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Schlatter rollen die Benefizkugel

Die Projektgruppe Schlatt veranstaltet die 13. Pétanque-Meisterschaft zugunsten einer Schule in Südindien sowie eines Kinderdorfs für Mädchen in Not.

Hayo Eckert
Voller Einsatz bei der Benefiz-Petanque-Meisterschaft beim Schützenhaus.
Voller Einsatz bei der Benefiz-Petanque-Meisterschaft beim Schützenhaus.
Enzo Lopardo
Rund die Hälfte der Teilnehmer komme aus dem Ort, die übrigen aus der näheren Umgebung.
Rund die Hälfte der Teilnehmer komme aus dem Ort, die übrigen aus der näheren Umgebung.
Enzo Lopardo
Mit dem Benefizturnier werden eine Schule in Südindien und ein Kinderdorf für Mädchen in Not.
Mit dem Benefizturnier werden eine Schule in Südindien und ein Kinderdorf für Mädchen in Not.
Enzo Lopardo
Doch bei den Spielen ist dennoch grosse Ernsthaftigkeit gefragt: Welche Kugel ist näher am Kügelchen?
Doch bei den Spielen ist dennoch grosse Ernsthaftigkeit gefragt: Welche Kugel ist näher am Kügelchen?
Enzo Lopardo
Dabei nehmen es die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr genau.
Dabei nehmen es die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr genau.
Enzo Lopardo
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Es dauere 30 Sekunden, die Pétanque-Regeln zu erläutern. Nach 40 Sekunden fliege die erste Kugel, sagt Willi Peter, Vorsitzender der Projektgruppe Schlatt. «Gerne würde ich auch mal mitspielen, anstatt immer nur zu ­organisieren.» Die Schlatter Pétanque-Meisterschaft ist eines der jährlichen Events, aus deren Erlös einzelne Förderprogramme in ärmeren und schwach entwickelten Regionen unterstützt werden. «Wir machen keine Direkthilfe. Unterstützt wird nur die Hilfe zur Selbsthilfe», erklärt Peter. In diesem Jahr haben sich 24 Mannschaften, insgesamt 72 Spieler, zum Turnier angemeldet. Rund die Hälfte der Teilnehmer komme aus dem Ort, die übrigen aus der näheren Umgebung. Die Projektgruppe erwartet einen Reingewinn von 5000 Franken. Zudem liegen Sponsorenlisten aus, in denen sich Spendenwillige eintragen können.

Am Vormittag läuft die Vorrunde, am Nachmittag die Knock-out- und die Trostrunde. So komme eine Mannschaft auf viele Spiele. Das Konzept ist nicht ganz ohne Eigennutz: So blieben die Teilnehmer über den ganzen Tag, wovon die Festwirtschaft profitiere. Aber es sei ja für einen guten Zweck.

Beitrag zu den Betriebskosten

Seit 2014 unterstützt die Gruppe die Arunachala Village School in Südindien. Mit dem jährlich garantierten Betrag von 10 000 Franken unterstützt die Projektgruppe Schlatt den operativen Schulbetrieb; also deren Unterhalt. «Es ist relativ leicht, Fördermittel für neue Investitionen zu erhalten. Aber die Folgekosten werden in der Regel nicht mehr gefördert», sagt Peter. Darunter leiden anschliessend die Fördermassnahmen. Deshalb leiste die Projektgruppe Schlatt bewusst einen Beitrag zu den Betriebskosten. Den circa 210 Schülern im Alter von drei bis 10 Jahren, meist Waisen oder Halbwaisen, wird ein regelmässiger Schulbesuch ermöglicht. In Indien gebe es insbesondere auf dem Land Lücken, trotz des für alle obligatorischen Schulbesuchs. Die Schlatter arbeiten mit dem in Winterthur gegründeten Verein Arunachala Village School als Projektpartner zusammen.

In Menschen investieren

Neben der Schule wird auch das dazugehörende Kinderdorf Sarasvathi Children’s Village unterstützt. Dort finden derzeit über 30 Mädchen in Not ein neues Zuhause. Jungen Menschen in einem armen Teil des Landes solle eine Zukunft ermöglicht werden. Die Motivation: «In Menschen investieren, die den Gedanken wie ein Saatkorn weitertragen», sagt Peter. Zu den Zielen der Schule gehöre auch die Förderung der Gleichberechtigung zwischen Jungen und Mädchen. Das sei ein indisches Problem. Auch der vernünftige und umsichtige Umgang mit den Ressourcen werde den Kindern vermittelt.

Zwanzig Mitglieder zählte die Projektgruppe bei ihrer Gründung vor über 30 Jahren. Mittlerweile hat die Projektgruppe Schlatt elf Projekte realisiert in den verschiedensten Ländern. Nicht alles sei ein Erfolg gewesen. «Aber 80 Prozent der Projekte haben gut funktioniert», meint Peter.

Hähne legen keine Eier

Das erste Projekt habe ein eher lustiges Ende genommen. In einem armen indischen Dorf wurde jede Familie mit Hühnern zur Selbstversorgung ausgestattet. Nach vier Jahren habe die Gruppe festgestellt, dass es immer weniger Hühner im Ort gab. Die Leute hätten die Hähne geschlachtet, da diese keine Eier legten. Die Idee wurde nicht verstanden. «Wir hatten keine Ahnung, dass man dort nicht wusste, wie man Hühner hält», erinnert sich Peter.

Heute hat die Projektgruppe gerade noch fünf Mitglieder, die alles stemmen. Meist sei es ein altersbedingtes Ausscheiden. «Wir haben ein Nachwuchsproblem», aber sie wollten weitermachen, erklärt Peter. Das Projekt mit der Arunachala-Schule läuft 2018 aus. Gefördert wird für jeweils vier Jahre. Dann wolle die Schlatter Gruppe ein neues Projekt auswählen. «Für uns gibt es keine ­andere Motivation als die Freude für den sozialen Einsatz.» Wo liegt der Gewinn? Es sei ein sozialer und kultureller Gewinn für die Gruppe selbst. Der Gewinn für die insgesamt rund 120 Teilnehmer und Besucher der Pétanque-Meisterschaft liegt auf der Hand: jede Menge Spass und ein gemütliches, geselliges Beisammensein.

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