Seuzach

Sie spielen Fussball «mit Leib und Seele»

In Seuzach spielen an zwei Nachmittagen pro Woche Flüchtlinge Fussball. Einige von ihnen dürfen bald zum Probetraining des FC.

In der Sporthalle Rietacker treffen sie sich regelmässig zum Fussballspiel: Flüchtlinge und ihre Betreuer Jérôme Werner (4.v.l.) und Rolf Meuter (2.v.r.).

In der Sporthalle Rietacker treffen sie sich regelmässig zum Fussballspiel: Flüchtlinge und ihre Betreuer Jérôme Werner (4.v.l.) und Rolf Meuter (2.v.r.). Bild: Marc Dahinden

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Um 14.30 Uhr an einem Freitagnachmittag sind in der Sporthalle Rietacker in Seuzach Kinderstimmen zu hören. Die Schüler einer Primarklasse haben soeben ihren Turnunterricht beendet und verstauen Barren, Matten und Trampoline. Dann treten Rolf Meuter und Jérôme Werner durch die Eingangstür, zwei Freiwillige, die Asylsuchende an zwei Nachmittagen pro Woche beim Fussballspielen betreuen.

Meuter, pensionierter Gebäudeingenieur, spricht Deutsch, Englisch, Französisch. Er hat sich spontan bei der Gemeinde gemeldet und seine Hilfe angeboten. Und Werner ist auf Jobsuche. «Ich habe deshalb Zeit», sagt er. «Und tue etwas Gutes.» Beide wohnen in Seuzach. Werner ist in der Gemeinde aufgewachsen.

Der Sport ist beliebt

Nach ihnen treffen die ersten Asylsuchenden ein. Sie kommen von der Zivilschutzanlage auf der anderen Strassenseite her, wo sie untergebracht sind. Der Gemeinde war es ein Anliegen, ihnen neben Deutschunterricht minimale Tagesstrukturen zu bieten, und hat ihnen die Turnhalle reserviert. Die sportliche Betätigung ist bei den Asylsuchenden beliebt. Pro Woche nutzen acht bis 15 Männer das Angebot.

Sie sind zwischen 20 und 40 Jahre alt und kommen aus Somalia, Afghanistan, Eritrea, Syrien und dem Irak. Als sie den Besuch bemerken, lächeln sie. Einer sagt «Grüezi» und dann: «In Seuzach ist es schön.» Betreuer und Asylsuchende verständigen sich hauptsächlich in Deutsch und Englisch. «Das funktioniert gut», sagt Meuter.

An diesem Nachmittag erwartet die Flüchtlinge eine besondere Überraschung: Sie dürfen sich aus mehreren Kartonschachteln Sportleibchen, -hosen und -schuhe aussuchen. Die Gemeindeverwaltung hatte im Mitteilungsblatt «Seuzi-Zytig» sowie auf ihrer Internetseite einen Aufruf gemacht. Die Resonanz war gross. «Wir sind erfreut über die zahlreichen Spenden», sagt Jacqueline Bietenhader, Leiterin Soziale Dienste. Sogar ein ganzer PET-Recylingsack Fussbälle ist abgegeben worden.

In der Sporthalle dürfen die Männer auch in Strassenkleidern spielen. Einige der Asylsuchenden hatten jedoch den Wunsch geäussert, beim FC Seuzach trainieren zu dürfen. «Insbesondere ein Spieler ist durch sein grosses Talent aufgefallen», sagt Jacqueline Bietenhader. Daraufhin hat Gemeindeschreiber Urs Bietenhader beim FC angeklopft. Die Antwort war positiv – mit einer Voraussetzung: Sie müssen wegen der Verletzungsgefahr Trainingskleidung und Stollenschuhe mitbringen. Das ist bei allen Mitgliedern Voraussetzung.

Anprobe beim Eingang

Beim Eingang der Sporthalle probieren die Asylsuchenden die gespendeten Kleider an. Jene, die etwas Passendes gefunden haben, stellen in der Halle die Tore auf. Zwei spielen sich ein.

«Einen Schiedsrichter brauchen sie nicht», sagt Rolf Meuter. Habe einer gefoult, melde er sein Fehlverhalten gleich selbst. Und: «Sie sind mit Leib und Seele dabei, spielen sehr intensiv.» Meuter und Werner nehmen auf zwei Holzbänken am Spielfeldrand Platz. Die Asylsuchenden bilden zwei Mannschaften, sie bestehen aus je vier Spielern und zwei Ersatzspielern.

Nach nur einer Minute fällt das erste Tor. Alle klatschen, auch die Spieler derjenigen Mannschaft, die das Tor kassiert hat. Wann nun die ersten beim FC ihr ­Training aufnehmen können, ist offen, wie Präsident Matthias Aeppli sagt. «Wir müssen zuerst abklären, in welchen Mannschaften sie trainieren könnten», sagt er. Voraussichtlich würden die Interessenten erst einmal zu einem Probetraining eingeladen.

Erstellt: 07.04.2016, 19:48 Uhr

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