Turbenthal

Nicht nur beim Thema Fusion uneins

Wie soll sich die Gemeinde entwickeln? Die beiden Kandidaten für das Gemeindepräsidium haben verschiedene Vorstellungen.

Wohin des Weges Turbenthal? Die beiden Kandidaten um das Gemeindepräsidium haben unterschiedliche Vorstellungen.

Wohin des Weges Turbenthal? Die beiden Kandidaten um das Gemeindepräsidium haben unterschiedliche Vorstellungen.

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Herr Küng, eine IT-Firma hat auf Facebook publik gemacht, dass Sie als Schulleiter eine Firma leiten, welche die eigene Schule mit Informatikmaterial belieferte. Für den Absender ist das befremdlich. Warum haben Sie sich darüber geärgert?
Markus Küng: Weil der Beitrag nicht der Wahrheit entspricht. Ich habe mich an der Schule nicht bereichert. Seit 1999 habe ich die Informatik vorangetrieben und war 18 Jahre lang der Hauptverantwortliche dafür. Diese Aufgabe habe ich gekündigt, um mir Zeit für das Gemeindepräsidium zu verschaffen. Sollte ich die Wahl verlieren, habe ich mein liebstes Hobby umsonst aufgegeben. Aber dafür habe ich ja mein Lieblingsmotto: «Chasch nöd immer günna».

Im Facebook-Inserat war nicht die Rede davon, dass Sie sich bereichert hätten. Und es stimmt, dass Sie mit ihrer Firma die eigene Schule beliefert haben.
Küng: Ja, und wir haben alles korrekt und legal in die Wege geleitet. Es war alles mit den zuständigen Behörden abgesprochen und zu 100 Prozent klar geregelt.

Die Schulpflege hat das kürzlich bestätigt. Herr Brunner, was sagen Sie zu diesem Thema?
Georg Brunner: Nichts. Die Schulen sind in Turbenthal eigenständige Gemeinden.

«Der Druck auf die Gemeinden wird weiter zunehmen.»Georg Brunner

Zu etwas ganz Anderem: Die Bevölkerung in Wila hat die Behörden damit beauftragt, eine Fusion zu prüfen. Bieten Sie Hand für Gespräche?
Brunner: Zusammen mit anderen Gemeindepräsidenten bin ich beim Projekt Gemeinden 2030 des Regierungsrats involviert. Der Druck auf die Gemeinden wird weiter zunehmen. Wir werden also miteinander Lösungen finden müssen. Gerne biete ich Wila Hand für Gespräche.

Herr Küng, wie gehen Sie mit einer Anfrage aus Wila um?
Küng: Der Gemeinderat würde das sicher prüfen.

Wie stehen Sie generell zum Thema Fusion?
Küng: Ich bin der Meinung, dass Fusionen aus Sicht Turbenthals zurzeit nicht nötig sind. Wir müssen das Thema nicht anstossen. Wenn aber Wila auf uns zukommt, ist das sicher prüfenswert.

Die Schulgemeinden im mittleren Tösstal müssen bis 2022 ihre Grenzen bereinigen. Wie sieht für Sie eine ideale Lösung aus?
Küng: Es liegt auf der Hand, dass eine Fusion der Primarschule mit der Sekundarschule Turbenthal sinnvoll sein könnte.

Brunner: Die Fusion der beiden Schulgemeinden ist schon länger ein Thema. Das wäre aber nur ein Zwischenschritt. Es ist ein Ziel von mir, die Diskussion mit den Gemeinden und den Schulen in der nächsten Legislatur nochmals zu führen und einen geeigneten Weg zu finden.

Ein Projekt, welches das ganze Tösstal betrifft, ist der geplante Naturpark. Sind Sie dafür?
Brunner: Da habe ich Insiderwissen und kann deshalb derzeit nicht viel dazu sagen. Ich bin Vorstandsmitglied von Pro Zürcher Berggebiet. Demnächst ist Delegiertenversammlung und es wird einen Entscheid geben, wie es weitergeht.

«Ich bin der Meinung, dass Fusionen aus Sicht Turbenthals  zurzeit nicht nötig sind.»Markus Küng

Küng: Ich stehe allen Projekten grundsätzlich offen gegenüber, die die Vernetzung fördern. Aber beim Naturpark ist vieles noch offen. Das Projekt steht auf der Kippe, so viel ich weiss.

Herr Küng, was wollen Sie als Gemeindepräsident besser machen als Georg Brunner?
Küng: Es geht nicht nur darum, etwas besser zu machen, sondern vor allem anders. Gerade im Führungsverständnis haben wir Unterschiede. Ich bevorzuge flachere Hierarchien.

Indirekt schwingt da eine Kritik an einem autoritären Führungsstil von Georg Brunner mit.
Küng: Nein, diese Formulierung stört mich. Ich will nicht seinen Führungsstil kritisieren, sondern es anders machen. Das will ich klar festhalten: Wenn alles so schlimm wäre, wäre ich nicht acht Jahre lang im Gemeinderat geblieben.

Brunner: Im Gemeinderat arbeiten alles erwachsene Leute. Zudem haben wir im Rahmen der Neuorganisation gemeinsam diskutiert, wie die Gemeinde geführt werden soll.

Herr Brunner, weshalb hat es so lange gedauert, bis es beim Schlossguet vorwärts ging?
Brunner: Ein wichtiger Faktor sind die Finanzen. Im alten Finanzausgleich wäre das aktuelle Projekt Kulturscheune nicht möglich gewesen, weil der Kanton das nicht mitfinanziert hätte. Dann haben wir von einem Projekt mit einem Museumsspezialisten viel mehr erwartet. Es verzögerte sich aufgrund einer Krankheit und das Ergebnis hat den Gemeinderat dann nicht überzeugt. Jetzt haben wir ein neues Projekt, das wir beim Lotteriefonds eingegeben haben. Entscheidend wird sein, wie hoch dieser Beitrag sein wird.

Küng: In der Kommission Schlossguet machen wir jetzt etwas mit Hand und Fuss. Die Finanzierung bleibt aber ein wichtiges Thema. Am Schluss werden die Stimmbürger entscheiden.

Am Tag der offenen Tür tauchte Millionär Hausi Leutenegger auf. Wird er etwas beisteuern?
Küng: Das wissen wir nicht. Aber etwas versuchen müssen wir.

Wie soll Turbenthal in fünf Jahren dastehen?
Brunner: Wir sind gut unterwegs, die Infrastruktur ist aktuell und organisatorisch sind wir eine vorbildliche Gemeinde. Der Gesamtgemeinderat hat einen guten Job gemacht. Turbenthal wird weiter wachsen und ist lebenswert.

Küng: Ich bin auch der Meinung, dass wir gut dastehen. Kulturell wäre aber mehr möglich. Es wäre sicher eine Bereicherung, wenn wir den Dorfkern mit der Kulturscheune beleben könnten. Auch in der Jugendarbeit gibt es Potenzial: Mit einer besseren Vernetzung und etwa mehr Schulsport könnten wir verhindern, dass sich nicht alle schon früh Richtung Winterthur orientieren.

Brunner: Wir haben schon eine gute Zusammenarbeit mit den Vereinen. Mit dem Bau der Grosshalle haben wir da einen grossen Schritt gemacht.

Wie verbringen Sie den Wahlsonntag?
Küng: Ich habe ein Tennisturnier organisiert und werde erst auf dem Platz stehen. Danach bin ich im Armbrustschützenhaus, wo vier Gemeinderäte ab 16 Uhr eine kleine Feier organisiert haben. Jeder ist willkommen.

Brunner: Ich bin früh in der Gemeindeverwaltung, da ich die Wahlauszählung organisatorisch leite. Sicher werde ich später auch im Schützenhaus vorbeigehen. Zudem stossen wir bei mir Zuhause an.

(Der Landbote)

Erstellt: 13.04.2018, 15:41 Uhr

Zwei Frauen in den Gemeinderat

Für den siebenköpfigen Gemeinderat in Turbenthal kandidieren am 22. April acht Personen. Neu zur Wahl stellen sich zwei Frauen: Katrin Ruzicka-Eigenbauer (parteilos) und Katharina Fenner (FDP).

Schaffen beide die Wahl, scheidet einer der bisherigen Männer aus. Nebst Gemeindepräsident Georg Brunner (FDP) bewerben sich René Gubler (FDP), Markus Küng (parteilos), Roger Schwender (parteilos), Heinz M. Schwyter (parteilos) und Walter Fehr (parteilos) erneut um einen Sitz. Auch bei der Primarschulpflege kommt es zu Kampfwahlen.

Für die sieben Sitze kandidieren acht Personen. Ebenfalls spannend wird es bei der Sekundarschulpflege Turbenthal-Wildberg, wo sich sechs Kandidaten um einen der fünf Sitze bewerben.

Seit 2010 ist Georg Brunner für die FDP Gemeindepräsident in Turbenthal. 2006 wurde er in den Gemeinderat gewählt. Der Familienvater führt in Turbenthal die Dorfmetzgerei Brunner und ist in Berufsverbänden und Vereinsvorständen tätig. roh

Markus Küng ist seit 2010 Gemeinderat in Turbenthal. Der parteilose Lehrer arbeitet seit bald 29 Jahren in der Primarschule Turbenthal und ist aktuell Schulleiter. Der Familienvater hat 20 Jahre lang Schulsport-Handball erteilt und viele Klassen- und Skilager geleitet.

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