017, 14:29 Uhr

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