Kunst

Renaturierung bedroht Kunst im Weiertal

Das Werk «The End is Near» von Beni Bischof gewann den Jurypreis der 6. Skulpturen Biennale im Weiertal. Die dortige Idylle ist durch kantonale Renaturierungspläne gefährdet.

Beni Bischofs Tafel «The End is Near» wurde mit dem Fachpreis ausgezeichnet.

Beni Bischofs Tafel «The End is Near» wurde mit dem Fachpreis ausgezeichnet. Bild: Nathalie Guinand

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die 6. Skulpturen Biennale endete am Sonntag mit der Vergabe des Preises der Jury und des Publikums. Beni Bischofs monumentale Tafel mit der Aufschrift «The End is Near» hat den Fachpreis gewonnen. Der Sieger liegt nicht über dem Durchschnitt der von Christof Doswald kuratierten Freilichtausstellung «Paradise, lost» im Weiertal. Gekürt wurde Konzeptkunst der einfacheren Art, offen für alle Deutungen, nicht zuletzt die, dass scheinbar das Ende der Kunst angekündigt wird.

Natürlich liegt diese Ironie dem Künstler fern, und findet er den Witz (auf seine Kosten) wohl gar nicht lustig. Die Jury, mit Konrad Bitterli (Kunst Museum Winterthur), Fanny Fetzen (Kunstmuseum Luzern) und Luciano Fasciati (Galerist und Kunstmvermittler aus Chur) hochkarätig besetzt, lobte dagegen Bischofs kluge und eigenständige Umsetzung des Ausstellungskonzeptes mit seiner räumlichen Erweiterung.

Der Bach führt durch das Ausstellungsgelände. Bild: Marc Dahinden

In der Gunst des Publikums stand Christopher T. Hunzikers «Sleeping Sculpture» ein bisschen höher als Esther Mathis grosse Wand aus Glasbausteinen. Beide Arbeiten sind künstlerische Beiträge, die in der Ausstellung herausragten und starke Akzente setzten. Hunzikers monumentale introvertierte, träumende Figur beeindruckte durch ihre starke Ausstrahlung, die den Betrachter selbst zur Ruhe kommen liess. Die facettierte Transparenz der Glasbausteine Mathis’ bot ein lebendiges Bild impressionistischer Reminiszenz und stellte mit ihrem geometrischen und architektonischen Ausdruck einen packenden Kontrast zur Idylle der Natur dar.

Bischofs Plakatwand prophezeit ein unbestimmtes Ende, und Kurator Christof Doswald titelte die 6. Biennale «Paradise, lost». Was die beiden als Menetekel formulierten, könnte für das Weiertal bald bittere Realität werden. Denn der Kanton und die Stadt haben Pläne aus der Schublade genommen, die den Bach, der das Anwesen durchfliesst, renaturieren. Dafür beanspruchen sie links und rechts davon ein paar Meter Land. Nicht nur der Verlust von Ausstellungsflächen wären zu beklagen, der An- und Abtransport grosser Ausstellungsstücke links des Flüsschens wäre nicht mehr möglich. Dadurch wären die Freilicht-Ausstellungen, die den Ruf der Kulturstadt dank der Initiative von Maja und Rick von Meiss weit über die ihre Grenzen hinausgetragen haben, ernsthaft gefährdet. Noch ist nichts definitiv entschieden, und Maja von Meiss hat mit Lucia Fasciati den Kurator für die 7. Biennale, bereits bestimmt.

Erstellt: 09.09.2019, 17:56 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare