Illnau-Effretikon

Wände, die Strom produzieren

Dank einer Sanierung ist ein Hochhaus in Effretikon nicht nur besser gedämmt, es produziert jetzt selbst Strom. 350 Solarmodule sind an der Hausfassade angebracht.

In den Brüstungen unter den langgezogenen Fensterbändern sind die Solarpanels am Hochaus montiert.

In den Brüstungen unter den langgezogenen Fensterbändern sind die Solarpanels am Hochaus montiert. Bild: PD

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Normalerweise werden Solaranlagen auf Hausdächern montiert, doch in Effretikon steht ein Hochhaus, das nun Solarmodule an den Seitenwänden hat. «Während des Winters scheint die Sonne viel effizienter an die Fassade, weil sie dann tiefer steht», sagt Franz Schnider von der Arento AG. Der Geschäftsführer und seine «Mannschaft», wie er seine Mitarbeiter bezeichnet, haben im Auftrag von Swisscanto Invest, welche die Liegenschaft für die Pensionskasse der Zürcher Kantonalbank verwaltet, das 13-stöckige Gebäude in Effretikon renoviert.

Solaranlage an den Fassaden

Das Hochhaus wurde im Jahr 1968 erbaut und 1982 erstmals renoviert. Weil das Haus pro Jahr rund 350000 Kilowattstunden Energie zum Heizen verbrauchte, wollten die Eigentümer die Dämmung erneuern. Die Arento AG aus Hinwil erhielt den Zuschlag und machte den Vorschlag, nicht nur eine neue Dämmung, sondern im gleichen Zug eine Solaranlage einzubauen. So haben sie insgesamt 350 Module an den Brüstungen der Fensterbänder befestigt.

Das Hochhaus sei für eine Solaranlage an den Seitenwänden ideal gelegen: «Wegen der Ausrichtung konnten wir an drei Seiten Panels anbringen», sagt Schnider. So sind die Süd-, Ost- und Westseite des Gebäudes mit Modulen ausgestattet. «Dadurch ermöglichen wir eine Stromproduktion über den ganzen Tag.» Im Jahr produziert das Hochhaus rund 53000 Kilowattstunden Strom. Diese Angaben hat die Arento AG mit Hilfe eines 3D-Modell und einer speziellen Software simuliert.

Der Strom bleibt der gleiche

Damit kann sich das Hochhaus jedoch nicht rundum selbst versorgen. Der Solarstrom wird ins Netz des Elektrizitätswerks Zürich geleitet und die Pensionskasse der Zürcher Kantonalbank erhält dafür eine Gutschrift. Die Bewohner des Hochhauses beziehen ihren Strom wie gewohnt. Neben den Solarpanels hat die Arento AG auch eine neue Wärmedämmung aus Mineralwolle eingebaut. Dadurch ist der Heizbedarf des Hauses um 60 Prozent gesunken.

«Wir müssen noch viele Kameraden finden, die sich mit uns für eine bessere
Energiezukunft engagieren.»
Franz Schnider, Geschäftsführer der Arento AG

Für die Arento AG war dieses Projekt nicht das erste mit «grünem» Gedankengut. «Wir sind spezialisiert auf umweltfreundliche Lösungen», sagt der Geschäftsführer. In Wetzikon hat die Firma beispielsweise ein Solarhaus gebaut, das sogar mehr Strom produziert, als von den Verbrauchern jährlich genutzt wird. Weitere solche Projekte seien bereits geplant. «Wir haben auch eine Anfrage für eine Solaranlage an einem grossen Getreidesilo», sagt Schnider. An einer solch hohen Fassade könne man viele Quadratmeter Solarmodule anbringen.

«Würden wir alle Hochhäuser der Schweiz mit Solaranlagen ausrüsten, hätten wir einen grossen Teil zur Energiewende beigetragen»Franz Schnider, Geschäftsführer der Arento AG

Die Panels in Effretikon kommen auf insgesamt 470 Quadratmeter Fläche. Zwar hätten die Solarmodule jetzt zusätzliche Ausgaben für die Pensionskasse ZKB bedeutet, doch nach den Berechnungen der Arento AG seien diese in 19 Jahren Geschichte. «Dann wird die Anlage Gewinn abwerfen», sagt Schnider. Wenn man die vom Hersteller prognostizierte Lebensdauer der Anlage von 50 Jahren einberechne, lohne sich der Aufwand alleweil.

«Würden wir alle Hochhäuser der Schweiz mit Solaranlagen ausrüsten, hätten wir einen grossen Teil zur Energiewende beigetragen», sagt Schnider. Für ihn sei es wichtig, ein Vorbild zu sein und so auch andere Firmen zu inspirieren: «Alleine kommen wir nicht weit. Wir müssen noch viele Kameraden finden, die sich mit uns für eine bessere Energiezukunft engagieren.»

Erstellt: 20.05.2019, 17:36 Uhr

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