Elgg

Mit süssem Most gegen Baumschwund

Seit 20 Jahren mosten Freiwillige des Naturschutzes und des Heimatschutzes zusammen Äpfel von Hochstammbäumen. Den Landwirten bezahlen sie den doppelten Marktpreis für die Früchte.

Die Äpfel werden in Elgg angeliefert, im Waaghüsli gewogen und danach zu Süssmost gepresst.

Die Äpfel werden in Elgg angeliefert, im Waaghüsli gewogen und danach zu Süssmost gepresst. Bild: Madeleine Schoder

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Viele Gärten mit Hochstammbäumen stehen zwar unter Schutz, die Bäume verschwinden aber trotzdem. Das könne man kaum verhindern, sagt Urs Rutishauser vom Naturschutzverein Elgg und Umgebung. Vor 20 Jahren starteten deshalb Freiwillige des Naturschutzvereins in Zusammenarbeit mit der Heimatschutzvereinigung Elgg (HVE) ein Projekt: die Produktion von Hochstamm-Süssmost. «Wir wollten den Absatz des Hochstammobsts wieder attraktiver machen», sagt Rutishauser.

3000 Liter Most

Gemostet wird in einem Tag. Frühmorgens um Sieben fahren die Lastwagen vor und bringen säckeweise Äpfel auf den Elgger Lindenplatz. Im kleinen Waaghüsli werden die Früchte gewogen und anschliessend gepresst. Die sieben Landwirte, die sich am Projekt beteiligen, brachten dieses Jahr rund vier Tonnen Äpfel, die zu 3000 Litern Süssmost verarbeitet wurden. Das sei eher wenig, sagt Rutishauser. Zum einen hätten die Bäume in höher gelegenen Gebieten mehr Frost abbekommen und zum anderen gebe es in Naturgärten halt stärkere Schwankungen als auf Plantagen.

Die Bauern brachten dieses Jahr rund vier Tonnen Äpfel. Bild: Madeleine Schoder

In anderen Jahren haben die Freiwilligen auch schon an zwei Tagen gemostet und bis zu acht Tonnen Äpfel verarbeitet. «Das war dann aber sehr viel Arbeit», sagt Rutishauser.

Dieses Jahr reicht ein zweiter Tag zum Pasteurisieren und Abpacken des Mosts. Weil der grosse Teil der Arbeit für ein Nachtessen und Spesen geleistet wird, können den Landwirten bessere Preise als üblich bezahlt werden. Wo es für ein Kilogramm Obst normalerweise etwa 20 Rappen gibt, bezahlen die beiden Vereine 40 Rappen. «Anfangsbegeisterung reicht nicht aus. Wir können die Bäume nur mit langfristig gesichertem Absatz erhalten», sagt Barbara Gut von der Heimatschutzvereinigung.

Urs Rutishauser vom Naturschutzverein im Waaghüsli. Bild: Madeleine Schoder

Wichtig sei vor allem das Bewusstsein für die Bäume und das Obst zu fördern – bei den Landwirten wie bei den Konsumenten: «Wir möchten den Bauern zeigen, dass die breite Bevölkerung diese Produkte schätzt», sagt Gut. Auch wenn ihr klar ist, dass das Projekt mengenmässig nur etwas mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein bedeutet.

Manchmal gibts Schnaps

Der Elgger Süssmost kann vorbestellt und an zwei Rampenverkäufen gekauft werden. Der erste findet am kommenden Samstag während des Apfelmarkts statt, der zweite am 30. Oktober. Was danach noch übrig bleibt, verkaufen der Claro-Laden Elgg, der Quartierladen in Neu-Elgg und die Landi Räterschen. In Jahren mit vielen Resten haben die Vereine auch schon Schnaps gebrannt. «Wenn man Süssmost verwendet, gibt das sehr hochqualitativen Schnaps», sagt Rutishauser. Er schätzt es ebenfalls, dass es sich beim Most-Projekt nicht nur um eine kurze Aktion handelt: «Es ist schön, dass es schon so lange existiert und Leute bereit sind, ihre Freizeit dafür aufzuwenden.»

Erstellt: 22.10.2019, 17:43 Uhr

Elgger Apfelmarkt:

Den Elgger Hochstamm-Most erhält man am nächsten Samstag, am 26. Oktober, von 8.30 bis 12 Uhr, am traditionellen Elgger Apfelmarkt, auf dem Meisenplatz. Die Heimatschutzvereinigung bietet über 50 verschiedene, alte, farbenprächtige Apfel- und Birnensorten an, die probiert werden können.

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