Aadorf

Streiten, schweigen und neu wählen

Ende Juli trat der Aadorfer Schulpräsident überraschend zurück, er gab Differenzen in der Behörde als Grund an. Nach Aussprachen, Forderungen und zwei weiteren Rücktritten stehen am 25. November nun Kampfwahlen an.

In der Schulbehörde Aadorf rumorte es gewaltig. Nun stehen Ersatzwahlen an.

In der Schulbehörde Aadorf rumorte es gewaltig. Nun stehen Ersatzwahlen an. Bild: Marc Dahinden

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Die Legislatur 2017 bis 2021 ist im Thurgau noch noch nicht einmal in der Halbzeit, da stehen schon wieder grosse Veränderungen in der Aadorfer Schulbehörde an. Ende Juli gab Präsident Markus Köstli sein Amt ab.

Seit März sei er krankgeschrieben gewesen und das, weil ihm Differenzen innerhalb der Behörde zugesetzt hätten, schrieb er in einer Mitteilung. Wie die «Wiler Nachrichten» berichteten, galt die Krankschreibung denn auch nur für dieses Amt, an einer anderen Schule arbeitete der 64-Jährige weiter als Schulleiter. Köstli berichtete von verschiedenen Ereignissen, die innerhalb der fünfköpfigen Behörde vorgefallen seien, ohne jedoch näher darauf einzugehen.

Auch bei Entscheiden sei er je länger je mehr in der Minderheit gewesen. Seiner Gesundheit zuliebe habe er sich deshalb entschieden, zurückzutreten.

Gesamtrücktritt gefordert

Der überraschende Rücktritt und die Vorwürfe, die nach wie vor in der Luft schweben, schlugen hohe Wellen. Die Interpartei, das gemeinsame Organ der Aadorfer Ortsparteien, machte sich auf Spurensuche und lud beide Seiten zu Gesprächen ein. In einer Mitteilung, die sie danach verschickten, schrieben die Vertreter: Köstli habe die Fragen der Parteivertreter nachvollziehbar beantwortet.

«Mich stört extrem, wie das Ganze  abgelaufen ist,  und dass nicht offen  kommuniziert wird.»Rolf Sennhauser, 
Kandidat Schulpräsidium

Die Mitglieder der Schulbehörde jedoch hätten es verpasst, ihre Sichtweise transparent darzustellen. Sie räumten zwar Meinungsverschiedenheiten ein, hätten aber mit Verweis auf das Amtsgeheimnis keine weiteren Informationen preisgegeben.

Die Interpartei forderte in der Mitteilung einen Gesamtrücktritt. Bei den Angestellten der Volksschule herrsche grosse Verunsicherung und die Behörde müsse das verspielte Vertrauen zurückgewinnen. Gesamterneuerungswahlen im November seien deshalb die beste Lösung, hiess es. Dieses Vorgehen würde es den Stimmberechtigten ermöglichen, einzelne Mitglieder der Schulbehörde, die sich bewährt hätten, wieder zu wählen.

«Das grenzt an Mauschelei»

Der Rücktrittsforderung der Interpartei folgten zwei Mitglieder. Andreas Spring gab sein Amt gleich ganz ab. Astrid Keller trat ebenfalls zurück, tritt am 25. November aber erneut an und bewirbt sich für das Präsidium. Seit Köstlis Rücktritt führt sie dieses Amt interimistisch mit Vize-Präsident Nino Heider aus.

Am 1. Oktober ist die Bewerbungsfrist für die Ersatzwahlen abgelaufen und Keller hat einen Gegner bekommen. Auch Rolf Sennhauser will die Behörde präsidieren: «Mich stört extrem, wie das Ganze bisher abgelaufen ist, und dass nicht offen kommuniziert wird.»

Er wolle Keller nicht die Qualifikation für das Amt absprechen, aber jemand, der die Probleme mitverursacht habe, könne sie aus seiner Sicht nicht lösen: «Dann ginge es ja genau gleich weiter und das grenzt für mich an Mauschelei», sagt der 63-jährige Aadorfer. Mit den dürftigen Informationen, die der Öffentlichkeit bisher vorlägen, könne er sich nicht hinter diesen Ablauf stellen.

«Die Behörde arbeitete auf sachlicher Ebene gut zusammen. Ich möchte dahin zurück.»Astrid Keller,
Kandidatin Schulpräsidium

Politische Erfahrung bringt Sennhauser keine mit: «Inhaltlich kann ich aber alles», sagt er. Er sei ursprünglich Sekundar- und Reallehrer, habe danach an einer Höheren Fachschule einen Abschluss in Betriebswirtschaft gemacht, sei eidgenössisch diplomierter Ausbilder und arbeite heute als Prüfungsleiter an den KS Kaderschulen – einer Höheren Fachschule für Wirtschaft. «Landschulen haben grosse Budgets, aber das Geld ist teilweise falsch verteilt», sagt Sennhauser.

Die Situation der Aadorfer Volksschulgemeinde, zu der fünf Primarschulen, die Sekundar- und die Musikschule gehören, könne er nicht beurteilen. Aber als Schulpräsident würde er sich die Finanzen aus betriebswirtschaftlicher Sicht anschauen wollen.

Für Kooperation argumentiert

Gegenüber dem «Tagblatt» sagte Keller ihrerseits, dass sie sich eine Kandidatur als Präsidentin gar nie überlegt hätte, wäre Köstli nicht zurückgetreten. Gerade auch ihre eigene Rolle im Konflikt habe sie dazu bewogen.

Während die Interpartei Gesamterneuerungswahlen anstrebte, habe sie für Wertschätzung und Kooperation argumentiert – sie wäre aber zum Gesamtrücktritt bereit gewesen. Keller betont, dass die Behörde auf sachlicher Ebene immer gut zusammengearbeitet habe und dass sie dahin zurückwolle.

Keller lobt die Arbeit ihres Vorgängers Köstli und sieht sich nicht als Erneuerin. Sie habe das Vertrauen der beiden Behördenmitglieder Nino Heider und Sandra Gansner Lienau, die nicht zurückgetreten sind.

Die 54-jährige Ettenhauserin gibt als Beruf Familienfrau an und wurde 2015 in Aadorf zur Persönlichkeit des Jahres gewählt unter anderem wegen ihres Einsatzes in der Bürgermusik und dem Dorfverein. In der Schulbehörde Aadorf hatte sie bisher die Ressorts Finanzen und Musikschule unter sich.

Um die zwei weiteren freien Plätze in der Behörde bewerben sich vier Kandidatinnen und Kandidaten: Die 33-jährige Prozess-Ingenieurin Jasmin Frei aus Aadorf, die 47-jährige Hausfrau Andrea Holderegger aus Ettenhausen, der 53-jährige Verkaufskoordinator Daniel Müller aus Ettenhausen und der 41-jährige Ökonom Patrick Neuenschwander aus Aadorf. (Der Landbote)

Erstellt: 11.10.2018, 17:57 Uhr

Rolf Sennhauser.

Astrid Keller.

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