Turbenthal

Stiftung war nicht mehr erreichbar

Das 7,5 Millionen Franken teure Umbauprojekt Kulturscheune Schlossguet in Turbenthal wird nicht umgesetzt. Fast 30 Jahre nach dem Kauf beginnt die Suche nach einer Umnutzung erneut von vorne.

Die Scheune rechts des Schlosses Turbenthal muss saniert werden. Die Frage ist: Für welchen Zweck und mit welchem Geld?

Die Scheune rechts des Schlosses Turbenthal muss saniert werden. Die Frage ist: Für welchen Zweck und mit welchem Geld? Bild: Madeleine Schoder

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Es ist ein abrupter Richtungswechsel: Letzten Freitag sagte die Turbenthaler Gemeinderätin Katharina Fenner (FDP) in dieser Zeitung noch, dass der Gemeinderat weiterhin auf der Suche nach einer privaten Trägerschaft für das Projekt Schlossguet ­(siehe Kasten) sei.

Nur vier Tage später gab Gemeindepräsident Georg Brunner (FDP) im «Töss­thaler» jedoch an, dass das 7,5 Millionen Franken teure Umbauprojekt nicht umgesetzt wird. «Es war in der jetzigen Form schlicht und einfach nicht realisierbar», sagte er. Es gehe nun darum, die Nutzung der Scheune neu zu bestimmen. «Das ganze Projekt wird quasi noch einmal neu aufgegleist.»

«Weder telefonisch noch per Mail habe ich eine Antwort erhalten»Katharina Fenner
Liegenschaftenvorsteherin Turbenthal

Auf Nachfragen dieser Zeitung verweist Brunner an die zuständige Liegenschaftenvorsteherin Fenner. Sie hatte im Dezember gesagt, dass bereits erste Vorgespräche mit einer Stiftung stattgefunden hätten, die das Projekt genauer habe prüfen wollen.

Bis März hätte diese Stiftung eine Entscheidung fällen wollen. «Doch sie war einfach nicht mehr erreichbar. Weder telefonisch noch per Mail habe ich eine Antwort erhalten», sagt Fenner. Der Gemeinderat habe dieses Desinteresse als «nicht positiv» gewertet und deshalb «den Anker ausgeworfen», um das Projekt zu stoppen.

Die Kommission des ehemaligen Projekts ist aufgelöst worden. Im «Tössthaler» zeigt sich das ehemalige Mitglied Fritz Fuhrimann «wahrhaft enttäuscht und konsterniert» darüber. Nachdem der Lotteriefonds im letzten Sommer nur eine statt der verlangten 3 Millionen habe beisteuern wollen, hätte man mehr Druck auf den Regierungsrat ausüben sollen, sagt Fuhrimann. Auch der Historiker Wolfgang Wahl hätte sich vom Gemeinderat gegenüber dem Kanton mehr Kampf statt Resignation gewünscht.

Entscheidung wird 2019 gefällt

Fenner erwidert: «Es ist nicht so, dass das Schlossguet weitere 28 Jahre sich selber überlassen wird.» Im Gegenteil: Der Gesamtgemeinderat wolle innerhalb dieser Legislatur eine Lösung für die Scheune finden. Man versuche nun ein neues Projekt zu erarbeiten: «Einfach nicht in diesem grossen Rahmen.» Vorstellbar wäre etwa ein Mieter, der die Scheune mithilfe der Gemeinde umbauen und nutzen würde. «Wir fänden es wirklich super, wenn sich so jemand finden liesse.» Eine solche Person müsste auch nicht zwingend aus dem Tösstal stammen.

Das Gebäude von 1666 ist in keinem guten Zustand. «Wir müssen deshalb wirklich noch dieses Jahr entscheiden, wie wir weiter vorgehen wollen», sagt Fenner. Eine Sanierung allein würde nach aktuellsten Plänen 1,5 Millionen Franken kosten. Der Gemeinderat will nun eine Gruppe beauftragen, die sich mit der Zukunft der Scheune auseinandersetzen wird, definiert ist diese aber noch nicht.

Die scheinbar unendliche Geschichte des Schlossguets

Die Gemeinde kauft das Schlossguet 1990 für 1,2 Millionen Franken. Die Hälfte der Kosten übernimmt der Kanton. Man will das historische Gebäude erhalten, die Idee eines Ortsmuseums steht im Raum. 2004 wird ein Konzept für ein regionales Museum und Kulturzentrum erarbeitet.

Mit dabei: Hofstetten, Schlatt, Zell, Wila, Wildberg und Sternenberg. Doch die Nachbargemeinden steigen wegen zu hoher Kosten aus, auch der Kanton will sich nicht beteiligen. Einen Verkauf der Scheune lehnt die Gemeindeversammlung 2007 jedoch ab. Der Verein für ein Ortsmuseum schlägt vor, ein Betriebskonzept mit privaten Trägern zu erarbeiten.

Eine Arbeitsgruppe wird eingesetzt, ein Businessplan wird in Auftrag gegeben. 2016 setzt der Gemeinderat eine Kommission ein, um eine konkrete Vorlage zu erarbeiten. Diese wird Ende 2017 den Medien präsentiert, rund 7,5 Millionen Franken sollte das Projekt Kulturscheune Schloss­guet kosten. Ein regionales Kultur- und Informationszentrum sollte entstehen, inklusive Bibliothek und Mehrzwecksaal.

Doch der Lotteriefonds sprach im letzten Sommer statt der erhofften 3 nur maximal 1 Million Franken zu. Der für das Projekt zuständig gewesene Liegenschaftenvorsteher Markus Küng war bei den Erneuerungswahlen drei Monate zuvor überraschend abgewählt worden. Nach der Klausur im Herbst wollte der Gemeinderat eine private Trägerschaft suchen, um das Projekt am Leben zu erhalten. Diese Pläne sind nun Geschichte.

Erstellt: 12.04.2019, 10:16 Uhr

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