Aadorf

Nicht alles ging glatt durch

Die knapp 300 anwesenden Stimmberechtigten erlebten eine fast dreistündige Gemeindeversammlung von Schule und Politischer Gemeinde. Auch mit bewegenden Momenten.

Das Adestahaus, hier ein Bild der Eröffnung, muss bereits wieder saniert werden.

Das Adestahaus, hier ein Bild der Eröffnung, muss bereits wieder saniert werden. Bild: hd

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Diese Anträge vorweggenommen: Der Antrag der Schulbehörde, den Steuerfuss von 94 Prozent um vier auf 90 Prozent zu senken, wurde erwartungsgemäss gutgeheissen. Ebenso der gleichbleibende Steuerfuss von 55 Prozent bei der Politischen Gemeinde. Genehmigt wurden auch die Budgets 2020 sowie der Kredit für die Sanierung der geschützten Wohngruppe Adesta in der Höhe von 730000 Franken. So diskussionslos, wie dies erscheinen mag, so reibungslos verlief die Versammlung dennoch nicht.

Aus rot wird schwarz

Für Schulpräsidentin Astrid Keller war die 15. Gemeindeversammlung der Volksschulgemeinde Aadorf eine Première. Sie erledigte ihre Aufgabe in gekonnter Manier. Eine Steuersenkung bekannt zu geben, machte es ihr wohl auch einfacher. Immerhin ist auch dies nicht selbstverständlich, steht doch bei einem Aufwand von 20 Millionen Franken ein Mehraufwand von 539000 Franken gegenüber. «Aus rot wird schwarz», meinte sie und wies auf die höheren Steuereingänge in diesem Jahr hin und das revidierte Beitragsgesetz, was dazu führe, dass man sich die Steuersenkung leisten könne.

Schrittweise werde das Eigenkapital in den nächsten Jahren abgebaut. Gleichwohl stehen bis 2024 Investitionen in der Höhe von 11,65 Millionen bevor, so etwa für die Renovation Sek Nord, Kindergarten Ettenhausen, Turnhalle Guntershausen und Gesamtsanierung Häuslenen. Zum Lehrplan 21, dem Schulprojekt «Agil – Stabil» in Ettenhausen und Guntershausen, dem Mobbing in der Schule, zur Entwicklung der Schülerzahlen, die zur Bildung einer neuen Klasse und zu Zusammenführungen führt, machte Keller weitere informative Angaben.

Emotionaler Auftritt

Mit etwas Gegenwind hatte sich darauf Gemeindepräsident Matthias Küng auseinanderzusetzen. Gespannt warteten die nun 287 Anwesenden auf die Auszählung der zehn Einbürgerungsgesuche. Eines davon war nämlich vom Gemeinderat zur Ablehnung beantragt worden: Mangelnde Integration, zwiespältiger Eindruck beim Gespräch und das Tragen des Kopftuches führten zum negativen Entscheid. Dass die 22-jährige Abazi Valjbona den Mut fand, vor die Bühne zu treten und dabei über ihre Beweggründe Auskunft zu geben, war doch einigermassen erstaunlich.

 «Es wird zu einer schweizweiten Blamage für Aadorf werden, sollte dieses Integrationsgesuch abgelehnt werden»Ein Votant

In perfekter Mundart, gerührt von Emotionen, äusserte sich die in Aadorf Geborene zur ihrer Wertehaltung, ihrem Glauben, ihrem Schweizer Freundeskreis und ihrem Integrationswillen. Sie erntete Applaus. «Es wird zu einer schweizweiten Blamage für Aadorf werden, sollte das Gesuch abgelehnt werden», meinte ein Votant. Nur sieben Stimmen entschieden schliesslich für die junge Frau, die darauf überglücklich war. «Das ist doch echte Demokratie und ein Bekenntnis zur Religionsfreiheit», meinte eine Guntershauserin und freute sich nach Versammlungsende mit der Kopftuchträgerin im Foyer.

Haus Adesta wird saniert

Wortmeldungen gab es nicht nur zu diesem Thema, sondern auch zum Haus Adesta. Gemeinderat Andreas Meister erläuterte das Projekt, das zwecks Wärmeschutz zwar brutto 730 000 Franken kostet, aber dank der Fotovoltaik-Anlage die Energiekosten reduziert und sich längerfristig finanziert. Ein Votant störte sich daran, dass nach zehn Jahren schon wieder Geld in die Hand genommen werden müsse.

Ex-Gemeindepräsident Bruno Lüscher sah in einem Ausbau auf zwei Stockwerke keine Lösung und unterstützte das vorgesehene Projekt. Mit Erfolg, denn es gab nur sieben Gegenstimmen. Ein Nachtragskredit für den Vollausbau der Ifangstrasse, inklusive Blumenweg, in der Höhe von 47000 Franken wurde ebenfalls bewilligt. Rund 1,4 Millionen Franken sind als Kostenteiler auch für den Umbau der Schützenstrasse vorgesehen. Diese soll eine Kernfahrbahn ohne Mittellinie erhalten, womit Fahrräder vom beidseitigen Trottoir verdammt würden, was die Sicherheit für Fussgänger erhöhen soll, weil langsamer gefahren werde, hiess es.

Fürs Jahr 2020 sind Nettoinvestitionen von rund 5 Millionen Franken vorgesehen. Allein für die Gestaltung des Bahnhofplatzes stehen rund 2 Millionen zu Buche. Im Jahr 2021 soll damit begonnen werden. Küng machte auch noch Angaben über den Teilausbau der Brandforenstrasse und zum Totalausbau des Glasfasernetzes. Gemeinderat Stefan Mühlemann sieht in absehbarer Zeit keinen Neubau des Feuerwehrdepots und des Werkgebäudes, mit möglichem Einbezug von Zivilschutz und Polizei. Die Kosten von rund 30 Millionen für einen derartigen Bau, Standort Vorheidestrasse, wirken geradezu abschreckend. In Zukunft müsse aber etwas gemacht werden, meinte er.

Erstellt: 06.12.2019, 16:42 Uhr

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