Elsau

Von der Stör zur eigenen Messer-Manufaktur

Hanspeter Scheuble wechselte von seinem Bankjob in die Selbständigkeit als fahrender Messer- und Scherenschleifer. Inzwischen in Elsau-Rümikon gelandet, fertigt er in seiner Manufaktur Messer in Handarbeit.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Jahrelang arbeitete Hanspeter Scheuble bei einer Grossbank, doch irgendwann ging nichts mehr: «Ich war unzufrieden und frustriert, es belastete mich und die Familie», erzählt er. «Da wurde mir klar, dass ich etwas ändern musste.»

Das Angebot, als Messer- und Scherenschleifer auf die Stör zu gehen, war für ihn die Chance, um «mit vertretbarem Aufwand» selbständig zu werden.

«Als Banker war ich unzufrieden und frustriert, es belastete mich und die Familie»

Zudem hatte er ja einst den Beruf des Huf- und Fahrzeugschmids erlernt. Zu Messern hingegen hat er eine recht nüchterne Beziehung: Es ist eher ihr Gebrauchswert, der ihn fasziniert. «Messer sind Dinge, die anderen einen guten Dienst erweisen», sagt er. «Es ist wie früher, wenn ich als Schmied Pickel oder Spitzeisen herstellte: Ich mache etwas Praktisches, etwas zum Brauchen.»

Von der Stör zur Manufaktur

Zehn Jahre lang war er – unterstützt von seiner Frau Pia – als Störschleifer in der Region unterwegs. «Mein Verdienst war zwar geringer, aber ich war zufrieden», sagt er. Und das, obwohl es kein Honiglecken war: «Den sechs Tonnen schweren Anhänger an den wechselnden Plätzen aufzustellen und einzurichten, das war jeweils Knochenarbeit», erzählt sie.

«Ich mache etwas Praktisches, etwas zum Brauchen. »

«Zuvor mussten wir einen Standort suchen, mit den Grundeigentümern Kontakt aufnehmen, bei der Gemeinde Bewilligungen einholen, Plakate aufhängen.» All das gestaltete sich mit den Jahren immer schwieriger: «Gute Plätze verschwanden, neue bürokratische Hürden kamen hinzu», sagt Scheuble, «es wurde immer mühsamer.»

Vor rund fünf Jahren haben die Scheubles die Stör aufgegeben und ihr früheres «Basislager» in Elsau-Rümikon zum Manufaktur-Laden umgestaltet: Im Eingangsbereich gibt es einen kleinen Shop mit Messern, Scheren und anderen Schneidegeräten. Ausserdem werden Jagdutensilien angeboten, denn Hanspeter Scheuble ist Jäger und Jagdaufseher – seine Niederlauf-Jagdhündin Emma fungiert hier als «Empfangsdame».

Messer nach Mass

Neben den modernen Bandschleifmaschinen in der grossen Werkstatt gibt es in einer Ecke auch eine «Schmitte» mit Esse und Amboss. Daneben stehen zwei imposante alte Maschinen – eine Spindelpresse und ein Lufthammer. Sie dienen zum Schmieden der Jagd-, Freizeit-, Klapp- oder Steakmesser aus «normalem» oder aus Damaszenerstahl – bei diesem Verfahren werden mehrere Stahlsorten zusammengeschmiedet und dabei immer wieder gefaltet, was ein schönes, «damastartiges» Oberflächenbild ergibt.

«Wir wollen höchste Ansprüche schnell und effizient befriedigen.»Source

Hanspeter Scheuble fertigt auch Messer nach Kundenwünschen. Doch diese sind nicht ganz billig, denn es steckt viel Arbeit dahinter: Gemeinsam mit dem Kunden werden zunächst Material, Form und Grösse von Klinge und Griff bestimmt und aufgezeichnet. Davon wird ein Holz- oder Kartonmodell oder ein einfacher Prototyp angefertigt.

Erst wenn alles stimmt, beginnt der handwerkliche Prozess. Allein das Schmieden des Messer-Rohlings beansprucht einen Tag, weitere ein bis zwei Arbeitstage werden für die Anfertigung des Hefts (Griffs) sowie für das Finish benötigt.

Farbenfrohes Gewerbe

«Das Schleifen ist aber nach wie vor unser Hauptgeschäft», sagt Scheuble. Vom Sackhegel bis zur Gartenschere, vom Brotmesser bis zum Sonntagsbesteck wird hier alles geschärft und die verschiedenen Maschinen und Schleifmittel dienen dazu, «differenziert und materialgerecht zu arbeiten, um höchste Ansprüche schnell und effizient zu befriedigen», wie der Messer-Fachmann erklärt.

Dazu dienen also die vielen bunten Schleifbänder, die an einem Gestell hängen und in der Werkstatt einen dekorativen Mittelpunkt bilden.

Ein guter Service ist den Scheubles wichtig: Die Messer von Köchen und Gastrobetrieben werden abgeholt und sie erhalten Ersatzwerkzeuge. Private Laufkundschaft ist aber ebenso willkommen: «Bei uns stört der Kunde das Betriebsklima nicht», sagen die beiden lachend.

Es empfehle sich jedoch eine vorherige telefonische Anmeldung – wegen der Liefer-Abwesenheiten, des Maschinenlärms und vielleicht auch wegen Emma.

Scharfe Tage in Trüllikon Am Montag und Dienstag, 12./13. Februar, können im Volg-Laden Trüllikon stumpfe Messer, Scheren und Werkzeuge zum Schleifen durch Hanspeter Scheuble abgegeben werden.

(Der Landbote)

Erstellt: 09.02.2018, 12:45 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.