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#MeToo ist «unnötig» und «lächerlich»

In einer Kolumne äussert sich Therese Schläpfer, SVP-Gemeindepräsidentin von Hagenbuch, zum Thema sexuelle Gewalt und zur #MeToo-Kampagne. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus.

Die SVP-Gemeindepräsidentin Therese Schläpfer findet die #MeToo-Debatte lächerlich. Und sorgt damit für harsche Reaktionen.
Die SVP-Gemeindepräsidentin Therese Schläpfer findet die #MeToo-Debatte lächerlich. Und sorgt damit für harsche Reaktionen.
Heinz Diener (Archiv)

Die #MeToo-Kampagne finde sie unnötig, sagt Therese Schläpfer, Gemeindepräsidentin von Hagenbuch: «Ich fände es viel wichtiger, dass Mütter ihren Töchtern sagen, wie sie sich bei Übergriffen verhalten sollen.» Am vergangenen Samstag schrieb Schläpfer eine Kolumne in der «Elgger/Aadorfer Zeitung» unter dem ­Titel «Sexuelle Belästigung».

Neben dem Hashtag #MeToo, unter dem seit Oktober Frauen online von sexuellen Übergriffen berichten, thematisiert sie darin etwa auch den Fall Harvey Weinstein: «Jahrzehntelang hat es die betroffenen Personen – im Falle Weinstein Frauen – nicht gestört, danach oder damit zu leben.»

«Ihm war sicher am wichtigsten, dass er die beste Frau für die Rolle findet.»

Therese Schläpfer über Harvey Weinstein

Auf Anfrage sagt sie, dass es wohl Frauen gebe, die sich auf den bekannten Filmproduzenten eingelassen hätten, weil sie sich davon einen besseren Job erhofft hätten. «Ihm war sicher am wichtigsten, dass er die beste Frau für die Rolle findet.»

Übergriffe im Bundeshaus

Auch zur Situation im Bundeshaus äussert sich Schläpfer, die 2015 als Nationalrätin kandidiert hatte. Das Verhalten von CVP-Nationalrat Yannick Buttet verurteilt sie als «absolut unverständlich» und «völlig unwürdig». Mehrere Frauen werfen ihm sexuelle Belästigung vor.

Dass der Bundesrat deshalb ein Pamphlet zum Thema an alle Ratsmitglieder verteilt habe, sei aber naiv. Die Parlamentarier würden damit als «äusserst hilflos und bedauernswerte Wesen dargestellt».

«Da fragt man sich ernsthaft, wie es kommen kann, dass einzelne Frauen nicht imstande sind, auf eine anzügliche Bemerkung adäquat zu antworten oder sich genügend distanziert zu geben, dass sie sich Respekt verschaffen und sich nicht anfassen lassen müssen», heisst es in der Kolumne.

«Da fragt man sich, wie es kommen kann, dass Frauen nicht imstande sind, auf eine anzügliche Bemerkung adäquat zu antworten»

Therese Schläpfer in ihrer Kolumne

Sie finde es schlimm, wenn sich Nationalrätinnen über sexuelle Belästigung beschwerten, erwachsene Menschen könnten das doch unter sich regeln, sagt Schläpfer. Zu verurteilen sei solches Verhalten vor allem bei jungen, schwachen und hilflosen Menschen, welche vielleicht sogar noch in einer Abhängigkeit seien.

«Gewalt und Macht»

Die Reaktionen auf Schläpfers Kolumne könnten unterschiedlicher nicht ausfallen. Nationalrätin Mattea Meyer bezeichnet «die Verharmlosungen von Therese Schläpfer» als «Affront gegenüber allen Opfern von sexuellen Belästigungen und Übergriffen». Bei den Vorwürfen gegen Harvey Weinstein handle es sich nicht um «Sex-Eskapaden», wie Schläpfer schreibt, sondern um sexuelle Gewalt und Macht.

Schläpfer betreibe Täterschutz und mache Betroffene zu Täterinnen: Diese müssten sich aus ihrer Sicht halt Respekt verschaffen, sich nicht anfassen lassen oder wenigstens richtig wehren.

Vollen Zuspruch erhält Schläpfer von Bea Pfeifer (SVP), Gemeindepräsidentin in Rickenbach: «Ich unterstütze die Aussagen in der ‹Elgger Zeitung› meiner Amtskollegin in jeder Hinsicht», sagt sie auf Anfrage. Sie glaubt überdies, dass «mit dieser unmöglichen und zum Teil lächerlichen Diskussion den wirklichen Opfern eines sexuellen Übergriffes» geschadet werde.

