Turbenthal

Schulleiter ist enttäuscht über Vorwürfe

Gemeinderat Markus Küng belieferte als Schulleiter mit seiner Firma die eigene Schule mit IT-Material. Die Schulpflege sieht darin Vorteile.

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Eine Informatikfirma aus Turbenthal veröffentlichte auf Facebook kürzlich ein Inserat mit dem Titel «Mit Gschmäckle». Der Beitrag hat inzwischen über 2200 Personen erreicht. Der Absender schreibt darin, dass Schulleiter Markus Küng eine Firma leitet, die mehrere Jahre lang die Schule Turbenthal mit IT-Material belieferte. Hinzu komme der Support. Diese Geschäftsverbindung sei wohl nicht nur für ihn befremdlich. Zudem frage er sich, wie jemand so viele Tätigkeiten unter einen Hut bringen könne.

Markus Küng reagiert auf den Vorwurf ebenfalls mit einem kurzen Statement auf Facebook: «Leider entspricht der Beitrag nicht den Tatsachen», heisst es darin. Und weiter: «Auf einen fairen Wahlkampf.» Denn am 22. April will sich Küng zum Gemeindepräsidenten wählen lassen. Er fordert damit Amtsinhaber Georg Brunner (FDP) heraus, der ebenfalls wieder antritt.

Wie es zum Auftrag kam

Die Schulpflege bestätigt den auf Facebook kursierenden Sachverhalt allerdings weitgehend und begründet in einer längeren Stellungnahme, wie es zur IT-Zusammenarbeit mit Schulleiter Markus Küng gekommen ist. So habe dieser seine IT-Firma mit dem Namen FoCoSy bereits im Jahr 2006 gegründet. Die Schulpflege habe diese nebenamtliche Tätigkeit damals offiziell genehmigt. Nachdem Anfang 2013 der bisherige Informatikzulieferer über­raschend ausgefallen sei, habe man Küngs Firma ab 2013 damit beauftragt, «den externen Informatiksupport und die Informatikmaterialbeschaffung» für die Primarschule zu übernehmen.

«Die spezielle Lösung für die Hardwarebeschaffung war jederzeit von den Behörden autorisiert.»Primarschulpflege Turbenthal

Um einen Interessenkonflikt zu vermeiden, sei die Rechnungsstellung zu 100 Prozent transparent gewesen. «Somit konnte die Primarschule viele Jahre vergleichsweise günstige Informatikausgaben ausweisen.» Als 2016 der Bereich Informatik ein immer grösseres Ausmass angenommen habe, sei klar gewesen, dass eine neue Lösung nötig werde. Im Oktober 2016 habe Markus Küng seine Aufgaben als Hauptverantwortlicher Informatik und für den ganzen Beschaffungs­bereich seiner Firma FoCoSy ­gekündigt. Weiter hält die Schulpflege fest: «Der Informatiksupport an den Schulen wurde und wird im ganzen Kanton von Lehrpersonen und Schulleitern im Rahmen ihrer Anstellung übernommen.» Externe Lösungen seien natürlich teurer. Die «spezielle Lösung» für die Hardwarebeschaffung der Primarschule Turbenthal sei jederzeit mit entsprechenden Beschlüssen der Behörden autorisiert gewesen.

Zunächst knappe Antworten

Trotzdem reagierte Markus Küng auf Fragen zum Facebook-Post zunächst kurz angebunden. Er werde die Stellungnahme der Schulpflege abwarten, schrieb er. Zudem behalte er sich rechtliche Schritte wegen übler Nachrede oder sogar Verleumdung vor. Nach mehrmaligem Nachhaken nahm er gestern Nachmittag dann doch kurz Stellung zu den Vorwürfen. «Ich bin sehr enttäuscht, dass diese Vorwürfe ­gerade jene Person einbringt, welche ich persönlich wärmstens für meine Nachfolge empfohlen habe. Dass seine Offerte keinen Anklang fand, ist nicht mein Verschulden.» Aber wie sage man doch so schön: «Undank ist der Welten Lohn». Inzwischen sei die Schule kein Kunde mehr seiner Firma, schreibt Küng weiter: «Es gibt nur noch einen Stammkunden», ein Optikgeschäft. Zudem verkaufe er in der Regel pro Jahr zwei bis drei Laptops an Bekannte. «Da ich keine Werbung mache, bewegt sich alles im Bekanntenkreis.» Als Schulleiter sei er zu 89 Prozent angestellt und habe als Gemeinderat eine Entlastung von 11 Prozent.

Im Schützenhaus

Dennoch: Dass es als Schulleiter und Gemeinderat in derselben Gemeinde zu Interessenkonflikte kommen kann, zeigte sich unlängst an einer Wahlveranstaltung im Schützenhaus, als es um das Thema Fusion ging. Damals sagte Markus Küng als Kandidat für das Gemeindepräsidium: «Als Lehrer will man selten eine Einheitsgemeinde.» Er glaube nicht, dass es Turbenthals Aufgabe sei, Fusionen voranzutreiben. Die Schulen in Turbenthal seien nur deshalb so gut aufgestellt, weil Turbenthal keine Einheits­gemeinde sei. (Landbote)

Erstellt: 11.04.2018, 08:14 Uhr

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