Zell

Millionen sind nötig, um Bäche zu zähmen

Die Gemeinde Zell will verhindern, dass Bäche bei Hochwasser Dörfer überfluten. Sie rechnet mit Kosten von rund 25 Millionen Franken. Weniger gefährlich ist die Töss.

Der Zellerbach fliesst ruhig aus dem Wald Richtung Dorf Zell. Bei viel Regen sieht das anders aus.

Der Zellerbach fliesst ruhig aus dem Wald Richtung Dorf Zell. Bei viel Regen sieht das anders aus. Bild: Johanna Bossart

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In der Regel ist der Zellerbach eine Augenweide. Er plätschert beschaulich durch das wilde Königstal, vorbei an unverbauten Böschungen, mitten durch den Wald, bevor er unter dem Dorf Zell verschwindet. Doch bei starkem Regen wird das Gewässer rasch zum Ungeheuer. Der Bach stürzt sich dann mit Wucht ins Tösstal und hat das Potenzial, einen grossen Teil der Gemeinde zu fluten. Bei einem Hochwasser, wie es alle hundert Jahre vorkommen kann, wäre daher nicht nur das Dorf Zell stark betroffen, sondern auch der viel weiter entfernte Ortseil Rikon. Das Schadenpotenzial des Zellerbachs liegt bei 13,9 Millionen Franken.Diese eindrückliche Zahl steht auf einer Folie, die Daniela Nussle am Montagabend an einer Informationsveranstaltung der Gemeinde Zell vor rund 60 Interessierten präsentierte. Sie arbeitet für das Ingenieurbüro Holinger und hat im Auftrag der Gemeinde einen Massnahmenplan erarbeitet, um die Gemeinde Zell besser vor Hochwasser zu schützen.

Das hohe Schadenpotenzial des Zellerbachs basiert auf der Gefahrenkarte des Kantons. Bevor die Massnahmen umgesetzt werden können, sind vertieftere Abklärungen vor Ort nötig.

Bei der Töss eilt es nicht

Schon jetzt steht aber fest: Der Hochwasserschutz wird für die 6000-Einwohner-Gemeinde zum teuren Grossprojekt. Grob geschätzte 25 Millionen Franken werden alle Schutzmassnahmen zusammen kosten. Denn nicht nur der Zellerbach ist eine Bedrohung. Zahlreiche weitere Bäche fliessen die Hänge hinunter Richtung Töss. Nebst dem Zellerbach schwillt vor allem auch der Bolsternbach rasch an: Bei einem Jahrhunderthochwasser (HQ 100) könnte er grosse Teile Kollbrunns überfluten und so Schäden in der Höhe von 11,4 Millionen Franken auslösen.

Schadenpotenzial des Zellerbachs bei einem Jahrhunderthochwasser. Quelle: Holinger AG/©swisstopo (JM100004), Grafik ak

Weniger bedrohlich ist im Vergleich dazu die Töss. Bei gleichem Szenario seien nur geringfügige lokale Überschwemmungen zu erwarten, sagte Alex Marty vom Kanton. «Die Töss ist vergleichsweise gut ausgebaut.» Da der Kanton Prioritäten setzen müsse, würden Projekte zum Hochwasserschutz an der Töss in den nächsten 10 bis 15 Jahren noch nicht umgesetzt.

Acht Meter hoher Damm?

Dringlicher sind in Zell dahingegen Massnahmen an den kommunalen Gewässern. Das Ingenieurbüro hat bereits verschiedene Varianten ausgearbeitet. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise ein acht Meter hoher Damm für ein Rückhaltebecken oberhalb von Kollbrunn. Das Publikum quittierte diese Aussage mit viel Gemurmel. Einer witzelte gut hörbar, dass davon sicher der Biber profitieren werde, der dort in der Nähe schon gesichtet wurde.

Andere Varianten wären ein Entlastungsstollen Richtung Töss oder ein «Vollausbau». Dabei müsste man unter anderem an verschiedenen Stellen das Gerinne oder Brücken ausbauen. Beim Zellerbach sind ebenfalls ein Entlastungskanal oder Ausbauten denkbar.

Prioritäten gesetzt

Für das ganze Gemeindegebiet ist ein Strauss von Massnahmen vorgesehen. Das Ingenieurbüro hat deshalb Prioritäten gesetzt. Nebst dem Zellerbach und Bolsternbach soll auch der Rikoner Dorfbach möglichst bald sicherer werden. Die Gemeinde will zudem schon dieses Jahr ein Unterhaltskonzept erarbeiten, wie Gemeinderätin Susanne Stahl sagte. Dies, damit Bäche an kritischen Stellen rechtzeitig von Holz, Laub, et cetera befreit werden können. Ins Rollen gebracht hat das Ganze der Kanton. Dieser hat 2014 verlangt, dass die Gemeinde Zell in Gefahrenzonen Massnahmen ausarbeitet und diese dann innerhalb von zehn Jahren umsetzt. Nach einem Rekurs von Zell wurde die Frist auf 20 Jahre verlängert.

Lob vom Kanton

Der Kanton fordert aber nicht nur, er zahlt auch grössere Beiträge an die Projekte. Die Höhe der Unterstützung misst sich daran, wie sinnvoll ein Projekt ist und ob dabei auch ökologische oder landschaftliche Aspekte berücksichtigt sind. Die Aussichten für die Tösstaler Gemeinde sind gut: «Zell ist auf bestem Weg», sagte jedenfalls Christoph Zemp, Amtsleiter im Kanton am Infoabend. Die Gemeinde mit ihrer «schwierigen Topografie» habe die Projekte «sehr seriös angepackt». Je nachdem können Kantons- und Bundesbeiträge bis zu 65 Prozent der Kosten decken.

Wie viel der Hochwasserschutz die Gemeinde kosten wird, ist derzeit deshalb schwierig abzuschätzen. Gemeindepräsident Martin Lüdin wagte dennoch eine Kostenschätzung. Um alle Massnahmen umzusetzen, rechnet er für Zell mit Nettokosten von etwa 6,6 bis 11,4 Millionen Franken. Der Antrag an die Stimmbürger wird aber deutlich höher sein. Denn Staatsbeiträge dürfen darin nicht abgezogen werden und hinzu kommen Projektkosten. Der Gemeinderat will die Hochwasserschutzprojekte zudem als Gesamtpaket an die Urne bringen: Der Rahmenkredit für die Jahre 2018 bis 2036 beläuft sich auf 25 Millionen Franken. Vorberatende Gemeindeversammlung ist am 18. Juni. Die Abstimmung ist auf den 23. September angesetzt. (Landbote)

Erstellt: 13.03.2018, 16:56 Uhr

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