«Die Verharmlosungen von Therese Schläpfer sind ein Affront gegenüber allen Opfern von sexuellen Belästigungen und Übergriffen»

Mattea Meyer

«Anfangs wertvoll» fand Nationalrätin Natalie Rickli (SVP) die Kampagne. «Schade ist, dass ­heute Vergewaltigungsopfer und Frauen, die ein Kompliment als Belästigung auffassen, in einem Atemzug genannt werden», so Rickli. «Ich hoffe, der gesunde Menschenverstand kehrt in dieser Debatte bald wieder ein.»

Andrea Gisler, Präsidentin der Frauenzentrale Zürich, sieht wie Meyer das Problem darin, dass das Verhalten des Opfers ins Zentrum gerückt werde: «Einem Opfer eines Raubüberfalls wird nie vorgeworfen, es habe sich zu wenig gewehrt», sagt sie. Dass viele Frauen keine oder erst nach Jahren Strafanzeige erstatten würden, erstaune deshalb nicht.

Auch Nicolas Zogg, Leiter Politik und Medien vom Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen Männer.ch, kritisiert die Kolumne scharf: «Frau Schläpfer zeigt ebenso abstossend wie exemplarisch, wie ‹victim blaming› funktioniert. Es liege nicht am Täter, keinen Übergriff zu begehen, sondern am Opfer, einen solchen abzuwehren.»

Damit sei sie mitverantwortlich dafür, dass sich Opfer nicht getrauen würden, einen Übergriff zu melden. «Nun wird mit #MeToo ansatzweise ein Umfeld geschaffen, in dem dies möglich wird.» Auch Gisler sagt: «Die Kolumne von Frau Schläpfer tut es leider sicherlich nicht.»

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Eine Frau ist nie Freiwild. Egal was sie trägt, egal wie sie es trägt. Keine Frau ist je selber schuld, wenn ihr Unrecht getan wird. Die Debatte um Sexismus ist wichtig. Ich habe im Bankenumfeld gearbeitet, da gab es eine Anlaufstelle, wo man diese Anliegen sehr ernst nahm. Das führte zu Entlassungen, meiner Meinung nach zu Recht. Im Top- Management zwar nicht, was vielleicht auch etwas über unsere Gesellschaft aussagt.
Eine Frau ist nie Freiwild. Egal was sie trägt, egal wie sie es trägt. Keine Frau ist je selber schuld, wenn ihr Unrecht getan wird. Die Debatte um Sexismus ist wichtig. Ich habe im Bankenumfeld gearbeitet, da gab es eine Anlaufstelle, wo man diese Anliegen sehr ernst nahm. Das führte zu Entlassungen, meiner Meinung nach zu Recht. Im Top- Management zwar nicht, was vielleicht auch etwas über unsere Gesellschaft aussagt.
Diese ganze #MeToo-Geschichte nimmt übertriebene Formen an. Man könnte jetzt langsam einen Punkt machen, jetzt wird unnötig aufgebauscht. Ich will niemanden verurteilen, ich kenne die Diskussion aus den Medien, nicht aus meinem Umfeld, darum kenne ich auch die Frauen hinter den Vorwürfen nicht. Aber jetzt sind plötzlich alle Frauen Opfer. Ich habe eine kleine Tochter, ihr werde ich sagen, sie soll nicht alles für einen Job tun.
Diese ganze #MeToo-Geschichte nimmt übertriebene Formen an. Man könnte jetzt langsam einen Punkt machen, jetzt wird unnötig aufgebauscht. Ich will niemanden verurteilen, ich kenne die Diskussion aus den Medien, nicht aus meinem Umfeld, darum kenne ich auch die Frauen hinter den Vorwürfen nicht. Aber jetzt sind plötzlich alle Frauen Opfer. Ich habe eine kleine Tochter, ihr werde ich sagen, sie soll nicht alles für einen Job tun.
An und für sich sollten solche Dinge nicht passieren. Wenn ­jemand Nein sagt, dann ist es auch ein Nein. Die #MeToo-Kampagne finde ich deshalb schon wichtig. Genauso wichtig ist es, mit Kindern über das Thema zu sprechen – mit den Töchtern wie mit den Söhnen. Sie müssen lernen, andere Menschen zu respektieren. Mädchen sollen sich wehren können, aber ganz klar sind auch die Männer in der Verantwortung.
An und für sich sollten solche Dinge nicht passieren. Wenn ­jemand Nein sagt, dann ist es auch ein Nein. Die #MeToo-Kampagne finde ich deshalb schon wichtig. Genauso wichtig ist es, mit Kindern über das Thema zu sprechen – mit den Töchtern wie mit den Söhnen. Sie müssen lernen, andere Menschen zu respektieren. Mädchen sollen sich wehren können, aber ganz klar sind auch die Männer in der Verantwortung.
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