Aadorf

«Super, dass die Kantonsräte Radau machen»

Der Bund überlegt, die landwirtschaftliche Forschung aus Tänikon abzuziehen. Für Gemeinde­präsident Matthias Küng ist die Ankündigung ein herber Schlag. Sorge bereiten ihm die Arbeitsplätze und die historischen Bauten.

Zieht Acroscope von dannen? Für die Gemeinde Aadorf wäre dies ein harter Schlag.

Zieht Acroscope von dannen? Für die Gemeinde Aadorf wäre dies ein harter Schlag.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Bund überlegt, den Agroscope-Forschungsstandort Tänikon zu schliessen. Ärgert Sie das als Gemeindepräsident?
Matthias Küng: Wir waren sicher negativ überrascht von der Mitteilung . Geärgert hat mich vor allem die Art und Weise der Kommunikation. Dass wir als kleine Gemeinde Aadorf nicht direkt involviert werden, wenn Bundesbern Entscheide trifft, ist mir schon klar. Aber nachdem der Bund mit dem Kanton erst letztes Jahr einen Vertrag über die Zukunft des Forschungsstandortes ausgehandelt hatte, haben wir gehofft, dass nun etwas Ruhe in den Standort Tänikon kommt. Die Meldung ist daher eine rechte Hiobsbotschaft. Ärgerlich ist auch, dass kein klarer Entscheid getroffen wurde. Die Unsicherheit tut mir vor allem für die Angestellten leid.

«Die Meldung ist eine echte Hiobsbotschaft. Es wäre ein sehr grosser Verlust für Aadorf»

Wie viele Arbeitsplätze wären betroffen?
Wir gehen von rund hundert Arbeitsplätzen aus. Es geht grösstenteils um hochqualifizierte Personal. Und viele der Mitarbeiter wohnen hier oder in umliegenden Gemeinden. Es wäre ein sehr grosser Verlust für Aadorf und für die gesamte Region Ostschweiz.

Befürchten Sie weitere Auswirkungen für Aadorf?
Wenn der Forschungsstandort geschlossen wird, hätte das auch raumplanerische Auswirkungen. Der Forschungsstandort befindet sich in einer Spezialbauzone, die explizit auf den landwirtschaftlichen Forschungsbetrieb ausgerichtet ist. Was mit dem Grundstück nachher passieren soll, ist unklar. Hat der Kanton Verwendung dafür? Oder ein Privateigentümer? Zudem ist das Gelände auch ein historisch wichtiger Ort, es befinden sich darauf die mittelalterlichen Bauten des ehemaligen Frauenklosters. Wer unterhält diese Gebäude künftig? Respektive, wer hat überhaupt die finanziellen Mittel dazu?

«Die Unsicherheit tut mir vor allem für die Angestellten leid.»

Wie profitiert Aadorf sonst noch von Agroscope?
Am meisten natürlich von den Arbeitsplätzen. Wir profitieren aber auch von der Öffentlichkeitsarbeit, die Agroscope betreibt. Es gibt immer wieder Hofbesichtigungen, zudem unterhält der Bund ein leider nicht so bekanntes, aber sehr interessantes Agro-Technorama. Und nicht zuletzt bewirtschaftet der Forschungsbetrieb auch grosse Landwirtschaftsflächen.

Ist anzunehmen, dass mit dem Wegzug von Agroscope auch die Swiss Future Farm, ein Projekt des Kantons mit der Privatwirtschaft, schliessen wird?
Das ist schwierig abzuschätzen. Sie sind ja auf die Räumlichkeiten, die dem Bund gehören, angewiesen. Ob die Swiss Future Farm allenfalls auch vom kantonalen Zentrum Arenenberg aus betrieben werden kann, weiss ich nicht. Ich hoffe aber natürlich, dass das Projekt weiterlaufen wird, und insbesondere, dass es in Tänikon weiterlaufen wird.

«Den Fluglärm sollen wir nehmen,  aber die Arbeitsplätze hergeben?»

Grundsätzlich: Wie wichtig ist der Forschungsbetrieb für Aadorf?
Agroscope ist einer der grössten Arbeitgeber in der Gemeinde. Wir haben in Aadorf grundsätzlich das Problem, dass die Bevölkerungszahl wächst, dass die Arbeitsplätze aber stagnieren oder rückläufig sind. Das ist nicht ideal. Diese Entwicklung gibt es schon länger. Der Wegzug von Agroscope wäre aber ein weiterer Schritt in eine ungünstige Richtung. Damit einhergehen würden auch Verluste bei den Steuereinnahmen.

Ist die Gemeinde beim Bund vorstellig geworden?
Nicht direkt. Wir versuchen, via unsere Kantonsräte und unsere Stände- und Nationalräte Einfluss zu nehmen, die sich sehr für unsere Sache einsetzen. Und wir sind natürlich immer mit den zuständigen Sachbearbeitern in Kontakt.

Der Thurgauer Kantonsrat wandte sich mit einem Brief an den Bundesrat. Das war also auch im Sinne von Aadorf?
Absolut. Ich finde es super, dass die Kantonsräte in dieser Sache ein bisschen Radau machen. Wir haben guten Grund, uns hier zu wehren. Den Fluglärm sollen wir nehmen, aber die Arbeitsplätze hergeben? Man merkt, dass es wieder einmal Zeit für einen Bundesrat oder eine Bundesrätin aus der Ostschweiz wäre.

()

Erstellt: 27.04.2018, 12:03 Uhr

Matthias Küng ist Aadorfer Gemeindepräsident.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!