Hettlingen

Sie will es nochmals wissen 

Für viele kommt es überraschend: Esther Cartwright, seit elf Jahren reformierte Pfarrerin von Hettlingen, verlässt die Kirchgemeinde im Herbst. 

Esther Cartwright in ihrem Büro, wo sie öfters auch in der Nacht Predigten schreibt. Bild: Marc Dahinden

Esther Cartwright in ihrem Büro, wo sie öfters auch in der Nacht Predigten schreibt. Bild: Marc Dahinden

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«Schade, dass du mich jetzt nicht beerdigen kannst», sagte ein Gemeindemitglied kürzlich zu Esther Cartwright. Das rührte die Pfarrerin. «Etwas Schöneres kann man mir eigentlich fast nicht sagen.» Seit elf Jahren ist sie reformierte Pfarrerin in Hettlingen. In dieser Zeit hat sie in der 1700 Mitglieder grossen Kirchgemeinde so einiges auf die Beine gestellt. Und sie hat manch eine und manch einen mit ihrem gewinnenden Lachen angesteckt.

Jetzt will sie es nochmals wissen. Es sei eine Kündigung ins Blaue. Sie wisse noch nicht, wohin das führe, räumt die studierte Psychologin und Theologin ein. Dieses Jahr werde sie 53 Jahre alt. Nun will sie nochmals einen Wechsel einleiten und Neues anpacken. «Ich finde es spannend, alles im Moment völlig offen zu lassen und zu schauen, was dabei herauskommt.»

Für sie sei dies auch eine Sache von Gottvertrauen, sagt sie, «zu sehen, wohin Gottes Weg mich führt». Es gehe ihr nicht darum, eine weitere Dorfpfarrstelle wie die in Hettlingen zu finden, sagt Esther Cartwright. Dann könnte sie auch hier bleiben, in dieser Kirchgemeinde, die ihr sehr ans Herz gewachsen sei.

Vertieftes Nachdenken  

Will sie weg von der Theologie? Da sei sie offen, sagt die Pfarrerin, die noch bis Ende September in Hettlingen bleibt. Eine Seelsorgestelle könnte sie sich gut vorstellen. «Oder Kirchgemeinden zu beraten, wäre auch etwas», meint sie lachend.

Ihr schwebt eine längere Weiterbildung vor. «Vielleicht ergibt sich am Ende ein Mix aus verschiedenen Tätigkeiten.» Ob dies dann mehr in Richtung Supervision und Coaching oder aber in Richtung Altersfragen und Palliativ Care gehe, wisse sie noch nicht. «Und vielleicht öffnet sich ja noch eine ganz andere Tür. Für eine vertieftes Nachdenken über ihre Zukunft habe ihr bis jetzt einfach Zeit und Musse gefehlt. 

Esther Cartwright hat bereits ein buntes Repertoire in ihrem beruflichen Rucksack. Bevor sie nach Hettlingen kam, lebte und arbeitete sie mit ihrem Mann zusammen fast fünf Jahre lang in Moçambique. Sie unterrichtete an einem theologischen Seminar das Fach «HIV/Aids» und unterstützte verschiedene Kirchen sowie internationale Organisationen bei deren entsprechenden Projekten.

 Vor ihrer Zeit in Afrika war Esther Cartwright Spitalpfarrerin in der Klinik Balgrist. Ihr pfarramtliches Lehrjahr hat sie in Oberwinterthur und am Kantonsspital Winterthur absolviert. Einen weiteren Aufenthalt in Afrika fassen sie und ihr Mann nicht ins Auge. «Wir suchen eine Wohnung in Winterthur.»  

Grosses Bedauern

In Hettlingen ist die Nachricht der Kündigung von Esther Cartwright mittlerweile durch. «Viele drücken mir ihr Bedauern aus, sagen aber auch, dass sie mich verstehen.» Der Abschied fällt auch ihr nicht leicht. Sie wisse schon jetzt, wie sehr sie alle vermissen werde. «Den ganzen Frühling, Sommer und Herbst über bin ich aber noch voll hier in Hettlingen», betont sie. 

Esther Cartwright ist in Rüti aufgewachsen. Ihr Vater, John Cartwright, ist Engländer. «Doch Little Joe war leider nicht mein Bruder», sagt sie manchmal schmunzelnd, wenn sie auf die legendäre Filmfamilie Cartwright aus der amerikanischen Kultserie «Bonanza» angesprochen wird.

Elf Jahre lang hat Esther Cartwright in Hettlingen Jugendliche konfirmiert, Paare verheiratet und Menschen beerdigt. Sie sagte schon immer, «ich will aufhören, wenn alles gut ist». Jetzt ist alles gut.

(Landbote)

Erstellt: 11.03.2019, 18:37 Uhr

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