Elgg

Schöne Söldner

Der Äschli-Umzug ist der Höhepunkt der Elgger Fasnacht. Die Uniformen und Waffen der Kinder werden das ganze Jahr über für den Umzug gepflegt.

Die Übermittlungstruppen mit dem Feldtelefon am Äschli in Elgg. Foto: Madeleine Schode

Die Übermittlungstruppen mit dem Feldtelefon am Äschli in Elgg. Foto: Madeleine Schode

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In adretten Uniformen marschieren Buben wie die Kriegsdienst-Anwärter in alten Zeiten durch Elgg, vom Kindergartenalter an aufwärts. Gerade hat der diesjährige Hauptmann Lorenzo Lisser seine Rede aus dem Fenster des Gasthof Jäger beendet, die Kanone knallt, ein kleiner Junge weint und rennt zu seiner Mutter. Etwas ältere Jungs stehen stramm daneben: Karabiner bei Fuss, die gekreuzten Gewehre der Infanteristen am Hut.

Das sind keine Details: Den sichtbaren Unterschied vom zivilen Knaben zum guten Rekrut macht die Ausrüstung. Denn was wär ein Hauptmann ohne Mütze und Hose? Ein Kanonier ohne Kanone oder ein Übermittler ohne Feldtelefon?

Bis 1914 stammten die Uniformen und Ausrüstungen leihweise aus Zeughäusern oder Privatbeständen, zusammengewürfelt aus verschiedenen Epochen. Alte Uniformen, einst geerbt, dann verstaubt und schliesslich auf Dachböden wiederentdeckt. Man nahm, was da war. Dann gründete sich die Aschermittwochsgesellschaft, sie kümmert sich seither um den Erhalt dieser Tradition. Das bedeutet vor allem eines: Das Material für den einen Tag in Stand zu halten. Oder sogar erst noch organisieren.

Schleifen, lasieren, zusammenbauen

Heute ziehen die Kinder am Aschermittwoch in beinahe preussischer Einheitlichkeit durch die Strassen von Elgg. Die Ordonnanz-Trommeln beschwören den Gleichschritt. Die kleinen Soldaten halten sich nur lose dran. Das militärische Flair rührt von den blauen Zweireihern, den gezückten Bajonetten und den grauen Filzjacken her.

Das alles braucht Pflege. Erst diesen Sommer habe die Aschermittwochsgesellschaft die Armbrüste gewartet, erzählt Präsident Toni Rebsamen. «Zum Glück haben wir einige Handwerker im Vorstand.» So konnten sie die Waffen auseinanderbauen, abschleifen, frisch lasieren und wieder zusammensetzen.

«Wenn irgendwo mal ein Knopf an einer Uniform abspringt, oder solche kleinen Dinge, die reparieren wir selber», sagt Toni Rebsamen. Grössere Änderungen gibt die Gesellschaft einer Schneiderei in Auftrag, die auch die heutigen Uniformen geschneidert hat.

Seit dem Mittelalter inszeniert das Dorf am Aschermittwoch Kriegseuphorie als Volksfest. «Der höchste Elgger Feiertag», scherzt eine Zuschauerin am Rande des Umzugs. Doch gerade im Lauf des letzten Jahrhunderts gab es einige Neuerungen. Und damit musste auch neues Material her. In den Fünfzigern beispielsweise wurde der Aschermittwoch um die Kanoniere ergänzt, sagt Toni Rebsamen. Die Kanone kam aus dem Keller der Winterthurer Stadtkirche. Wo sie war, bevor sie dort anfing Staub zu fangen, das wisse er nicht, sagt Toni Rebsamen.

In den Achtzigerjahren kamen die Übermittler mit ihren Feldtelefonen dazu. «Wir konnten erst gerade kürzlich zwei Exemplare günstig ersteigern», erzählt Toni Rebsamen. Häufig spenden auch höhere Militärs etwas. «Man muss sich schon ein wenig einen Vorrat anlegen.»

Wenn aber etwas fehlt, sei Ersatz manchmal schwierig zu beschaffen, sagt Rebsamen. Der Umzug in Elgg ist zu Ende. Ein müder Soldat lehnt an einem Gartenzaun, das Gewehr hat er seiner Mutter umgehängt. «Und? Gehst du jetzt ins Militär?» biedert sich ein Zuschauer bei ihm an. Der Junge scheint nicht zu verstehen.

Das läuft an der Fasnacht in Winterthur und Umgebung

huy, dt, neh

Erstellt: 06.03.2019, 17:24 Uhr

Artikel zum Thema

Früh übt sich, wer ein Narr werden will

Kinderfasnacht Draculas, Spidermen und Hexen werden bald wieder mit Konfettis um sich schmeissen. In Neftenbach werden sich wohl viele Kinder als «Bob de Boumaa» verkleiden. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles