Region

Samariter stehen vor dem Aus

Die Existenz kleiner Samaritervereine ist bedroht, weil der nationale Dachverband diverse Reglemente verschärft. Jetzt wehrt sich der Samariterverband Winterthur und Umgebung. Er droht, die jährlichen Beiträge an den Gesamtverbund auf ein Sperrkonto einzuzahlen.

Gesprächsbedarf bei den Samaritern: Die Regionalverbände zoffen sich mit dem Schweizer Verband.

Gesprächsbedarf bei den Samaritern: Die Regionalverbände zoffen sich mit dem Schweizer Verband. Bild: Leo Wyden

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Ärger statt Hilfsbereitschaft bei den regionalen Samaritern: Der Schweizerische Samariterbund hat vor rund einem Jahr verschiedene Reglemente verschärft und die Erste Hilfe professionalisiert.

Das wirkt sich jetzt auf kleine Samaritervereine in der Region aus. Die Anforderungen, dass sie Erste-Hilfe-Posten an Dorfeten, Grümpelturnieren und Turnfestern besetzen dürfen, sind immer höher geworden.

Vereine in der Region bekunden Mühe, unter den neuen Auflagen zu funktionieren. Dägerlen und Seuzach lösen sich per Ende Jahr gar auf. «Der Schweizerische Samariterbund verlangt ein immer grösser werdendes finanzielles Engagement der Vereine und immer zeitintensivere Weiterbildungen der einzelnen Mitglieder», sagt Barbara Süess, Präsidentin des Samaritervereins Seuzach. «Ich kenne erfahrene Samariterlehrer, die aufgehört haben, statt die geforderte Umschulung zu besuchen.»

«Was sich der  Schweizerische  Samariterbund leistet, ist eine Frechheit.»Thomas Fröhlich, 
Präsident Samariterverband Winterthur und Umgebung

Dem pflichtet Thomas Fröhlich, Präsident des Samariterverbandes Winterthur und Umgebung bei: «Was sich der Schweizerische Samariterbund seit drei Jahren leistet, ist eine Frechheit. Der Zeitaufwand für Ausbildner und Mitglieder ist explosionsartig gestiegen.»

Erste Vereine ziehen Konsequenzen

Da die Kritik bis jetzt nicht auf Gehör gestossen ist, hat der Verband beschlossen, die Beiträge an den Schweizerischen Samariterbund dieses Jahr auf ein Sperrkonto einzubezahlen. Die anderen regionalen Verbände des Kantons haben Kenntnis davon. Laut Fröhlich überlegen einige mitzutun.

Der Schweizerische Samariterbund bezieht dazu Stellung: «Es geht nicht um eine Professionalisierung der freiwillig tätigen Samariterinnen und Samariter. Vielmehr geht es darum, das professionelle Handeln der Mitglieder verstärkt zu fördern und zu unterstützen», schreibt Zentralpräsidentin Ingrid Oehen auf Anfrage. Und: «Der Schweizerische Samariterbund ist eine Freiwilligenorganisation und bleibt dies auch.»

Der Samariterverein Seuzach hat derweil Konsequenzen aus den neuen Anforderungen gezogen. Mit rund hundert Einsatzstunden am Turnfest Dinhard beschliesst Verein nach 92 Jahren seine Tätigkeit.

(clp)

Erstellt: 18.07.2018, 18:14 Uhr

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