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Tüftler macht Strom aus Eucalyptus

Dominic Neeser aus Rikon hat in Portugal einen Holzvergaser installiert, der aus Eucalyptus Strom und Wärme generieren kann.

Der neuartige Holzvergaser vom ZHAW-Studierenden hat für das viele in Portugal gerodete Eucaliptus-Holz Verwendung.

Der neuartige Holzvergaser vom ZHAW-Studierenden hat für das viele in Portugal gerodete Eucaliptus-Holz Verwendung. Bild: pd

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Einen Monat lang hat Dominic Neeser in Portugal eine dampfende Maschine aus Metall zusammengeschweisst. Das neuartige Gerät, das der 28-Jährige mit anderen ZHAW-Studierenden entwickelt hat, soll dort aus Eucalyptus Strom und Wärme erzeugen. Mit herkömmlichen Vergasern war das bislang nicht möglich, da das Eucalyptusholz besonders viel Wasser enthält.

Das Projekt ist vielversprechend. Denn Eucalyptus gibt es in Portugal vielerorts. Im 20. Jahrhundert wurde das schnell wachsende Holz in der Gegend zur Papierherstellung angebaut, was heute nicht mehr der Fall ist.

«Anstatt den Eukalyptus einfach zu roden, kann man ihn mithilfe eines Holzvergasers sinnvoll nutzen», lässt sich Pedro Caels in einer Mitteilung der ZHAW zitieren. Caels hat den Tösstaler Dominic Neeser beim Aufbau des Vergasers vor Ort unterstützt und ist Geschäftsführer der Stiftung Aberta Nova.

«Nach Waldbränden ist angesengtes Holz heute nutzlos. Mit dem neuartigen Holzvergaser könnte sich das ändern.» 

Die Stiftung mit Sitz in der Nähe von Lissabon betreibt in Portugal einen ökologischen Businesspark. Als sie feststellte, dass dort herkömmliche Vergaser mit Eucalyptus nicht wie erwartet funktionieren, wendete sie sich an die ZHAW School of Engineering in Winterthur.

Gernot Boiger, Dozent am Institute of Computational Physics, machte sich auf die Fehlersuche: «Wir haben im Holzvergaser einen zu hohen Druckverlust gemessen. Das Holzgas war zu heiss, aber der Reaktor zu kalt. Somit konnte er nicht effizient arbeiten.» Um den Holzvergaser zu verbessern, schrieb er mit Adrian Fassbind vom Zentrum für Produkt- und Prozessentwicklung diverse studentische Arbeiten aus.

Improvisieren beim Aufbau

Einer, der sich damals beworben hatte, war Dominic Neeser. «Ich bin sehr an Maschinen und Motoren interessiert», sagt er. Und so konnte der 28-Jährige im Rahmen seiner Projekt- und Bachelorarbeit den Wärmetauscher für den Holzvergaser berechnen und diesen dann konstruieren.

Beim Aufbau vor Ort musste der gelernte Automechaniker auch improvisieren, wie er sagt. «Es hatte keinen Werkbank, um die Metallteile gerade zu fixieren.» Mit einer Schraubzwinge und Augenmass sei das Verschweissen dann aber doch gelungen.

Wissenschaftlicher Assisstent

Mit der Bachelorarbeit ist das Projekt für den Tösstaler noch nicht abgeschlossen. Er wird sich ab September als wissenschaftlicher Assistent der ZHAW weiterhin darum kümmern und es möglichst entwickeln.

Der Vergaser soll jegliches Abfallholz in Energie umwandeln können, sagt Neeser weiter. Nach Waldbränden sei angesengtes Holz heute nutzlos. «Mit dem neuartigen Holzvergaser könnte sich das ändern.»

Um aus dem Holz Energie zu gewinnen, werde es zuerst zu Schnitzeln verarbeitet und dann in einem Behälter unter Sauerstoffmangel erhitzt. Mit dem Gas das bei diesem Prozess entsteht wird ein Motor angetrieben und schliesslich ein Generator, der die Energie in Strom umwandelt. Übrig bleibe einzig ein kleiner Rest Asche, der wieder der Natur zurückgegeben werden könne.

Weiteres Forschungspotenzial

Der neue Holzvergaser ist durch Teamarbeit entstanden. So haben Studenten der ZHAW gemäss Mitteilung etwa in Computermodell entwickelt, das Vorhersagen erlaubt, welchen Einfluss bauliche Änderungen auf den Vergasungsprozess haben werden.

Verbessert worden seien etwa auch die Holzzufuhr und die Schalterelektronik. Der Testbetrieb läuft bislang vielversprechend, dennoch bleibt laut Dozent Boiger noch Raum für Verbesserungen: «Wir schreiben weitere Projekt- und Bachelorarbeiten aus, so dass auch künftig Winterthurer Studierende am Holzvergaser in Portugal arbeiten werden.» (Der Landbote)

Erstellt: 21.08.2018, 12:02 Uhr

Dominic Neeser.

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