Dinhard

«Mein Haus kommt mit mir»

Eines der wenigen Häuser in der Schweiz, das man tranportieren kann, zieht zum ersten Mal um. Die ZimmereiArbos in Dinhard hat es vor 18 Jahren entwickelt.

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Sie haben im Jahr 2000 ein transportfähiges Arbos-Haus erworben. Wie viele kostete es?
Peuss Hürlimann: Rund 300 000 Franken.

Wie sind sie zu zu einem Grundstück für das Haus gekommen?
Wir hatten Glück. Hier, in diesem zentralen und ruhigen Wohnviertel von Frauenfeld, besitzt die evangelische Kirchgemeinde ein unbebautes Reservegrundstück. Wir wohnten bereits in der Nähe und konnten das Land pachten. Es kostet 500 Franken Zins pro Monat. Ursprünglich dauerte der Pachtvertrag 15 Jahre.

Wie sieht es mit dem Land am neuen Ort aus?
Am neuen Ort in Brügg bei Biel haben wir das Bauland gekauft.

«Ich will nicht pendeln. Deshalb habe ich ein transportfähiges Haus gekauft.»

Warum haben Sie überhaupt ein transportfähiges Haus gekauft?
Die meisten Menschen in der Schweiz sind sehr sesshaft. Sie pendeln lieber zu einer Arbeitsstelle als dass sie umziehen. Ich will nicht pendeln. Wohl deshalb habe ich ein transportfähiges Haus gekauft. Vielleicht richtet sich das Arbos-Haus an Menschen, die sich etwas von der schweizerischen Mentalität abheben — oder wenigstens vom Klischee des typischen Schweizers. Man verzichtet auf Perfektion im Innenausbau und fühlt sich im provisorischen Zustand wohl.

Jetzt ziehen sie nach langer Zeit um. Warum?
Meine Kinder leben in Basel, meine neue Frau in Biel. Und beruflich suche ich auch etwas Neues. Vom Gefühl her ist der Umzug etwas ganz besonders für mich. Das Haus kommt mit mir. Mein ganzes Umfeld und meine Freunde bleiben hier. Auch der Garten natürlich. Der wächst hoffentlich wieder zu einem Baumgarten heran, genau wie er früher war.

Wie viel kostet der Umzug?
Es kostet zunächst 40 000 Franken, das Haus abzumontieren. Der Aufbau im Biel kommt auf 360 000 Franken zu stehen. Wobei wir das Haus am neuen Ort besser dämmen. Wir montieren ausserdem neue Fenster, bauen ein begrüntes Dach und betonieren den Keller.

Wie viel Zeit nimmt der Umzug in Anspruch?
Das Haus selbst ist jeweils in zwei Tagen abgebaut und wieder aufgebaut. Vor dem Umzug dauert es einen Monat, bis das neue Fundament erstellt ist. Nach dem Umzug werde ich die neue Dämmung und weitere Umbauten selbst machen. Das dauert drei Monate, also länger, als wenn das eine Firma übernehmen würde. Alles in allem bauen wir in Biel praktisch ein neues Haus, mit Baubewilligung und allem drum und dran.

«Das Haus selbst ist jeweils in zwei Tagen abgebaut und wieder aufgebaut.»

Ist man mit dem Arbos Haus nicht gezwungen, an einem Stadtrand zu leben? Innerhalb des bebauten Gebiets gibt es wohl kaum Freiflächen.
Das stimmt. Mein Traum wäre es, in Kleinbasel am Sonnenufer des Rheins das Haus auf den Fluss zu bauen. Das geht natürlich nicht. Die Schweiz ist mittlerweile dichter bebaut als vor 18 Jahren. So weichen wir in Biel tatsächlich auf den Vorort Brügg aus und bauen das Haus ins Grüne.

Wie kommen die technischen Installationen nach Biel?
Die Installationen sind denkbar einfach. Es gibt eine einzige Wasserleitung vom Keller bis ins Erdgeschoss. Der Strom verläuft in einem Kanal, von dem sichtbare Kabel abzweigen. Als Heizung haben wir einen grossen Kachelofen für das ganze Haus. Das Arbos-Haus ist ein Passivhaus ohne kontrollierte Lüftung. Die Wohnräume sind ganz nach Süden eingerichtet. Im Winter sollten die Sonne, die Apparate und die Menschen im Haus die Räume von selbst warm halten. Nur haben wir zu wenig berücksichtigt, dass Frauenfeld oft im Nebel liegt. Und Biel leider auch.

Gibt es andere Arbos-Häuser in der Umgebung?
Als wir das Haus aufbauten, gab es manche Medienberichte. Das Interesse war enorm. Aber letztlich hat sich doch niemand anders für das Haus entschieden. Vielleicht schreckt die einfache Ausstattung ab. Aber mir gefällt es so. Auch als Familie fühlten wir uns wohl im Haus.

Wie lange hält das Haus? Wie viele Umzüge erträgt es?
So ein Haus hält gut hundert Jahre. So alle vierzig Jahre müsste man wohl die Fassadenverkleidung ersetzen. Doch diese nutzt sich bei jedem Haus ab. Das Arbos-Haus würde drei Umzüge locker überstehen, ohne dass die Bauteile darunter leiden würden. Für mein Arbos-Haus ist es allerdings der letzte Umzug. In Biel wird es sesshaft.

Aus welchem Material besteht das Haus?
Das ganze Haus ist aus Fichtenholz gebaut. Wir haben für die Bauelemente eine Art Ständerbauwerke verwendet. Das ist eine zeitgemässe Umsetzung des Fachwerkbaus, so wie er im Weinland und im Thurgau typisch ist.

Würden Sie heute wieder ein transportfähiges Haus kaufen?
Als ich das Arbos-Haus kaufte, wollte ich etwas Neues ausprobieren. Zudem hat uns die Konstruktion eines transportfähigen Hauses zur Einfachheit gezwungen. Das hat zu einer Raumeinteilung geführt, die mich heute noch begeistert. Trotzdem muss ich heute eingestehen, dass es einfacher ist, von Haus zu Haus zu ziehen.

(Der Landbote)

Erstellt: 06.03.2018, 16:37 Uhr

Zur Person

Der 55-jährige Peuss Hürlimann ist Zimmermann. Er arbeitete bis 2016 in der Schreinerei Arbos in Dinhard. Hürlimann war an der Konstruktion des transportfähigen Holzhauses beteiligt.

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Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

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