Illnau-Effretikon

Psychisch erkrankte Arbeitslose erhalten Hilfe

Eine Firma in Effretikon berät neu auch stellensuchende Sozialhilfebezüger, die an Depressionen oder anderen psychischen Krankheiten leiden.

Pädagogin Anna Hövelborn zeigt in ihrer Beratung auf, wie sich Kunden selbst helfen können.

Pädagogin Anna Hövelborn zeigt in ihrer Beratung auf, wie sich Kunden selbst helfen können. Bild: Madeleine Schoder

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Sozialhilfebezüger aus Illnau-Effretikon, die eine Stelle suchen, lernen vielleicht irgendwann Werner Studer kennen. Er und sein Team der Firma SteCo AG helfen Erwerbslosen, sich zu bewerben, auf das Bewerbungsgespräch vorzubereiten und die Stelle, sofern sie sie bekommen, auch zu halten.

Was 2007 mit einer Einzelfirma begann, ist mittlerweile zur AG geworden, bei der neben Geschäftsführer Studer sechs weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angestellt sind. Die Firma arbeitet eng mit der Stadt und deren Sozialbehörde sowie der Abteilung Gesellschaft zusammen.

Seit diesem Jahr bietet SteCo nun eine neue Form von Beratungen an. So steht es im Geschäftsbericht 2018 der Stadt, der eben herausgekommen ist (siehe Box). Das Angebot nennt sich «Betroffene zu Experten machen» und richtet sich an stellensuchende Menschen mit psychischen Erkrankungen und psychosozialen Belastungen. Dazu gehören etwa Schizophrenie, Depressionen, ADHS sowie Angst- und Belastungsstörungen.

Rückläufige Zahlen

«Letzes Jahr hatten wir plötzlich viel weniger Leute zu betreuen», sagt Werner Studer. So gab es 2018 lediglich 18 Neuanmeldungen im Vergleich zu 35 im Vorjahr.Daraufhin habe man nach Gründen gesucht und gemerkt, dass Stellensuchende immer mehr mit psychischen Problemen zu kämpfen hätten. Diese Menschen sind im Arbeitsmarkt nicht mehr zu vermitteln.

Pädagogin Anna Hövelborn ergänzt: «Wir konnten uns vor dieser Tatsache nicht verschliessen.» Es sei aber nicht die Idee, Psychiater oder gar Kliniken zu konkurrenzieren.

Hövelborn ist neu zum Team gestossen, hat ein 80-Prozent-Pensum inne und sechs Jahre lang in der forensischen Psychiatrie gearbeitet. Sie führt bei der Firma SteCo die neuen Beratungen durch. Bei den Betroffenen, die zu ihr kommen, wurde die Krankheit bereits diagnostiziert.

Körpersignale wahrnehmen

Die Beratung baut auf den drei Säulen «Wissen, Erkennen und Umgang» auf. Die Pädagogin versucht herauszufinden, was die Betroffene schon weiss und welche Therapien sie bereits durchlaufen hat. Dann setzt sie am vorhandenen Wissen an und erarbeitet mit ihr, wie sie Signale ihres Körpers, ihrer Gefühle und Wahrnehmung erfassen und sie als Frühwarnsystem identifizieren kann. Und dann, mit welchen Strategien sie stabil, also arbeitsfähig, bleiben kann.

Arbeitgeber einbeziehen

Konkret heisst das: Wenn eine ADHS-Erkrankte merkt, dass sie Schwierigkeiten damit hat, ihre Emotionen im Griff zu haben oder sich abzugrenzen, wechselt sie beispielsweise den Raum und fordert das in einer vorher geübten Ausdrucksweise beim Arbeitgeber auch ein.

Sich in einer überlegten und angemessenen Weise für seine Bedürfnisse einzusetzen, fällt vielen Betroffenen schwer. «Da hilft es natürlich, wenn sich ein Arbeitgeber mit der Krankheit auseinandersetzt und Verständnis hat», sagt Hövelborn. Sie versucht deshalb auch, beim Arbeitgeber Wissen und Verständnis zu fördern.

Für Samuel Wüst, Vorsteher des Ressorts Gesellschaft, ist das ein gutes Angebot. «Es wird dieses Jahr sicher den einen oder anderen Fall geben, bei dem das Sinn macht», sagt er. Zugewiesen werden Betroffene von der Sozialbehörde.

Im Arbeitsintegrationsprogramm der Firma SteCo bleiben Erwerbslose maximal sechs Monate. Für die Vermittlung bezahlt die Stadt eine Monatspauschale. Die Kosten sind in der wirtschaftlichen Sozialhilfe enthalten. 2017 gab die Stadt 4,34 Millionen Franken für die gesamte gesetzliche wirtschaftliche Hilfe aus.

Erstellt: 20.03.2019, 17:43 Uhr

Der Stadtrat legt Rechenschaft ab

Der Stadtrat legt Rechenschaft ab Wie viele Schüler haben im vergangenen Jahr die Schule in Illnau-Effretikon besucht? Mit wie vielen Tonnen Streusalz haben die Mitarbeiter des Unterhaltsbetriebs Schnee und Eis den Garaus gemacht?

Und wie viele Personen haben im Sommer Abkühlung im Sportzentrum gesucht? Antworten auf diese Fragen liefert der Geschäftsbericht 2018, der soeben erschienen ist und auf der Website der Verwaltung (www.ilef.ch)
heruntergeladen werden kann.

Seit 1974 legt der Stadtrat dem Parlament und der Öffentlichkeit Rechenschaft über seine Arbeit, jene der städtischen Behörden, der Verwaltung sowie der öffentlichen Betriebe ab. Das Parlament
nimmt den Bericht an der Juni-Sitzung ab.

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