Ellikon an der Thur

Sie setzt voll auf Beton

Beton muss nicht plump und grau sein. Miriam Horvath haucht dem toten Werkstoff Leben ein.

Miriam Horvath hat ihre Marktnische gefunden.?Nützliches und Dekoratives aus Beton kommt zurzeit gut an.

Miriam Horvath hat ihre Marktnische gefunden.?Nützliches und Dekoratives aus Beton kommt zurzeit gut an. Bild: Johanna Bossart

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«Beton verbindet», sagt Miriam Horvath aus Ellikon an der Thur. Die 34-Jährige hat sich auf eine ungewöhnliche Handarbeitstechnik spezialisiert: Sie fertigt Objekte, Vasen und Feuerschalen aus Beton an. Ihre Kurse im heimischen Atelier sind oft ausgebucht, und das nicht nur durch Frauen aus der Region, sondern aus der ganzen Schweiz. «Ich war eine der Ersten, die Betonkurse in der Schweiz angeboten haben», erklärt sie, und ihre erste Schülerin sei gleich aus dem Aargau gekommen. Sie selbst hat vor acht Jahren angefangen, mit dem vielseitigen Material zu experimentieren.

Den ersten Unterricht erhielt sie beim deutschen «Betonguru», Sven Backstein. So eignete sich die ehemalige Gärtnerin die Werkstoffkompetenz an. Nun liegen Gärtnerei und Betonfiguren wie Gartenzwerge, Frösche, Igel oder dekorative Kugeln gar nicht so weit voneinander entfernt. Denn genau damit beliefert Miriam Horvath Blumenläden in der Gegend und möchte das Geschäft noch weiter ausbauen.

Umsatteln fiel ihr nicht schwer

Die Entscheidung, die Gärtnerei zu verlassen und auf den Kursbetrieb umzusatteln, fiel ihr leicht. Nachdem sie die ersten Kurse in der eigenen Garage veranstaltet hatte, kam das Angebot für den heutigen Raum, einen ehemaligen Kälberstall bei ihrem Haus, gerade recht. Ausserdem war sie Mutter – von inzwischen zwei Töchtern – geworden. Eine «Heimarbeit» brachte also erhebliche Vorteile bei der Kinderbetreuung.

Mit dem Aufschalten der Webseite trafen bald die ersten Anfragen ein. Miriam Horvath war offenbar zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Die Vintage-Welle spülte ihr die Kursteilnehmerinnen geradezu in das verkehrsgünstig und gleichzeitig idyllisch gelegene Atelier. Und für die Ganztagesbesucherinnen der «kleinen Betonfamilie» kochte sie gleich noch das Mittagessen. So arbeitete die Mund-zu-Mund-Propaganda für sie. «Ich muss nicht mehr Flyer im Volg aufhängen», erzählt sie mit berechtigtem Stolz.

Osterhasen sind ein Renner

«Das Handwerk wird bereits im ersten Kurs gelernt», erklärt sie, «aber die Arbeit mit dem Mörtel staubt doch so sehr, dass die eigene Wohnung wenig geeignet ist.» Deshalb kommen die Leute gerne zu ihr aufs Land und lernen auch noch andere Techniken wie den Aufbau von Figuren im Stil Niki de Saint Phalles oder Alberto Giacomettis. «Betonieren macht glücklich und süchtig», fasst sie ihre Erfahrungen zusammen.

Ostern sei die «heisseste Zeit im Jahr», denn selbst gegossene und bemalte Osterhasen haben sich zum Geschenkschlager entwickelt. Dass die handwerklich vielseitige Ellikerin auch noch Weidenflechten oder Rostblech-Figurenkurse (Hühner!) anbietet, ergänzt ihr Portfolio perfekt.

Lampen für den Globus hergestellt

Gerade bei diesem Hobby, wo mit Latex- oder Silikon-Gussformen seriell gearbeitet wird und das Copyright auf einen Osterhasen schwer zu sichern ist, droht das Abkupfern ihrer Ideen. «Wissen weiterzugeben, ist okay», sagt sie, «kopieren nicht.» Wie vielen anderen Handarbeiterinnen sind ihr die eigenen Kreationen auf Märkten wiederbegegnet. Das ist ärgerlich. Dennoch wird sie nicht müde, neue Anwendungsformen für Beton zu entwickeln. Lampen für die Innendekoration der Globus-Warenhäuser waren aktuell ein grosser Coup. Mit dem Ergotherapeuten Michael Kessler gestaltet sie als Label M26 Lampen; eine urbane Interpretation von Bistro- und Mehrzweck-Beleuchtungskörpern.

Insofern muss einem nicht bang sein, sollte die Shabby-Chic-Welle einmal abebben. Miriam Horvath sprudelt vor kundennahen Ideen und vor allem Energie. Und genug Zeit für die Kleinen, zum Velofahren und Schwimmen in den nahe gelegenen Seen, soll ja auch noch bleiben. (Landbote)

Erstellt: 15.09.2016, 16:58 Uhr

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