Elsau

Sein Foto geht um die Welt

Seit 50 Jahren ist der Elsauer Peter Bihr fotografierend unterwegs. Eines seiner Bilder hat es nun unter die letzten eines internationalen Wettbewerbs geschafft.

Eine Stunde lang wartete Peter Bihr, bis er dieses Bild der Nasir-ol-Molk-Moschee in Shiraz, Iran, machen konnte.

Eine Stunde lang wartete Peter Bihr, bis er dieses Bild der Nasir-ol-Molk-Moschee in Shiraz, Iran, machen konnte. Bild: Peter Bihr

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450000 Bilder aus aller Welt haben Fotografinnen und Fotografen beim Cewe Photo Award 2019 eingereicht. Unter die letzten 1000 schafften es auch 23 Schweizer. Bis er sein Foto der Nasir-ol-Molk-Moschee in Shiraz gemacht hatte, brauchte Peter Bihr aus Elsau fast eine Stunde: «Ich musste warten, bis alle anderen Touristen nicht mehr im Weg standen und das Licht genau richtig war», sagt der Elsauer, der in Rümikon zuhause ist. Die iranische Moschee sei ein beliebtes Sujet, schon tausendfach aufgenommen: «Man muss es also entweder anders oder besser machen», sagt der 70-Jährige. Er sei deshalb am Morgen früh dort gewesen, als das Licht die Glasfenster auf dem Teppich reflektierte. Die Perspektive überzeugte die Cewe-Jury, Bihr kam in die engere Auswahl.

Dias aus den Bergen

In den Iran zog es den Hobbyfotografen und seine Frau Pia Bihr 2018, weil sie das Land zuvor noch nie bereist hatten. Architektonisch und geschichtlich sei es sehr interessant, zudem habe er sich selbst ein Bild von einem Land machen wollen, das medial oft in negativem Kontext auftauche: «Die Iraner waren sehr freundlich und hatten Freude, wenn sie mit uns Touristen ihr Englisch üben konnten», erzählt Bihr. 3,5 Wochen war das Ehepaar unterwegs und machte seine eigenen Erfahrungen.

Mit dem Fotografieren angefangen hat Bihr vor 50 Jahren während des Bergsteigens. Die Landschaften und die Tierwelt wollte er einfangen, damals noch mit Dia-Filmen, und es spielte sich ein, dass nach jeder grösseren Tour ein Dia-Abend mit Freunden stattfand. Auch heute noch ist Bihr in den Bergen unterwegs, allerdings hat sich der Schwierigkeitsgrad aufs Wandern reduziert.

Peter Bihr bietet auch Kurse an: «Fotografieren statt Knipsen» Bild: PD

Vom letzten Ausflug mit seinem Sohn ins Berner Oberland hängen Bilder von Steinböcken in Bihrs Arbeitszimmer: «Wir haben drei Anläufe gebraucht, bis wir sie gefunden haben.» Morgens um sechs Uhr hatten sie schliesslich Glück. Das passe zum Sprichwort: «Wer Fotografieren will, braucht Zeit. Wer keine Zeit hat, kann ja knipsen», sagt Bihr und lacht sein Lachen, mit dem er jeweils auch auf die Menschen zugeht, die er ablichten möchte. Zuerst nehme er nonverbal Kontakt auf, dann frage er um Erlaubnis und erst zuletzt packe er die Kamera aus. «Bereise ich ein Land, versuche ich einige Worte der Sprache zu lernen. ‹Grüezi›, ‹Danke› und ‹Darf ich ein Bild machen?›»

Nach den Bergfotos folgten die Familienfotos, zuerst die zwei Kinder und heute die beiden Enkel, erzählt Bihr. Er zähle sich eher zu den Allroundern unter den Fotografen denn zu den Spezialisten. Beim Cewe-Fotowettbewerb habe er deshalb auch in mehreren der insgesamt zehn Kategorien Bilder eingereicht. Sein Favorit wäre das Bild eines jungen Mönchs gewesen, der mit einer Kerze in der Hand betet: «Es ist spannend, wie unterschiedlich Menschen Fotos bewerten.»

«Man muss es entweder anders oder besser machen.»Peter Bihr

Eine Zwölferserie mit Mönchen aus Myanmar konnte Bihr auch schon an der Photo Münsingen ausstellen, genau so wie eine Serie kubanischer OIdtimer. An Wettbewerben nehme er immer mal wieder teil, da bewähre sich seine Foto-Bibliothek mit 70000 Bildern, geordnet nach Stichworten und Bewertungen. «Ich habe auch schon gewonnen, aber ich bin immer wieder überrascht, wie hoch die Qualität der Bilder ist.» Auch viele Profis sendeten Beiträge ein, da sei es nicht immer einfach, dagegen zu bestehen.

«Darf, aber muss nicht»

Das Hobby zum Beruf zu machen, stand für Bihr aber nie zur Diskussion: «Ich darf fotografieren, muss aber nicht», sagt er. Bis zu seiner Pensionierung war Bihr Finanzchef bei den Winterthurer Stadtwerken: «Noch vor dem Skandal», fügt er an und lacht wieder. Bis vor einem Jahr präsidierte er zudem 13 Jahre lang die Photographische Gesellschaft Winterthur, die 2018 ihr 125-Jahr-Jubiläum feierte. Mit anderen Mitgliedern aus dem «Photoclub» gehe er auch manchmal in der Winterthurer Umgebung auf Bilderjagd, sagt Bihr: «Das möchte ich eigentlich gerne mehr machen mit spezifischen Aufgabenstellungen.» Sei es eine Serie in Schwarz-Weiss oder der Fokus auf Streetlife.

Im Herbst will das Ehepaar Bihr zum dritten Mal nach Indien reisen, ein Städtetrip soll es dieses Mal werden. Seine Frau wünsche sich dann jeweils ein Fotobuch, und seit Cewe das Jubiläum der Photographischen Gesellschaft Winterthur gesponsert habe, kaufe er die Bücher dort. Am 26. September wird sich zudem in Wien entscheiden, wer von den letzten 1000 Teilnehmern das Rennen im Cewe-Wettbewerb macht.

Erstellt: 09.09.2019, 16:47 Uhr

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