Fotografie

Streifzüge durch die heimische Natur

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah! Ein recht abgedroschener Spruch, dem die Fotografen Jürg Alean und Peter Koch frisches Leben ­eingehaucht haben. Selten hat man die Region so bezaubernd gesehen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es gibt ziemlich wenige Gletscher im Kanton, um nicht zu sagen, gar keine. Deshalb musste sich der promovierte Glaziologe Jürg Alean ein anderes Thema für sein neuntes Buch suchen. Er fand es in «Natur und Landschaften von Zürich und Schaffhausen». Als Mitstreiter gewann er den Fotografen Peter Koch, denn dass «eins plus eins» in der kollegialen Kooperation mehr als zwei ergibt, wusste der ETH-Absolvwent schon von einem früheren Projekten. Koch zeichnet daher für die erstaunlichen Wildtierfotos verantwortlich, Alean für die Landschaften und Texte. Der quadratische Bildband ist soeben im Haupt-Verlag erschienen. «Zunächst hatte ich Zweifel, ob man genügend attraktive Stellen in der Region zeigen könnte», räumt der Eglisauer ein, «aber meine Bedenken wurden schnell zerschlagen und wir hatten die Qual der Wahl». Entstanden ist eine «regionale Natur- und Landschaftskunde» mit neun Kapiteln, die sich den Flusslandschaften, der versteinerten Erdgeschichte, den Hügeln und Tobeln aus Nagelfluh, den Eiszeitspuren sowie vielen Tieren und Pflanzen widmen. Auf diese Weise hat Alean auch für ihn weniger bekannte Gebiete wie Albis, Töss oder das Zürcher Oberland erwandert. Fototipps der beiden Autoren runden das wunderschön illustrierte Buch ab.

Innovativ sind die Aufnahmen mit einer Drohne. «Für die Gletscherbücher bin ich im Helikopter über die Alpen und Gebirge in Alaska oder Peru geflogen», erzählt Jürg Alean, «da ist man mit der Kamera sehr effizient». Bilder von oben übten einen besonderen Reiz auf den Betrachter aus: Da bin ich auch schon gewandert, da steht mein Haus. So kam in Zürich und Schaffhausen ein fliegendes Auge zum Einsatz: «Mit der Drohne kann ich sehr spontan reagieren — ein Flugzeug kann man nicht gleich chartern, wenn das Wetter günstig ist», argumentiert Alean. Er bedauert, dass die Drohne in so schlechten Ruf geraten ist, weil manche Leute damit Schabernack treiben.

Für Landschaftsaufnahmen am Boden empfiehlt er, ganz nah ans Objekt heranzugehen. «Es ist ein Anfängerfehler, alles drauf haben zu wollen.» Der Stein vom Bergsturz steht bei ihm ganz im Vordergrund, den umgekippten Baumstamm fotografiert er von unten herauf mit dem Weitwinkelobjektiv. Sein Tipp: «Tiefe schaffen, das Unerwartete in Szene setzen».

Bei Nahaufnahmen von Pflanzen, manchmal sogar von Tieren verwenden die beiden eine besondere Technik, das sogenannte Stacking. Für das Bild einer Rispe mit vereisten Himbeeren wurden beispielsweise zwanzig Aufnahmen in verschiedenen Schärfeeinstellungen mit dem Stativ gemacht. Die Serie wird digital zusammengefügt und nachbearbeitet, um die gewünschte Schärfentiefe zu erreichen. «Es ist die Arbeit eines ganzen Tages», erklärt Alean mit Blick auf das perfekte Foto.

Kein Wunder deshalb, wenn er meint, das Fototalent sei nicht angeboren, sondern vielmehr eine Frage der Beharrlichkeit. Das sei wie in der Schule, vergleicht der ehemalige Kantonsschullehrer von Bülach, da gebe es auch keine Menschen, die Mathematik oder Geografie a priori nicht «könnten».

Der Autor, Jahrgang 1953, pflegt ausserdem seit den 1990ger Jahren mit anderen Lehrern und Informatikern zusammen den Bildungsserver Swisseduc.ch. Hier findet man Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe II, und man muss nicht lange raten, welche Bereiche Alean wohl betreut: Geografie, Gletscher und Vulkanismus.

Was an dem Buch besonders fasziniert, sind die leuchtenden Farben, die Strahlkraft der Bilder und die Kontraste, mit denen sich Frösche und Pilze, Vögel und Insekten, Orchideen und Seidelbast vom Hintergrund abheben. Dass da ein bisschen nachgeholfen wird, liegt auf der Hand. Koch und Alean bearbeiten sämtliche Fotos selbst. Ist das für die «Naturburschen» kein Widerspruch? Das sei eine ewige Diskussion, kontert Alean, «was ist noch zulässig, was nicht?». Selbst Bilder, die man mit dem Handy macht, seien schon nachbearbeitet — automatisch und im Gerät selbst. Für wichtig und ethisch vertretbar hält er eine Nachbarbeitung, die das Motiv möglichst wirklichkeitsnah reproduzieren will.

Neue Ideen hat Jürg Alean immer, auch wenn es noch zu früh sei, über das nächste Buchprojekt konkret zu sprechen. Falls es realisiert werde, werde er aber wiederum viel im Gelände unterwegs sein: «Ich bin jemand, der diese Herausforderung braucht als Lebenselixir.» (Landbote)

Erstellt: 12.04.2017, 15:31 Uhr

Natur und Landschaften von Zürich und Schaffhausen

Jürg Alean, Peter Koch, Haupt-Verlag, Bern. 208 Seiten,272 Farbfotos. Ca. 49 Franken.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben