Illnau-Effretikon

Sie deckte eine Millionenabzocke der Krankenkassen auf

Als bei einer Spitalrechnung etwas nicht stimmte, forschte die pensionierte Ärztin Gaby Igual nach. Dann klagte sie gegen eine der grössten Krankenkassen.

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«Ich halte mich für hartnäckig und relativ unflexibel, wenn ich von etwas überzeugt bin.» Das sagt die pensionierte Ärztin Gaby Igual aus Effretikon auf der Webseite des «Beobachters». Sie gehört zu den sechs nominierten des diesjährigen 22. Prix Courage - weil sie erfolgreich gegen eine der grössten Krankenkassen, die Assura, geklagt und damit eine Millionenabzocke aufgedeckt hat.

Wobei ihrdie Nomination in ihrem Fall eigentlich nicht gerechtfertigt scheine, wie sie auf Anfrage sagt. Überrascht habe sie, «wie mühsam es war, Gehör zu bekommen». So habe etwa das Bundesamt für Gesundheit (BAG) einfach nicht näher hingeschaut. «Denn ich bin nicht die erste, die sich gewehrt hat.» Aber sie ist die erste, die nun vor Bundesgericht Recht bekommen hat.

Ich halte mich für relativ hartnäckig.



Gaby Igual,
pensionierte Ärztin

Bemerkt hat sie den Missstand, als ihr Mann 2015 eine Woche lang ins Spital gehen musste. Die Spitalrechnung kam ihr komisch vor, sie hat nachgerechnet und festgestellt, dass die Kasse auf den Beitrag, den er sowieso hätte selbst bezahlen müssen, nochmals zehn Prozent drauf schlug.

Und erst recht wurde sie stutzig, als er zwei Jahre später nur für zwei Tage ins Spital musste. Weil er eine hohe Franchise hatte, musste er den ganzen Aufenthalt sowieso selbst bezahlen. «Doch die Kasse fügte für jeden Tag nochmals 15 Franken hinzu», sagt sie. «Also mehr zahlen, als es effektiv gekostet hat, das geht gar nicht.»

«Kleiner Bschiss»

Natürlich sei das, wenn man den Einzelfall betrachte, ein relativ kleiner «Bschiss», sagt Igual. «Doch am Schluss gibt das bei vielen Fällen auch viele Batzen.» Denn Fakt ist, dass die anderen Kassen genau gleich vorgegangen waren, wie sie erst selbst herausfand und die Stiftung für Konsumentenschutz nun bestätigt hat. Dank dem Bundesgerichtsurteil vom vergangenen Mai müssen die Kassen jetzt korrekt abrechnen. «Ich war schon etwas verblüfft, als ich das Urteil bekam», räumt sie ein. Doch es habe sie auch wahnsinnig gefreut. Und ihr gezeigt, «dass man sich wehren kann, wenn man beharrlich genug ist».

Die pensionierte Ärztin ist davon überzeugt, dass im Gesundheitssystem «noch viel mehr solche Sachen passieren». Es freut sie deshalb, dass die Angelegenheit nun mit der Nomination für den Prix Courage eine gewisse Aufmerksamkeit erhält. «Sonst hätten die Krankenkassen einfach weiter gemacht wie bisher», ist sie überzeugt. Dass sie den Preis erhalte, erwarte sie zwar nicht. «Andere haben viel mehr geleistet als ich.» Sollte sie die 15000 Franken Preisgeld trotzdem bekommen, wolle sie sie für einen guten Zweck spenden.

Publikum bestimmt mit

Neben Gaby Igual sind fünf weitere Personen nominiert: Christian Marti aus Zürich, der einen Belegarzt der Hirslanden-Klinik auffliegen liess, der das Tarifsystem zu seinem Vorteil nutzte; Robin Justine Schönbeck aus Nottwil (LU), die seit fünf Jahren gegen ihre eigene unbekannte Krankheit kämpft und im Internet zur eigenen Verwundbarkeit steht; Josef Karber aus Zürich, der einer Armenierin Kirchenasyl bot; Iluska Grass aus Zürich, die einen orthodoxen Juden vor Neonazis beschützte, und Markus Ramser aus Müllheim (TG), der vorläufig aufgenommene eritreische Flüchtlinge beschäftigt.

Die sechs Nominierten.

Wer den Preis erhält, bestimmen am 1. November je zur Hälfte das Publikum sowie eine Jury. Das Publikum kann jetzt schon online abstimmen.

Den mit 10000 Franken dotierte Prix Courage Lifetime Award erhält Strafverfolgerin und Diplomatin Carla del Ponte für ihren lebenslangen Kampf gegen Mafiafürsten und Kriegsverbrecher. Sie wird am 1. November in Zürich ebenfalls gewürdigt.

Abstimmen unter:https://www.beobachter.ch/prix-courage/prix-courage-2019-das-sind-die-nominierten-jetzt-abstimmen

Erstellt: 18.09.2019, 12:36 Uhr

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