Schlatt

Ursache für Bakterien im Wasser bleibt unklar

Dem Trinkwasser in Unter-, Oberschlatt und Nussberg wird seit Ende Oktober Chlor beigefügt, weil es bakteriell verunreinigt ist. Wieso, wissen weder Gemeinde noch Fachleute. An der Gemeindeversammlung stellte eine Stimmbürgerin mehrere Fragen dazu.

Das Schlatter Wasser ist verunreinigt. Warum, weiss niemand. Nun sollen UV-Anlagen das beigemischte Chlor ersetzen.

Das Schlatter Wasser ist verunreinigt. Warum, weiss niemand. Nun sollen UV-Anlagen das beigemischte Chlor ersetzen. Bild: Urs Baumann

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Chlor im Trinkwasser, so wie es man es sonst nur aus grösseren Städten im Ausland kennt, müssen die Bewohnern der Gebiete Unterschlatt, Oberschlatt und Nussberg seit Ende Oktober trinken. Eine Schutzmassnahme, um Bakterien abzutöten, nachdem das kantonale Labor solche bei einer Messung entdeckt hatte. Um welche Bakterien es sich dabei genau handelt, war weder beim Kanton noch bei der Gemeinde in Erfahrung zu bringen.

Das verunreinigte Trinkwasser gab auch an der Gemeindeversammlung vom Donnerstagabend zu reden: Eine Stimmbürgerin hatte im Vorfeld eine Anfrage nach Paragraf 17 des Gemeindegesetzes an den Gemeinderat gerichtet. Sie war verunsichert, weil bereits 2018 die Werte in einer Quelle überschritten wurden. Jene Quelle war allerdings nicht am Trinkwassernetz angeschlossen.

 «Weder die involvierten noch die beauftragten Fachleute konnten die Ursache bestimmen»Urs Schäfer, Gemeindepräsident

Die grosse Frage, woher die jetzige Verschmutzung stammt, konnte jedoch nicht beantwortet werden. «Die Suche danach ist äusserst erschwert», sagte Gemeindepräsident Urs Schäfer vor 41 anwesenden Stimmberechtigten. Dies, weil der Höchstwert nur äusserst gering überschritten werde und die Verschmutzung zeitlich und örtlich unterschiedlich und nur in vereinzelten Proben auftrete. «Weder die involvierten noch die beauftragten Fachleute konnten die Ursache bestimmen», sagt Schäfer. Erhaltene Hinweise seien, soweit möglich, überprüft worden. Nun sollen in den Quellpumpwerken UV-Anlagen installiert werden. Diese sollen die im Trinkwasser vorhandenen Bakterien abtöten, eine gängige Massnahme. «Danach wird die momentane Chlorierung aufgehoben», sagte Schäfer. Ende Januar soll es soweit sein.

«Nicht aussergewöhnlich»

Gemäss Kantonschemiker Martin Brunner vom kantonalen Labor ist es nicht aussergewöhnlich, dass die Ursache für eine Verunreinigung des Trinkwassers teilweise unklar bleibt: «Vielfach ist es so, dass die Ursache nicht mehr da ist und deshalb nicht mehr festgestellt werden kann.» So könnte gemäss Brunner auch ein Fuchs im Bereich der Schutzzone oder ein Starkregen die Verunreinigung verursacht haben.Wichtiger sei es, Massnahmen zu treffen, damit eine solche Verunreinigung nicht gleich wieder passiere. «Etwa durch vermehrte Kontrollen oder eben den Einbau einer UV-Anlage.»

Im Anschluss an die Anfrage gab es an der Versammlung eine kurze Diskussion. Jemand vermutete, dass der Einbau von Schlacke in die Strassen vor Jahrzehnten die Ursache für die Verschmutzung sein könnte. Gemeinderat Karl Müller erwiderte, dass in den verschiedenen Schutzzonen um die Quellen keine Schlacke eingebaut worden sei. «Wir hatten auch die Bewilligung des Kantons dazu, er bedankte sich sogar dafür, dass wir die Schlacke in diesen Strassen entsorgen.»

Eine zweite Anfrage handelte vom kommunalen Schutzinventar. Seit 1975 müssen Gemeinden ein solches erarbeiten. Schlatt hat noch keines. «Aktuell befasst sich der Gemeinderat mit der Zielsetzung», sagte Schäfer. Bereits seien verschiedene Offerten bei Fachfirmen eingeholt worden. In den nächsten ein bis zwei Jahren soll es in Kraft treten. Derweil ist die Revision der Bau- und Zonenordnung noch beim Kanton hängig, wo es vorgeprüft wird.

Gratis in den Zoo

Erfreulicher sieht die Situation bei den anderen flüssigen Mitteln aus, dem Geld. Die Gemeinde konnte an der Versammlung ihren Steuerfuss um drei Prozentpunkte senken. In Schlatt sind das rund 33000 Franken, die dadurch fehlen. Somit beträgt der Gesamtsteuerfuss in der 765-Seelen-Gemeinde im nächsten Jahr noch 125 Prozent.

Es ist das Ergebnis eines Sparprogramms: Seit 2016 konnte Schlatt rund 520'000 Franken an Schulden zurückbezahlen, 2019 rechnet die Gemeinde mit weiteren 350'000 Franken. Per 2020 wäre die Gemeinde dann noch mit rund 2,5 Millionen Franken verschuldet.

«Das Sparprogramm könnte langfristig eine weitere Senkung des Steuerfusses möglich machen»Urs Schäfer

Der eingeschlagene Weg soll beibehalten werden: Fürs nächste Jahr ist ein Plus von rund 90'000 Franken vorgesehen, laut Finanzplan soll in den Jahren 2021 bis 2023 eine weitere halbe Million Franken Ertragsüberschuss resultieren. «Was langfristig eine weitere Senkung des Steuerfusses möglich machen könnte», sagte Schäfer. Vorausgesetzt, es gäbe keine aussergewöhnlichen Kostentreiber.

Als «kleines Dankeschön für das Mittragen des Sparprogramms» hat der Gemeinderat beschlossen, ab nächstem Jahr den Einwohnerinnen und Einwohnern gratis Zugang zum Zoo Zürich zu gewähren. Der Jubiläumsbeitrag der Zürcher Kantonalbank wird dazu verwendet. «Wir wollen die Jahreskarten aber auch in den darauffolgenden Jahren beibehalten», sagte Schäfer.

Lebendiges Schlatt

Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Schlatt konnte an ihrer letzten Versammlung vor der Fusion mit Elgg und Elsau zur Kirchgemeinde Eulachtal 31 Stimmberechtigte begrüssen. Sämtliche Traktanden wurden angenommen, der Steuerfuss bleibt bei 14 Prozent. Die Schlatter Gemeinde zählt aktuell 424 Mitglieder, in der neuen Gemeinde sind es rund 4600. Um zu wissen, welche Angebote zu einem lebendigen Schlatt gehören, veranstaltet die Kirche eine Dialogveranstaltung am 14. Januar.

Erstellt: 13.12.2019, 16:55 Uhr

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