Turbenthal

Ein weiterer Rückschlag für das Schlossguet

Die Gemeindeversammlung hat am Montagabend einen Kredit, um ein Vorprojekt für das Schlossguet auszuarbeiten, aus dem Budget gestrichen. Ein Stimmbürger, der im Immobilienbereich tätig ist, hatte zuvor einen möglichen Investor ins Spiel gebracht.

Das Schlossguet an der St. Gallerstrasse. Auf der linken Seite befindet sich eine sanierungsbedürftige Wohnung, rechts der Scheunenteil.

Das Schlossguet an der St. Gallerstrasse. Auf der linken Seite befindet sich eine sanierungsbedürftige Wohnung, rechts der Scheunenteil. Bild: Madeleine Schoder

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Es war die knappste Abstimmung des Abends: Mit 76 zu 51 Stimmen strichen die 141 anwesenden Stimmberechtigten am Montagabend in Turbenthal den Projektierungskredit für das Schlossguet aus dem Budget 2020. Den entsprechenden Antrag zur Streichung der 50000 Franken hatte die Rechnungsprüfungskommission (RPK) im Vorfeld gestellt. An der Versammlung sagte deren Präsident Roland Kessler: «In den letzten Jahren haben wir rund 150000 Franken an Projektierungskrediten verbraucht, wahnsinnig viel haben wir bis heute damit nicht erreicht.» Die RPK sah «keine Dringlichkeit» in einem erneuten Kredit von 50000 Franken. Auch aufgrund möglicher Investitionen bei den Schulen angesichts der stetig wachsenden Schülerzahlen. «Wir sind der Meinung, abzuwarten und wenn man die glorreiche Idee hat, kann man weiterschauen.»

«Braucht mehr Planung»

Gemeindepräsident Georg Brunner (FDP) plädierte für den Kredit. «Es braucht noch ein bisschen mehr Planung.» Entweder finde man zusammen mit der Denkmalpflege eine Nutzung für den Scheunenteil oder man plane ein Projekt für eine Konsolidierung, sprich eine Sanierung der Wohnung und den dringendsten Unterhalt an der Scheune. Brunner formulierte das Ziel, bis an der Budgetversammlung in einem Jahr eines der beiden Projekte vorstellen zu können. «Es ist definitiv der letzte Projektierungskredit, das kann ich Ihnen versichern», sagte Brunner.

In der anschliessenden Diskussion zum Budget 2020 war das Schlossguet nicht das Thema mit den meisten Wortmeldungen. Einige Unschlüssige könnten aber durch die Aussage eines Stimmbürgers, der im Immobilienbereich arbeitet, beeinflusst worden sein: Er war gegen den Projektierungskredit, weil man weder wisse, wie es genutzt, noch wie es finanziert werden soll. Er forderte den Gemeinderat auf, einen Verkauf zu prüfen.«Die Meinung der Stimmberechtigten seit der letzten Abstimmung könnte sich geändert haben.» Zuletzt war 2007 über einen Verkauf abgestimmt worden. «Umso mehr, weil ich weiss, dass es einen Investor gibt, der das Schlossguet der Gemeinde abkaufen würde.» Der Stimmbürger sprach von einem «guten Angebot», das den Schaden begrenzen würde, ohne einen Preis zu nennen.

«In den letzten Jahren haben wir rund 150000 Franken an Projektierungskrediten verbraucht, wahnsinnig viel haben wir bis heute damit nicht erreicht.»Roland Kessler,
Präsident RPK

Brunner hielt eine Abstimmung über einen Verkauf in einem Jahr, nach der Planung, für eine mögliche Variante. Wohl verbunden mit der Hoffnung, so den Projektierungskredit durchzubringen, was kurz darauf aber scheiterte.

Nach der Versammlung sagte Liegenschaftsvorsteherin Katharina Fenner (FDP) auf Anfrage, dass nun der Gemeinderat über die Zukunft der Projektgruppe entscheiden müsse. Laut früheren Aussagen Fenners reicht das Geld der Projektgruppe noch etwa bis Mitte März.

Dass sich ein Investor bei Brunner gemeldet hatte, bestätigte der Gemeindepräsident gestern auf Nachfrage. Um sogleich anzufügen: «Der Verkauf des Schlossguets ist bisher kein Thema.» Wie es weitergehen soll, will der Gemeinderat an einer Versammlung im nächsten Jahr mitteilen.

Käme es doch zu einem Verkauf, hätte der Kanton noch ein Wörtchen mitzureden: Dieser steuerte beim Kauf 1990 die Hälfte der 1,2 Millionen Franken bei.

Restliche Anträge abgelehnt

Die restlichen Streichungsanträge der RPK (Schnellladestation für E-Autos) und aus der Versammlung (digitale Eingangstafel) wurden von der Versammlung der Politischen Gemeinde deutlich, mit je rund 70 Prozent, abgelehnt. Ebenso der Antrag, eine Fotovoltaikanlage auf dem Schulhaus Hohmatt (100000 Franken) zu streichen. Die Versammlung der Primarschulgemeinde beliess diese Investion im Budget. Insgesamt bleibt der Steuerfuss bei 122 Prozent, die Politische Gemeinde hat jedoch zwei Steuerprozente mit der Primarschulgemeinde abgetauscht.

Nur in den Weilern Tablat, Steinenbach und Pirg, die zur Sekundarschulgemeinde Wila gehören, könnten die Steuern am Donnerstag noch steigen: Die Wilemer Schulpflege hat beantragt, den Steuerfuss um drei Prozentpunkte zu erhöhen.

Klarer Meinungsumschwung beim zweiten Versuch
Im Juni lehnte die Versammlung den Verkauf von rund tausend Quadratmeter Bauland im Dorfzentrum noch relativ klar ab, nur gut jeder fünfte Turbenthaler stimmte damals dafür. Am Montagabend nun der zweite Versuch, mit einem ganz anderen Ergebnis: 111 der 141 anwesenden Stimmberechtigten sagten Ja zum Verkauf an die Boller Winkler AG, die auf den nun insgesamt 4700 Quadratmetern hinter der Tösstalstrasse eine Überbauung für 25 bis 30 Wohnungen vorsieht. Der deutliche Meinungsumschwung innert sechs Monaten ist simpel zu erklären: Statt 527000 bot die Boller Winkler AG nun 579000 Franken, was dem Wert einer Schätzung der Zürcher Kantonalbank entspricht. (gab)

Erstellt: 03.12.2019, 17:35 Uhr

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