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Schulpräsident überrascht mit Kritik

Erneut gab es an einem Informationsabend zur Fusion einen Eklat. Der Schulpräsident aus Zell berichtete von seinen schlechten Erfahrungen mit der Einheitsgemeinde.

Unterstammheim (l.) und Oberstammheim (r.) von Waltalingen aus gesehen: Fusionieren die drei Stammertaler Gemeinden im Herbst zusammen mit der Schulgemeinde?
Unterstammheim (l.) und Oberstammheim (r.) von Waltalingen aus gesehen: Fusionieren die drei Stammertaler Gemeinden im Herbst zusammen mit der Schulgemeinde?
Marc Dahinden

Sollen nur Waltalingen, Ober- und Unterstammheim fusionieren oder sich zusätzlich mit der Schulgemeinde zu einer Einheitsgemeinde zusammenschliessen? Die Behörden der vier Gemeinden haben beschlossen, am 24. September nur noch über die letzte Fusionsvariante abstimmen zu lassen.

Doch trotz dieses gemein­samen Beschlusses kam es an der ersten Informationsveranstaltung Ende März zum Eklat: Ein Mitglied der Schulbehörde ritzte das Kollegialitätsprinzip, indem es gegen den Behördenbeschluss schoss und zwei Fusionsvorlagen verlangte – eine mit und eine ­ohne die Schulgemeinde («Landbote» vom 31. März).

«Machtgehabe»

Und nun ist es am Donnerstagabend an der zweiten Informationsveranstaltung zu einem weiteren Eklat gekommen. So kritisierte Andreas Vetsch, Schulpräsident und Gemeinderat aus Zell, die seit 2002 bestehende Einheitsgemeinde in seiner Wohn­gemeinde unverblümt. «Neues muss zuerst besser sein als das ­Alte», sagte Vetsch. Und bei der Zeller Einheitsgemeinde sei dies eben nicht der Fall. Die ersten acht Jahre hätten die Schul­gemeinde und die Politische Gemeinde «praktisch parallel» weiterexistiert, obschon sie auf dem Papier längst fusioniert waren. Auch wenn man zum Beispiel das Druckerpapier zusammen bestellt habe: So viele Synergien wie gedacht habe es nicht gegeben. Als Schulpräsident hat Vetsch zudem oft den Satz gehört, dass sich die Schule integrieren müsse. Der Gemeinderat habe der Schule stets dreinreden wollen – Vetsch sprach sogar von «Machtgehabe». Und obschon 12 der 35 Millionen Franken des Gemeindebudgets auf die Schule entfallen, sei diese nur mit einem Sitz im Gemeinderat vertreten. Heute würde Vetsch keine Einheits­gemeinde mehr wollen, da für ihn die Nachteile überwiegen.

Er habe darauf bestanden, dass auch ein Kritiker der Einheits­gemeinde auftrete, sagte der Stammertaler Schulpräsident An­dreas Fischer auf Anfrage.

«Kultur und Klima»

Positive Erfahrungen machte Schulpräsident Marco Calzimi­glia aus Seuzach – den Ärger von Vetsch könne er nicht bestätigen. Eine Einheitsgemeinde biete Syn­ergie­potenzial, obwohl Kosteneinsparungen in Seuzach nie ein Ziel gewesen seien. Und er ­behaupte, dass seine Schulpflege auf Augenhöhe mit dem Gemeinderat sei. «Wenn der Austausch stimmt, kann man einen Gewinn daraus ziehen.» Er sei zwar auch nur einer von sieben Gemeinderäten. Doch er habe Gewicht erhalten, weil sich der Rat nun um die Schule kümmern müsse. «Das Gelingen hängt von der Kultur, dem Klima und der Sachlichkeit ab», sagte Calzimiglia. «Die neue Situation in Seuzach hat sich überaus bewährt.»

«Faktor Mensch»

Auch Roland Wetli vom kanto­nalen Gemeindeamt berichtete von Erfahrungen mit Einheits­gemeinden. Nur: Was deren Vor- und Nachteile betrifft, gebe es «kein einheitliches Bild». So ­fielen die Bewertungen unterschiedlich aus. Auch gebe es bisher keine Methode, um Kosteneinsparungen festzustellen. Zur Schule sagte Wetli, dass es keine Hinweise auf Qualitätsverluste gebe. Als «wichtigste Erkenntnis» nannte er den «Faktor Mensch». Denn von diesem Faktor hänge es ab, ob die neue Gemeindestruktur erfolgreich sei.

In Seuzach lag der Ja-Stimmen-Anteil zur Einheitsgemeinde bei gut 90 Prozent. Warum die Zustimmung so hoch gewesen sei, wollte ein Stammertaler Bürger von Calzimiglia wissen. Weil die Schulpflege und der Gemeinderat hinter der Vorlage gestanden hätten, so die Antwort. Im Stammertal ist dies gerade nicht der Fall.

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