Zell

Strike um Strike nach Wien

Aaron Doujak aus Rämismühle ist Zürcher Juniorenmeister im Bowling. Ende April nimmt er mit der Nationalmannschaft an der Europameisterschaft in Wien teil. Die Geschichte eines steilen Aufstiegs.

Der 14-jährige Aaron Doujak ist ein Bowling-Ass.

Der 14-jährige Aaron Doujak ist ein Bowling-Ass. Bild: Madeleine Schoder

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Und schon wieder fallen die Kegel am Ende der Bowlingbahn in Rümikon krachend um. Soeben hat Aaron Doujak zweimal hintereinander alle zehn Kegel, sogenannte Pins, weggeräumt.

Der 14-Jährige aus Rämismühle bei Zell nimmt seine pink-türkise Kugel, putzt sie mit einem Tuch ab und schickt sie erneut mit viel Rotation und über 23 Stundenkilometern auf die Reise. «An den Seiten hat die Bahn weniger Öl als in der Mitte, also hat die Kugel dort auch mehr Grip», sagt Aarons Trainer Dario Ancarani. Es sieht dann jeweils so aus, als ob sich die Kugel nach rechts in Richtung Rinne verabschiedet.

«Die Herausforderung ist es, den perfekten Schuss immer wieder aufs Neue zu wiederholen.»

Doch dann wechselt sie auf den letzten Metern ihre Richtung und erwischt die im Dreieck aufgestellten Pins optimal, schräg rechts. Wieder fallen alle um, nun sind es drei «Strikes» in Folge. Aaron ballt die Faust, grinst ein breites Grinsen und klatscht mit seinen mittrainierenden Kollegen und Kolleginnen ab.

Es läuft bei ihm nicht nur in diesem Traning: Aaron hat anfangs Jahr bei den Zürcher Meisterschaften den Titel in seiner Alterskategorie geholt. Ein steiler Aufstieg, denn es war sein erstes Bowlingturnier überhaupt. Erst letzten Sommer hat er mit der Sportart begonnen. Seinem Junioren-Nati-Trikot sieht man das an: Während alle anderen ihren Namen aufgedruckt haben, fehlt er bei ihm noch.

Überschaubare Szene

Bowling hat sich aus dem Kegeln heraus entwickelt. Der augenfälliste Unterschied: zehn statt neun Kegel, ausserdem ist die Bahn länger und schmaler. «Vor allem in Amerika und Asien ist der Sport sehr beliebt», sagt Trainer Ancarani, der seit bald 50 Jahren bowlt und aktueller Vize-Schweizermeister bei den Senioren ist.

In der Schweiz ist die Bowlingszene aber ziemlich überschaubar. Alle in der Rümiker Bowlinghalle scheinen sich zu kennen, die Atmosphäre wirkt familiär. «In der Schweiz ist die Konkurrenz beim Bowling nicht sehr gross, europaweit sieht das aber anders aus», sagt Ancarani.

Aaron versucht sich in der Zwischenzeit mit seinem vierten Strike hintereinander. Doch dieses Mal rutscht die Kugel rechs über die Rinne. «Venezia!», ruft sein Vater Hansueli Doujak mit einem Lachen und schiebt erklärend nach: «Canale Grande». Aarons Vater ist in der Region kein Unbekannter: Er ist sechsfacher Schweizer Meister im Armdrücken und ehemaliger Bademeister von Rikon.

Sein imposanter Oberkörper steht in starkem Kontrast zu jenem des zierlichen Aarons, der die Kugel schon beinahe tänzerisch auf die Bahn schickt. Vater Doujak nahm durch seine Erfolge auch schon an mehreren Weltmeisterschaften teil, 2009 wurde er gar Fünfter.

Steht sein Sohn dadurch unter Druck? «Nein, der Spass steht ganz klar über dem Erfolg. Sport hat ja auch einen sozialen Aspekt.» Dass ihr Sohn beim Bowlen so erfolgreich ist, überrascht Mutter Sara wenig: «Er war schon immer sehr sportbegeistert und dabei auch erfolgreich.» Bis im letzten Jahr war er in der Hornussengesellschaft Winterthur aktiv. Beim letzten Turnier gewann er in der Einzelwertung.

Aaron Doujak in Aktion.

Der Faktor Psychologie

Beim Bowlen geht es darum, die perfekte Balance und den Rhythmus zu reproduzieren, erklärt Trainer Ancarani. «Die Herausforderung ist es, den perfekten Schuss immer wieder aufs Neue zu wiederholen.» Diese Konstanz über mehrere Stunden während eines Wettbewerbs aufrechtzuerhalten, sei sehr schwierig.

Denn die Bahn verändert mit der Zeit seine Eigenschaften, etwa weil das Öl «wandert» und man deshalb seine Spielweise anpassen muss. «Wenn es aber gelingt, dann ist man im Fluss und erlebt einfach ein gutes Gefühl.» Die Psychologie spielt eine grosse Rolle «Bei den Junioren besteht das Training zu 60 Prozent aus Technik, 20 Prozent Materialwissen und nochmals 20 Prozent aus Mentaltraining.»

Bei den Erwachsenen werde diese Trainingspyramide umgekehrt: «Da wird fast nur noch die Psychologie trainiert.» Gleich danach ist dieser Aspekt gut zu beobachten: Aarons Teamkollege Andrea Accardi aus Kollbrunn wirft sechs Strikes hintereinander, den anderen scheint auf einmal weniger zu gelingen. «Wenn es jemandem gut läuft, spielen die anderen automatisch schlechter», sagt Ancarani.

Aber auch die Euphorie sei gefährlich, weil man dadurch den Fokus verlieren könne. Aaron sei in dieser Hinsicht gut: «Er macht nie ein Theater, egal ob es ihm gut oder schlecht läuft.»

Den Trainer geschlagen

Aarons Eltern, Hansueli und Sara, sind an jedem Training am Dienstagabend dabei. «Heute sass er bereits eine halbe Stunde vor Abfahrt im Auto, weil er schon bowlen gehen wollte», sagt Mutter Sara. Nicht mit dabei sein können die Eltern an der Junioren-Europameisterschaft in Wien, an der Aaron vom 13. bis 22. April teilnehmen wird.

Vater Hans-Ueli hat mit der Hunziker Sanitär AG einen Sponsor für die Wien-Reise gefunden. «Meine Erfahrung im Sponsoring von meinen Armdrück-Wetkämpfen kann ich nun wieder nutzen.»

Vor der Europameisterschaft nimmt Aaron am nächsten Wochenende an der «Youth Challenge» teil. Dort treten Nachwuchsspielern bis 25 Jahre aus den USA und ganz Europa an, erstmals macht diese Tour auch in Rümikon Halt.

Aaron bowlt und bowlt an diesem Dienstagabend immer weiter, gross reden will er nicht. Am Abend zuvor hatte er auch seinen Trainer Ancarani sprachlos gemacht: In einem Ligaspiel am Montag, bei dem Aaron nur aushalf, schlug er seinen Trainer am Ende um einen Punkt. «Da ist mir die Kinnlade runtergefallen», sagt Ancarani nicht ohne Stolz.

(Der Landbote)

Erstellt: 29.03.2019, 12:31 Uhr

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