Wiesendangen

Tagesschau und Meteo mal anders

Bewohner der Stiftung Steinegg haben unter dramatherapeutischer Anleitung ihre eigene Tagesschau geschaffen. Die Szenen sind frei erfunden, es gibt aber Vorbilder.

Mélanie Burkhalter präsentiert im Theaterstück «Tagesschau» das Wetter.

Mélanie Burkhalter präsentiert im Theaterstück «Tagesschau» das Wetter. Bild: Madeleine Schoder

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Das Team der Tagesschau mit Markus Altermatt und unterstützt von Christine Looser interviewt gerade die fünffache Olympiasiegerin Martina Surbeck. Sie ist prompt im Badeanzug im Studio eingetroffen und die zahlreichen Medaillen, die sie um den Hals gelegt hat, klimpern fröhlich. Sie spricht von sensationellen Erfolgen im Schwimmen und von den Disziplinen Stafette bis Delfin. Auch im normalen Leben schwimmt die Darstellerin gerne und wollte schon immer einmal in die Rolle einer erfolgreichen Schwimmerin schlüpfen.

«Die Protagonisten  haben ihre Figuren studiert. Und so fehlt auch bei Frau Merkel die Raute nicht.»

Johanna Künzi,
Dramatherapeutin

Aus ähnlichen Gründen hat sich Mélanie Burkhalter die Rolle als Fachfrau von Meteo Schweiz ausgesucht. Resolut mit Schal und Mütze redet sie über das Wetter, warnt vorm Ausrutschen auf der Piste und eventuellen Lawinen. Sie hat sich auf das Wetter kapriziert, weil sie die vielen brutalen Bilder der Tagesschau nicht sehen mochte. Deshalb hat sie jeweils erst kurz vor 20 Uhr den Fernseher eingeschaltet und die Wettervorhersage studiert.

Eingehende Vorbereitung

«Die Szenen in unserer Tagesschau», sagt Dramatherapeutin Johanna Künzi, «haben wir im Spiel frei erfunden.» «Tagesschau» ist das sechste Theaterstück, das sie in der Stiftung Steinegg, in der Menschen mit Behinderung leben und arbeiten, entwickelt hat. Die Kulissen und die Kostüme entstanden in den hauseigenen Werkstätten. Im Voraus haben sich alle Beteiligten eingehend mit der täglichen Tagesschau beschäftigt. Sie konnten sich Figuren aus der medialen Welt aussuchen und zu diesen Szenen erfinden. «Die Protagonisten studierten Körpersprache und Gestus ihrer Figuren», sagt Johanna Künzi, «und so fehlt auch bei Frau Merkel die typische Merkel-Raute nicht.» Das geplante Gespräch mit der deutschen Bundeskanzlerin und Herrn Schneider-Ammann muss für die besuchte Probe am Montag leider ausfallen, da der Darsteller Nico Böhmler noch krank im Bett liegt.

«Ich habe ein gutes Gefühl und alles wird gut.»

Bis zur Premiere, auf die das ganze Team hinfiebert, wird er hoffentlich wieder gesund sein. Einer seiner Texte laute schliesslich, so verrät Johanna Künzi: «Ich habe ein gutes Gefühl und alles wird gut.» Die dramatherapeutische Arbeit findet das ganze Jahr in der Steinegg statt. Insgesamt 36 Menschen mit Behinderung leben hier, sechs weitere sind in den Tagesablauf integriert. Sie sind zwischen 18 und 67 Jahre alt. Das Angebot der dramatherapeutischen Arbeit ermöglicht, auf alle möglichen Themen spielerisch zu blicken, auch auf solche, die für die hier Lebenden im Alltag eine Rolle spielen.

In den bisherigen Stücken haben die Protagonisten unter anderem Märchen erfunden, und im vorletzten Jahr ging es um Abschied, Trauer und Freude im Hinblick auf den Umzug vom alten Standort in die neuen Räume der Stiftung Steinegg. 2016 widmete sich die Gruppe der Arbeit an der eigenen Biografie. Dabei entstanden Szenen über ein angenommenes Dasein noch vor der Geburt bis hin ins hohe Alter. «Durch das Theaterspielen wird ein Raum eröffnet, in dem sich die Protagonisten entdecken und Ressourcen ausbauen können. Sie lernen Entscheidungen zu treffen, Rollen zu finden und nehmen davon jeweils etwas in ihren Alltag mit», sagt Johanna Künzi.

Weitere Überraschungen

Die Zuschauer erwartet in der «Tagesschau» weiter Aktuelles von der Burkaträgerin Cindy Plocksties, die sensationelle Entwicklung eines Rollstuhls von der ETH-Professorin Berta Brunner, der Schwerverbrecher Benjamin Müller und so manch andere Überraschung.

Programm Aufführungen:

24. März: Premiere, 18 Uhr, Benefizbasar mit Theater und Dinner, 100 Franken. 25. März: Theater mit Apéro, 19 Uhr, 25 Franken. 1. April: 15 Uhr, Kollekte.

Kontakt: 052 320 90 11. (Der Landbote)

Erstellt: 22.03.2017, 10:44 Uhr

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