Buch am Irchel

Sie kamen als Fremde und gehen als Freunde

Therese und Hansjakob Zurbuchen müssen die Sonne aufgeben. Schuld sind gesundheitliche Probleme. Am Sonntag ist Austrinkete und danach geht das Restaurant vorläufig zu.

Am Sonntag sagen Therese und Hansjakob Zurbuchen ihren Gästen in Buch am Irchel Adieu.

Am Sonntag sagen Therese und Hansjakob Zurbuchen ihren Gästen in Buch am Irchel Adieu. Bild: Madeleine Schoder

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Es sind gravierende Bandscheibenprobleme, die Hansjakob Zurbuchen seit rund einem Jahr plagen. Nun haben sie ihn eingeholt. «Ich war den ganzen Dezember über im Spital und musste zweimal operiert werden», sagt der Gastwirt, der auch momentan nur mit Schmerzmitteln über die Runden kommt. Die Würfel seien gefallen. «Mit der Restauration ist es für mich zu Ende, wenn ich nicht eines Tages im Rollstuhl landen will.»

Am kommenden Sonntag hat das Restaurant Sonne letztmals unter den Zurbuchens offen. Vor anderthalb Jahren erst ist das Wirtepaar von Unterohringen nach Buch am Irchel gekommen. «Wir sind daran, so schnell wie möglich eine Nachfolgelösung zu finden, am liebsten per 1. August», sagt der 50-Jährige. Er und seine Frau werden wieder nach Seuzach ziehen. Es sei aber nicht auszuschliessen, dass er auch in Zukunft gelegentlich in der Sonne anzutreffen sei, sagt Zurbuchen. «Als Teil einer neuen Lösung.» Mehr will er dazu im Moment nicht verraten. Die Entscheidung falle jedoch in den nächsten Tagen. «Wir werden es dann auf unserer Webseite und auf Facebook kommunizieren.»

«Mein Traumrestaurant»

Als die Vorgänger der Zurbuchens, Barbara Senn und Rocco Stanke, im September 2015 die Sonne nach sechs Jahren aus gesundheitlichen Gründen aufgaben, holte der inzwischen verstorbene Sonne-Patron Albert Meier die Zurbuchens nach Buch am Irchel. «Das war mein Traumrestaurant, das ich schon lange führen wollte», sagt Zurbuchen. Der Traum sollte jedoch nur von Dezember 2015 bis Juli 2017 dauern.

Bevor sie in die Sonne kamen, haben Therese und Hansjakob Zurbuchen zuerst im Frieden und Fisch in Oberohringen und dann knapp fünf Jahre lang im Restaurant Wiesental in Unterohringen gewirtet. «Für mich hat sich nun ein Kreis geschlossen», sagt der gelernte Koch, der auch die Hotelfachschule absolviert hat und früher bei der Migros den Bonaparty-Stützpunkt in Winterthur leitete, nicht ohne Wehmut.

Aber neue Ideen, die auch kundenorientierter Natur seien, habe er schon im Gepäck. Nach der Austrinkete am Sonntag (10 bis 21 Uhr) will sich der scheidende Pächter nun aber voll auf seine Genesung konzentrieren. «Darauf freue ich mich.» Danach will er die Planung seiner «zweiten Lebenshälfte» in Angriff nehmen.

Auch Therese Zurbuchen blickt nicht ohne Zuversicht in die Zukunft. Sie wird ab 1. August in einer Alterseinrichtung gastronomisch tätig sein. «Zum ersten Mal habe ich geordnete Arbeitszeiten in Aussicht», sagt die langjährige Wirtin. «Auch unsere treue Servicekraft hat eine gute Stelle gefunden.» Der Koch sei jedoch leider noch auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.

Die meisten Gäste hätten traurig und geschockt reagiert, auch weil sie fürchten, die Sonne könne endgültig schliessen und das Dorf künftig ohne Restaurant sein, erzählt Hansjakob Zurbuchen. «Doch wir sind zuversichtlich, dass dies nicht geschieht.»

Und so wird der gastronomische Leitsatz des Wirtepaars, der da lautet «Komme als Fremder und gehe als Freund», für einmal ganz auf sie selbst zutreffen: Sie kamen als Fremde und gehen als Freunde.

Erstellt: 12.07.2017, 18:34 Uhr

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