Illnau-Effretikon

Streiken, aber bitteschön kompensiert

Städtisches «Gender-Referat» oder eine Streikstunde in Illnau-Effretikon: Wie Firmen und Verwaltungen in Winterthur und Region mit dem nationalen Frauenstreik umgehen, der in einer Woche stattfindet.

Die Holzstatue im Superblock befindet sich im dauerhaften Sitzstreik. Foto: pd

Die Holzstatue im Superblock befindet sich im dauerhaften Sitzstreik. Foto: pd

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Am 14. Juni streiken die Frauen schweizweit und wollen damit auch zeigen, dass ohne ihre Arbeit «nichts mehr läuft». Wie bereiten sich Firmen und Verwaltungen darauf vor? Und thematisieren sie im Betrieb die Forderungen des Streiks?

Der «Landbote» hat bei den Grossen nachgefragt, fast alle haben geantwortet. Einzig die Industriefirma Rieter aus Winterthur wollte die Fragen auch nach telefonischer Nachfrage nicht beantworten, man bereite sich gerade auf einen wichtigen Kongress in Barcelona vor.

Der Streik ist bei der Stadt Winterthur mit ihren rund 5000 Angestellten auch eine präsidiale Angelegenheit. Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) beantwortet die gestellten Fragen persönlich. «Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die am Frauenstreik teilnehmen wollen, soll sofern betrieblich möglich, die notwendige Zeit frei gegeben werden», schreibt er per Mail.

«Eine Mitarbeiterin organisiert eine Streikstunde in der Caféteria des Stadthauses.»Peter Wettstein,
Stadtschreiber von Illnau-Effretikon

Die Zeit muss kompensiert werden. Zudem leiste die Stadt am 14. Juni einen «wichtigen Beitrag zur Genderthematik»: Ein Referat mit Diskussion zum Thema Teilzeit-Erwerbstätigkeit richte sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Familienphase.

Das Kantonsspital, das rund 3500 Personen in der Stadt beschäftigt, will die Teilnahme auch gegen Kompensation ermöglichen. Das KSW geht aktuell aber nicht davon aus, dass es «Absenzen im unüblichen Rahmen» gebe. Dies mit der Begründung: «Eine gute Patientenversorgung liegt auch unseren Mitarbeitenden am Herzen.»

Die 3000 Mitarbeitenden der Axa können ebenfalls «in ihrer Freizeit» streiken. «Wir möchten betonen, dass diese Option für Männer und Frauen besteht», heisst es. Bei der ZHAW mit ihren zahlreichen Standorten in der Stadt muss eine Teilnahme ebenfalls in der Freizeit erfolgen, und der Betrieb soll weiterlaufen. Die Hochschule bearbeite innerbetrieblich insbesondere die Themen Lohngleichheit und Diskriminierung aller Art.

Bei der Industriefirma Sulzer wird das Thema laut einem Pressesprecher wenig diskutiert. «Ein Grund mag die hohe Internationalität sein.» Bei der Firma Zimmer Biomet, ebenfalls recht international, ist der Streik hingegen sehr wohl Thema: Eben erst sei in Winterthur ein Frauen-Netzwerk ins Leben gerufen worden. Bei Burckhardt Compression wird der Frauenstreik nicht explizit intern thematisiert, freinehmen kann man nach Absprache. Bei der Messtechnik-Firma Kistler sieht es ähnlich aus.

An der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK) in Rheinau, eine der grössten Arbeitgeberinnen in der Region Winterthur, stellen Frauen rund zweidrittel der Mitarbeitenden. «Wir schätzen und honorieren dies sehr», schreibt die Kommunikationsabteilung. Eine offizielle Weisung zum Streiktag gebe es nicht, die Klinik unterstehe grundsätzlich dem Personalrecht des Kantons Zürich.

Unterschiedliche Handhabung

In den Gemeinden rund um Winterthur handhabt man den bevorstehenden Streik unterschiedlich. In Illnau-Effretikon wird es, wie in der Stadt Zürich auch, eine Streikstunde geben. Eine Mitarbeiterin organisiere diese in der Caféteria des Stadthauses, schreibt Stadtschreiber Peter Wettstein. Die Verwaltung habe die offizielle Weisung erlassen, dass trotz Frauenstreiktag die Dienstleistungen der Stadtverwaltung minimal aufrecht zu erhalten seien. «Die Vorgesetzten sind vorgängig über eine allfällige Abwesenheit am Arbeitsplatz zu informieren.» Der Streik gelte nicht als Arbeitszeit.

Kein Thema ist der Streik bis jetzt auf den Verwaltungen von Turbenthal, Wiesendangen, Seuzach, Elgg und Aadorf TG. In Rheinau gehen Gemeinderat und Verwaltung am 14. Juni gemeinsam auf Personalausflug, es nähmen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teil.

Gemeindeschreiber Erkan Metschli-Roth antwortet auf Anfrage, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Gemeindeverwaltung Zell aktiv gelebt werde: «Lohngleichheit ist gewährleistet und mit Teilzeitpensen wird die Verträglichkeit von Arbeit und Familie gefördert.»

Der nationale Frauenstreik sei dem Vernehmen nach bisher kein Thema. Einer allfälligen Teilnahme steht man in Zell nicht im Wege – so lange sie nicht auf Kosten der Arbeit geht: «Die Gleitzeitregelung ermöglicht es den Interessenten, am Frauenstreiktag im Einklang mit den Betriebsinteressen teilzunehmen.»

Erstellt: 06.06.2019, 17:16 Uhr

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