Seuzach

Ohne Computer keine Medikamente

Fünf junge Schülerinnen konnten am Dienstag in der Apotheke Seuzach den Alltag einer Pharma-Assistentin miterleben. Auch hier läuft nichts ohne Computer – und doch ist er ihr Konkurrent.

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10 Uhr morgens in Seuzach, kleine Grüppchen von Jugendlichen laufen durchs Dorf. Müssen die nicht in der Schule sein, fragt man sich da. Heute nicht. Die Schüler der zweiten Sekundarstufe haben die Chance, einen Einblick in verschiedene Berufe zu erlangen. Am Berufswahlparcours können sie sich Berufe ihrer Wahl ansehen. «Ich möchte einfach mal überall reinschauen, um herauszufinden, was mir wirklich gefällt», sagt Nina Milisavljievic. Sie und vier weitere Schülerinnen sind heute in der Apotheke Seuzach zu Besuch. Melanie Frei, Pharma-Betriebsassistentin und Berufsbildnerin, empfängt die Mädchen.

Genau und sauber

Als erstes geht es in die Tiefe. Im Keller müssen die Medikamente aus dem Lager geholt werden, die am vorherigen Tag verkauft wurden. Regal an Regal, gefüllt mit unzähligen Medikamenten. Gut, dass die Apotheke da ein System hat. «Alles ist in alphabetischer Reihenfolge geordnet», sagt Frei. Ordnung sei etwas sehr Wichtiges in dem Beruf. «Man muss genau und sauber arbeiten.» Der Ordnung sei Dank, sind die benötigten Arzneien schnell gefunden und es kann zum nächsten Programmpunkt übergegangen werden.

Hier dürfen sich die Schülerinnen einen pflanzlichen Spray zur Stärkung der Abwehr mixen. Das Rezept dafür druckt Melanie Frei vom Computer aus.

«Eine gute Beratung ist das A und O in unserem Beruf.»Melanie Frei, Pharma-Betriebsassistentin

«Muss eine Pharma-Assistentin viel am Computer arbeiten?», fragt Laurine Herrmann. Frei nickt: «Das ganze System läuft mit dem Computer.» Ohne ihn könnten die Pharma-Assistentinnen nur schwer arbeiten. «Wir könnten zum Beispiel nicht auf hinterlegte Rezepte zugreifen.» Bei einem Stromausfall wäre die Apotheke so gut wie lahmgelegt. «Das ist auch schon vorgekommen», sagt Frei. Doch glücklicherweise verfüge die Apotheke in Seuzach über einige Stromreserven.

Beratung ist das A und O

Im Laden erscheint Kunde um Kunde. «Eine gute Beratung ist das A und O in unserem Beruf», sagt Frei. Das breite medizinische Wissen in Kombination mit dem Kundenkontakt war für sie der Grund, um Pharma-Assistentin zu werden. Auch für die Sekundarschülerinnen steht dieser Aspekt im Vordergrund: «Ich freue mich, wenn ich Leuten helfen kann», sagt Nadia Keller.

Trotz der Konkurrenz des Online-Handels läuft der Betrieb gut. Die Apotheke Seuzach ist eigenständig und gehört nicht wie viele andere zu einer Kette. Laut Zahlen von Pharma Suisse, waren im Jahr 2017 nur noch 13,7 Prozent der insgesamt 1792 Schweizer Apotheken unabhängig. Weil die einzelnen Apotheken nicht mehr genügend Umsatz aufweisen, bilden sich immer mehr Ketten. Jede vierte Apotheke war im Jahr 2017 in einer wirtschaftlich schwierigen Lage. Pharma Suisse zählt hierzu alle Betriebe, die unter einen Jahresumsatz von 500 000 Franken fallen.

«Der Beruf eignet sich auch gut für Leute, die Teilzeit arbeiten wollen.»Annette Hellner, Apothekerin

«Wir versuchen, uns vom Online-Geschäft abzuheben», sagt Apothekerin Annette Hellner. Wann immer ein Kunde ein spezielles Anliegen habe, wollen sie ihm dieses erfüllen. «Wir arbeiten nach dem Motto: Alles ist möglich.» Wegen der fachkundigen Beratung glaubt Hellner fest daran, dass es auch in Zukunft noch Pharma-Assistenten brauche. Zur Zeit machen diese 41,8 Prozent aller Angestellten in Schweizer Apotheken aus. Jedes Jahr beginnen rund 1000 neue Lehrlinge.

Vor allem Frauen interessieren sich für diesen Beruf. So sind heute neben den fünf Schülerinnen und Melanie Frei sechs weitere Angestellte im Laden, alle sind Frauen. «Das hat mit der Tradition dieses Berufs zu tun», sagt Hellner. Pflegen, Helfen, viel Sprechen, das seien alles weibliche Attribute, die man mit einer Pharma-Assistentin verbinde. «Der Beruf eignet sich auch gut für Leute, die Teilzeit arbeiten wollen.» Das sei vor allem für Mütter häufig ein Vorteil.

Ein harter Start

«Die Ausbildung zur Pharma-Assistentin ist ein super Fundament, um sich weiterzubilden», sagt Berufsbildnerin Frei. Die fünf Schnupperinnen löchern sie mit Fragen. Wie es der Pharma-Betriebsassistentin während der Lehre ergangen sei , möchte ein Mädchen wissen. «Im ersten Lehrjahr war es vor allem mein Ziel, ins zweite Jahr zu kommen», sagt Frei und lacht. Am Anfang sei das Lehrlingsleben schon etwas hart. Der Kundenkontakt, worauf sich die meisten freuen, halte sich bei den Lehranfängern noch sehr in Grenzen. «Man muss vor allem Medikamente auffüllen und selber Sachen mischen.» Das Wissen über die Medikamente müsse man sich erst einmal aneignen.

«Habt ihr auch richtig starke Medikamente in der Apotheke?», fragt Lilly Schütz. Natürlich, und wenn etwas nicht vorhanden sei, dann werde es einfach bestellt. Einige der Medikamente werden sogar in Tresors aufbewahrt. «Da sind die Betäubungsmittel drin», sagt Frei. Mit grossen Augen schauen sich die Mädchen die grauen Kästen an. (Landbote)

Erstellt: 07.11.2018, 14:36 Uhr

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