Brütten/Winterthur

«Rhodesian Ridgebacks wurden für die Löwenjagd in Afrika eingesetzt»

Nach den Vorfällen mit zwei aggressiven Rhodesian-Ridgeback- Hunden in Brütten sagt eine Züchterin, wie gefährlich diese Tiere wirklich sind.

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Frau Schönholzer, Sie züchten seit über 30 Jahren Rhodesian Ridgebacks. Zwei Hunde dieser Rasse brachten ihrem Halter in Brütten mehrere Anzeigen ein, weil sie einen anderen Hund und ein Pferd bissen sowie Wild jagten. Kinder sollen alleine mit den Hunden unterwegs gewesen sein. Was ist hier falsch gelaufen?

Yvonne Schönholzer: Wahrscheinlich sind diese beiden Hunde nicht genügend erzogen und werden nicht artgerecht gehalten. Sie langweilen sich und suchen sich deshalb selbst eine Beschäftigung. Ein pflichtbewusster Halter lässt seinen Hund nur dann von der Leine, wenn er ihn zurückrufen kann. Zudem ist es verantwortungslos und fahrlässig, Kinder und Jugendliche mit einem Hund von der Grösse eines Ridgebacks alleine spazieren gehen zu lassen.

Weshalb?

Ein Kind ist im Fall eines unvorhergesehenen Ereignisses wie im Fall von Brütten nicht in der Lage, die Si­tua­tion richtig einzuschätzen. Zudem hat es die Kraft nicht, einen solchen Hund zurückzuhalten. Es ist schlicht überfordert. Generell sollten Kinder nicht allein mit Hunden unterwegs sein, auch wenn diese noch so klein sind.

Hand aufs Herz, wären Sie in der Lage, Ihren Hund zurückzuhalten, wenn dieser plötzlich losschnellt?

Ehrlich gesagt, nein! Ridgebacks sind in der Tat sehr kräftig und temperamentvoll. Vor allem haben sie in ihren Hinterbeinen eine unglaubliche Kraft, vergleichbar mit einem Frosch. Ich handle vorausschauend. Sobald ich Spaziergänger, andere Hunde, Jogger oder Biker sehe und nicht abschätzen kann, wie meine Hunde darauf reagieren, halte ich sie an der kurzen Leine oder am Halsband fest. Ich wechsle unter Umständen sogar die Strassenseite, wende oder nehme einen anderen Weg und weiche aus.

Wie viel Schuld trifft den Halter, wenn sich dessen Hunde sonderbar verhalten?

Jeder Hund entwickelt im Laufe der Zeit seine eigenen Macken. Da liegt es am Halter, diese zu erkennen und dann zu tolerieren oder eben nicht. Hunde lernen zudem voneinander. Als Beispiel: Wenn Ihr Hund bisher nicht gejagt hat und ein anderer auf einem Spaziergang ihm das vormacht, dann lernt Ihrer das innerhalb von Minuten. Halter müssen deshalb wissen, wie sie sich in den verschiedenen Alltagssi­tua­tio­nen zu verhalten haben. Das lernen sie unter anderem in den sogenannten Sachkundenachweis-Kursen, die vom Bund vorgeschrieben sind.

Der Rhodesian Ridgeback figuriert im Kanton Zürich auf der Rassentypenliste I. Damit gehört er zu den grossen und massigen Hunden. Rüden können bis zu 70 Zentimeter gross und 40 Kilogramm schwer werden. In anderen Kantonen wie etwa Glarus sind sie bewilligungspflichtig. Wie gefährlich ist der Ridgeback wirklich?

Wenn man ihm die nötige Aufmerksamkeit schenkt, ihn versteht, um die Haltung seinen individuellen Charaktereigenschaften anpasst, ist er nicht gefährlich. Der Ridgeback stammt aus Afrika und ist eine noch wenig domestizierte Rasse. Er wurde dort zur Jagd von Löwen eingesetzt. Dabei stellte er im Rudel von drei bis vier Hunden einen Löwen und hielt ihn in Schach, so dass der Jäger schiessen konnte. Wenn er attackiert wird, beisst er zu, lässt aber auch schnell wieder los. Diese Eigenschaften wurden ihm angezüchtet, die bringt man nicht mehr so schnell weg.

Als Familienhund ist er also nicht wirklich geeignet.

Doch, schon, vorausgesetzt, man hat genügend Zeit für ihn und hält ihn wie ein vollwertiges Familienmitglied. Als Kinderwagen-Begleithund eignet er sich allerdings nicht, denn ihm ist schnell langweilig. Der Ridgeback will gefordert, erzogen und beschäftigt werden. Man kann ihn deshalb auch nicht stundenlang allein lassen und einsperren.

Das Veterinäramt kann bei Vorfällen mit Hunden Massnahmen wie etwa die Maulkorbtragpflicht anordnen. Sie aber wollen die Halter zur Rechenschaft ziehen. Wie?

Ein fehlbarer Halter dürfte meiner Meinung nach nur noch höchstens einen Hund dieser Rasse halten. Denn sobald es zwei Hunde oder mehr sind, kommt es zum Rudelverhalten, was noch schwieriger zu handhaben ist. Ein Halter müsste nachweisen können, dass er mindestens einmal pro Woche ein Hundetraining in einer anerkannten Hundeschule absolviert. Und nur er soll ihn ausführen können – auf keinen Fall Jugendliche unter 18 Jahren. (Landbote)

Erstellt: 29.07.2015, 17:04 Uhr

Zur Person

Die ausgebildete Tierarztgehilfin Yvonne Schönholzer lebt in Winterthur und züchtet seit 1982 Rhodesian Ridgebacks. 1986 gründete sie den Kynologischen Verein Eulachtal/Elgg und präsidiert ihn seitdem. Sie besitzt zwei Rhodesian Ridgeback-Hündinnen.

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