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Stille Taufe bislang namenloser Strassen

Fast unbemerkt kreieren Gemeinden in der Region neue Strassennamen. Auslöser der Taufaktion ist eine neue Bundesverordnung.

Dieser Holzschopf in Humlikon liegt neu an der Gerberstrasse – Gerber heisst die Landparzelle rechts.

Dieser Holzschopf in Humlikon liegt neu an der Gerberstrasse – Gerber heisst die Landparzelle rechts. Bild: Heinz Diener

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Zwischen Humlikon und Henggart steht mitten auf den Feldern ein Holzschopf, zu dem blossein Kiesweg hinführt. Die Flur­namen dort heissen Au, Rachsler und Brunni. Einen Namen hatte dieser Flurweg bislang keinen – wieso auch? Im Schopf wohnt ja niemand, Post wird dort also keine hingebracht.

Doch der Bund will mit einer neuen Verordnung, dass künftig jedes Gebäude, ob bewohnt oder nicht, eindeutig identifizierbar ist.

Eine Hausnummer ohne Strassenname reicht dazu nicht. Also müssen bislang namenlose Kieswege, an denen eine Scheune, ein Schuppen oder ein Transformatorenhäuschen steht, einen Namen kriegen.

«Bodensee» in Adlikon

Der erwähnte Holzschopf liegt auf Huemliker Boden. Und der Weg dorthin erhält neu den Namen Brunnistrasse, in Anlehnung an den dortigen Flurnamen. In der kleinen Weinländer Gemeinde gibt es neu fünf weitere Flurstrassen mit den Namen Gerberstrasse (siehe Foto), Zilstrasse, Lerchhaldenweg und Binzstrasse.

«Die deutschsprachigen Endungen -WEG und -STRASSE dürfen nie in Mundart erfasst werden»Aus dem Merkblatt des Kantons

Die Strasse Im Riet wird, zumindest punkto Namen, hinaus auf die Felder verlängert – weil es dort unbewohnte Gebäude gibt.

In der Nachbargemeinde Adlikon gibt es ebenfalls sechs neue Strassennamen. Und auch dort orientierte man sich bei der Namensgebung an den Flurnamen wie etwa Tobelacker, Eimerich oder Bodensee. Die Gemeinden Lindau oder Brütten teilten ­unlängst mit, dass sie bislang ­namenlosen Flurstrassen einen Namen gegeben haben.

Ein Ferdy-Kübler-Weg?

Bisher ohne Namen existierende Strassen und Wege nach einem Flurnamen in der Nähe zu benennen, ist naheliegend. Doch könnte eine Gemeinde eine Flurstrasse grundsätzlich auch nach einer prominenten Dorfpersönlichkeit benennen. In Marthalen beispielsweise wäre also ein Ferdy-Kübler-Weg durchaus denkbar.

Die Radrennlegende ist in Marthalen aufgewachsen, das Wohnhaus seiner Jugend ist heute mit einer Gedenktafel versehen. In der Marthaler Polizeiverordnung heisst es, dass für die Benennung der Strassen der Gemeinderat zuständig sei.

In Marthalen gibt es zudem ein Kuriosum. Denn obwohl ein kantonales Merkblatt vorschreibt, dass die deutschsprachigen Endungen -weg und -strasse «nie in Mundart erfasst» werden, ist dies in Marthalen so. So gibt es etwa die Zinggestrass, die Schaffhuserstrass oder die Maiegass.

Diese Strassennamen sind auch so beschildert und auf offiziellen Karten so eingezeichnet. «Bereits bestehende Endungen in Mundart können ausnahmsweise weitergeführt werden», heisst es im Merkblatt. (Der Landbote)

Erstellt: 25.07.2018, 16:19 Uhr

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