Wasserversorgung

Neftenbach legt Pumpwerk wegen Pestizid still

Ein Pumpwerk in der Gemeinde ist verunreinigt und wurde ausser Betrieb genommen. Nun muss jeder zehnte Liter Wasser eingekauft werden. Für wie lange, ist unklar.

Das Pumpwerk Hofstetten in Neftenbach musste ausser Betrieb genommen werden.

Das Pumpwerk Hofstetten in Neftenbach musste ausser Betrieb genommen werden.

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Das Pestizid Chlorothalonil, das Pflanzen vor Pilzbefall schützt, machte in den letzten Wochen Schlagzeilen. Wie breit angelegte Messungen zeigten, weist das Schweizer Trinkwasser in zahlreichen Gemeinden im Mittelland unzulässige Rückstände von Chlorothalonil auf.

Aus der Landwirtschaft findet es seinen Weg ins Grund- oder Quellwasser. Winterthur kam vergleichsweise glimpflich davon: Nur zwei unwichtige Quellen wurden diesen Sommer stillgelegt. Unglücklicher trifft es nun die Gemeinde Neftenbach.

Wie die Gemeinde mitteilt, ist das Grundwasserpumpwerk Hofstetten seit dem 11. Juli ausser Betrieb. Es versorgt die Gebiete Aesch und Riet und hat am gesamten Neftenbacher Wasser einen Anteil von zehn Prozent. Auslöser war eine Analyse des Wassers durch das Kantonale Labor. Die Probe-Entnahme fand bereits im Mai statt, im Juli wurde das Resultat der Gemeinde mitgeteilt.

«Deutlich teurer»

Wie andernorts wurde auch in Neftenbach der Grenzwert für Chlorothalonil überschritten. Vor der Stilllegung versuchten die Behörden noch, das Grundwasser mit sauberem Quellwasser zu verdünnen, allerdings ohne Erfolg.

Obwohl das verunreinigte Wasser vor der Abstellung noch monatelang floss, habe für die Bevölkerung kein Risiko bestanden, ist der Neftenbacher Wasserverantwortliche und Brunnenmeister Reto Grob überzeugt: «Dazu hätte der Grenzwert viel deutlicher überschritten werden müssen.»

Der Ausfall des Grundwasserpumpwerks kam für Neftenbach völlig überraschend. «Das Pumpwerk ist für unsere Wasserversorgung sehr wichtig», sagt Grob. Wegen dieser Abhängigkeit sei der Ausfall auch «schlimmer als in Winterthur».

Seit der Stilllegung muss Neftenbach nun Trinkwasser hinzukaufen, dieses kommt aus Pfungen und Winterthur. Auch bisher fanden solche Bezüge schon statt, vor allem während trockenen Sommermonaten. Laut Grob wird es nun aber deutlich teurer für die Gemeinde. Wie teuer genau, lasse sich erst Ende Jahr beziffern.

Wann kommt Verbot?

Nun wartet die Gemeinde auf neue Resultate aus dem kantonalen Labor. Laut Grob ist es völlig unklar, wann das Grundwasserpumpwerk wieder in Betrieb genommen werden kann. Es könnte nächste Woche soweit sein, aber auch erst im Frühling oder noch später. «Wir beproben das Grundwasser regelmässig und nehmen das Pumpwerk erst wieder in Betrieb, wenn die Grenzwerte unterschritten sind», versichert Grob.

Und was könnte man tun, um vorläufig weitere Verunreinigungen des Wassers zu verhindern? Eine Möglichkeit wäre es, mit dem Bauern aus der Umgebung das Gespräch zu suchen und auf einen Verzicht des Spritzmittels zu drängen. Entlang des Näfbachs befinden sich auf Neftenbacher Gebiet rund fünf Landwirtschaftsbetriebe.

Das erledigt sich aber voraussichtlich von selber.In den kommenden Wochen wird vom Bund ein Entscheid erwartet, ob es in der Schweiz zu einem Verbot von Chlorothalonil kommt. Das Pflanzenschutzmittel gilt erst seit kurzem als «möglicherweise krebserregend», ab 2020 gilt in der ganzen EU ein komplettes Verbot.

Es findet vor allem bei Getreide Einsatz, beispielsweise gegen die Krankheit Mehltau. In den Böden und Gewässern ist es schon lange – die erste Anwendung des Fungizids erfolgte in den 1970er Jahren.

Erstellt: 23.08.2019, 16:28 Uhr

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