Elgg

«Schwere Verletzungen sind stark zurückgegangen»

Beim Elgger Grümpi steht Beat Zürcher am Spielfeldrand. Er pflegt die Verletzten. Der Hausarzt aus Elgg ist auch Mannschaftsarzt beim Profiverein FC Wil.

Dieses Wochenende wird in Elgg wieder um Grümpi-Pokale gespielt.

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Was sind die häufigsten Verletzungen an Grümpelturnieren?
Beat Zürcher: Das sind meist Prellungen, Verstauchungen des Sprunggelenks oder verdrehte Knie. Auch Zerrungen kommen natürlich häufig vor.

Sie betreuen das Elgger Grümpi seit 2007. Was war die bisher schlimmste Verletzung?
Ein offener Unterschenkelbruch, gleich zu Beginn meiner Tätigkeit. Das war unschön. Der Rasen war nass und der Spieler dachte, mit Socken habe er mehr Halt als mit seinen flachen Turnschuhen.

Autsch, das tut nur schon beim Zuhören weh. Sind solche Verletzungen denn häufig?
Nein, zum Glück nicht, in den letzten Jahren sind schwere Verletzungen generell stark zurückgegangen. Das liegt unter anderem an der Versicherungsfirma Suva. Diese zahlt professionelle Schiedsrichter, wenn am Grümpi alle Nockenschuhe und Schienbeinschoner tragen. Das zahlt sich im wahrsten Sinne des Wortes aus.

«Verletzungen, die in den oberen Ligen zunehmen, kommen später auch bei den Amateuren häufiger vor.»Beat Zürcher, 
Teamarzt des FC Wil

Was hat das für einen Effekt?
Wenn Sie früher mit Turnschuhen angetreten sind und der Rasen nass war, sind sie nur herumgerutscht, wenn sie abbremsen wollten. Bei einem Grümpi, wo es auch Übermotivierte gibt, ist das gefährlich. Mit den Nockenschuhen hat man mehr Halt. Zudem versprühen professionelle Schiedsrichter mehr Autorität. Man spielt somit automatisch etwas zurückhaltender als wenn es ein befreundeter Schiedsrichter wäre.

Was spielt der Alkohol für eine Rolle? haben Sie je einen Verletzten behandeln müssen, der zu viel getrunken hatte?
Nein, ich habe im Zusammenhang mit Alkohol keine Verletzungen erlebt. Erst nach dem letzten Spiel wird getrunken, das hat sich im Gegensatz zu früher verändert. Auch bei heissen Temperaturen wird wenig Bier getrunken, sondern vor allem Wasser.

Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?
Das Niveau ist höher geworden und betrunken macht Fussball spielen keinen Spass.

Aber Hand aufs Herz: Sind Grümpelturniere wirklich ein sinnvoller Anlass, um sich sportlich zu betätigen?
Ganz bestimmt. Weil man sich spielerisch-sportlich betätigt. Zudem bereitet man sich heute auch im Vorfeld auf das Turnier vor. Auch hier hat sich einiges getan: Früher ist man als Unsportlicher einfach mit den Turnschuhen auf den Platz gestanden. Heute bringen die meisten eine Grundfitness aus anderen Sportarten mit. Plus: Die Infrastruktur, sprich die Spielfelder, haben sich auch verbessert. Heute spielt man nicht mehr auf unebenen Äckern, wie das früher einmal der Fall war.

Es fand also eine Professionalisierung des Grümpelers statt?
Das kann man so sagen. Wenn man Wandern geht, zieht man ja auch Wanderschuhe an.

Sie sind nicht nur Elgger Grümpi-Arzt, sondern seit 2009 auch einer von drei Mannschaftsärzten beim FC Wil, der wie Winterthur in der Challenge League spielt. Inwiefern beeinflussen die Profis die Amateure?
Man kann gut beobachten, dass Verletzungen, die in den oberen Ligen zunehmen, später auch bei den Amateuren häufiger vorkommen. Konkret nehmen die Verletzungen an den oberen Extremitäten zu, weil die Sportler immer athletischer werden. und mehr Muskeln an Brust und Armen haben. Quetschungen oder Schläge an den Kopf, weil ein Ellbogen zu hoch oben ist, sind typische Beispiele von häufigeren Verletzungen.

Werden Sie bezüglich neuen Verletzungen geschult?
Ja, der Schweizer Fussballverband führt regelmässig Schulungen durch, nicht nur für Trainer, sondern auch für Mannschaftsärzte. Durch die grössere Physis der Sportler müssen wir die Spieler nach einem Zusammenprall etwa häufiger auf Hirnerschütterungen überprüfen.

Sie sind 52 Jahre alt. Haben Sie früher eigentlich auch an Grümpis teilgenommen?
Ja, ich habe früher aktiv Fussball gespielt. Bis ich als Arzt an der Seitenlinie stand, habe ich eigentlich immer am Elgger Grümpelturnier mitgemacht.

Haben Sie sich dabei jemals eine Verletzung zugezogen?
Nein, ich habe meinen Einsatz am Grümpelturnier immer gut genug dosiert.

Erstellt: 06.07.2018, 14:32 Uhr

Beat Zürcher ist Arzt am Grümpi Elgg und Teamarzt des FC Wil.

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