Neftenbach

Sie kamen, halfen und fieberten mit

Pfadi Winterthur kann derzeit auf besondere Hilfe zählen: Acht in Neftenbach untergebrachte Flüchtlinge richten vor den Spielen die Halle ein. Aber nicht nur: Sie unterstützen die Spieler auch lautstark.

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Dienstagabend, 17 Uhr. In zweieinhalb Stunden geht in der Eulachhalle das Handballspiel Pfadi Winterthur gegen GC Amicitia Zürich los. Die Tribünen stehen zwar schon, Mitarbeiter der Eulachhallen haben sie bereitgestellt.Doch deren Stühle müssen noch hochgeklappt, die Banden aufgestellt und Werbebanner an den Eingängen postiert werden. Und nicht nur das: Es gibt zahlreiche kleinere und grössere Arbeiten zu erledigen, bis die ersten Zuschauer Platz nehmen und sich das Spiel ansehen können.

Bereits zum zweiten Mal stehen dem Handballclub neben eigenen Mitarbeitern zusätzliche helfende Hände zur Verfügung. Es sind asylsuchende Männer aus Afghanistan, die in der Gemeinde Neftenbach untergebracht sind.

Finanzielle Schwierigkeiten

«Unserem Club geht es finanziell nicht gut», erklärt Vorstandsmitglied Beat Müller, der für Infrastruktur und Events zuständig ist. «Wir müssen deshalb sparen, wo wir können.» Das heisst: Der Club erledigt bis auf wenige Vorbereitungsarbeiten alles selbst. Ein einziges Spiel käme Pfadi sonst auf rund 2500 Franken zu stehen – 40 Arbeitsstunden, Hallenmiete, Strom und Technik inklusive.

Die Männer machen sich, kaum angekommen, an die Arbeit. Der Club hat sie mit anthrazitfarbenen Staff-T-Shirts ausgestattet. Ihnen voran geht Neftenbachs Sozialvorstand Urs Wuffli. Er erklärt auf Deutsch, was zu tun ist, und packt gleich mit an. «Nur zusehen ist nicht mein Ding», sagt er. In nur wenigen Minuten sind alle Sitze beider Tribünen hochgeklappt.

«Wo kommt die Bande hin?», fragt Wuffli. Beat Müller zeigt auf die korrekte Stelle am Boden. Viel muss er jedoch nicht erklären. «Als hätten sie das schon x-Mal gemacht», sagt er anerkennend. Überhaupt sei es eine Freude, wie sich die Männer engagierten. «Dabei kannten sie den Handballsport vorher gar nicht.»

Die Zusammenarbeit habe sich spontan ergeben, erzählt Müller. Wuffli und er hätten sich wegen einer anderen Sache unterhalten. «Und bei dieser Gelegenheit habe ich ihm von meinem Anliegen erzählt», sagt Müller. Zwar habe er dieses vor einiger Zeit auch bei der Stadt Winterthur deponiert. «Doch eine Zu- oder Absage habe ich von dort immer noch nicht erhalten.» Nachdem die beiden geklärt hatten, ob ein solcher Einsatz überhaupt möglich ist, haben sie ihn gleich organisiert.

Für ein erstes Spiel Ende November meldeten sich vier Freiwillige. Diesen gefiel es derart gut, «dass die Teilnehmerliste bei der zweiten Ausschreibung gleich übervoll war», sagt Müller. Bedauerlicherweise könne er aber jeweils nur acht Männer aufs Mal einsetzen. Und denen gefällt die Abwechslung, wie einer von ihnen, der 19-jährige Mortaza, bestätigt. Seit etwa einem Jahr lebt er in der Schweiz. Er habe zwar schon Deutsch gelernt, «ich will aber möglichst oft sprechen, mit Schweizern». Dass er Pfadi helfen könne, freue ihn sehr.

«Von Anfang an integrieren»

Sozialvorstand Urs Wuffli ist davon überzeugt, dass Asylsuchende möglichst früh integriert werden sollen, also schon bevor feststeht, ob sie in der Schweiz bleiben dürfen. Die Arbeit in der Eulachhalle sei dafür wie geschaffen. «So üben sie auch gleich die Sprache.»

Und die Sportler hätten sie sehr gut aufgenommen. «Die Männer haben mit Pfadi mitgefiebert, als wären sie schon seit Jahren im Fanclub.» Letztes Mal haben sie das Spiel mitverfolgt. Dieses Mal sind sie vor dem Anpfiff nach Neftenbach zurückgefahren, wo sie wegen eines Todesfalls eines Angehörigen an einer Abdankungsfeier teilnahmen.

Aber schon am Samstag ist ihre Hilfe wieder gefragt. Denn dann werden Tribüne, Banden und Werbebanner wieder abgebaut. Das nächste Heimspiel findet zwar bereits heute Abend statt. Weil in dieser Woche aber gleich drei Matches ausgetragen werden, darf Pfadi die Infrastruktur stehen lassen. Das kostet den Club eine Ausfallpauschale von 750 Franken, weil in dieser Zeit niemand anders die Halle nutzen kann.

Die Asylsuchenden erhalten keine finanzielle Entschädigung. Dafür gibts zur Stärkung gegen Ende des Spiels einen Teller Pasta – wahlweise mit Tomaten- oder Fleischsauce. (Landbote)

Erstellt: 14.12.2016, 17:04 Uhr

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