Elgg

Warum Wirte im Löwen scheitern

Weshalb gibt es so viele Pächterwechsel im Restaurant Löwen? Eine Spurensuche zwischen Gerüchten, Vermutungen und Vorwürfen in einer harten Branche. 

Stattlich und in Elgg gut gelegen, trotzdem macht das Restaurant Löwen harte Zeiten durch.

Stattlich und in Elgg gut gelegen, trotzdem macht das Restaurant Löwen harte Zeiten durch. Bild: Johanna Bossart

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Drei Wirte innert zweier Jahre haben das Handtuch im Löwen Elgg geworfen. Der stattliche Gasthof im Dorfkern, der einst zu den Gütern der Reiterfamilie Weier gehörte, war schon lange nicht mehr stabil verpachtet. Nachdem Gian Carlo De Plano 2017 noch einen neuen Pizzaofen einbauen liess, übernahm im Herbst des gleichen Jahres bereits Kemal Özdengiz. Ihm nützte auch die Unterstützung von TV-Koch Daniel Bumann nichts, im Sommer 2018 verliess er das Restaurant in Elgg. Der neue und bislang letzte Pächter hiess Gazmend Sylaj. Er hatte unter Özdengiz bereits einige Monate lang die Küche geführt. Seit dem 10. September ist der Löwen nun erneut geschlossen.

Streit ums Inventar

Er habe mit dem Besitzer keinen Kompromiss finden können, sagt Sylaj. Es habe Unstimmigkeiten gegeben betreffend die Übernahme des Inventars und die Höhe der Miete. «Ich habe alles im Restaurant selbst bezahlen müssen», sagt Sylaj. Er habe viel investiert, von Hand saniert und keine Unterstützung erhalten. Zum Ende hin sei es nicht mehr aufgegangen: «Das ist schade und tut mir weh. Es hat mir gut gefallen im Löwen.» Der Streit um Geld sei noch nicht abgeschlossen.

Sylaj erzählt, er habe 70000 Franken für das Inventar bezahlt, 120000 Franken habe Besitzer Yasin Elmali verlangt. Nachdem Sylaj die Pacht übernommen hatte, wurde ihm schnell klar, dass er den Mietzins von 4300 Franken inklusive Nebenkosten nicht würde bezahlen können. Nach acht Monaten Mietrückstand erhielt er die Kündigung und verlor damit auch den bezahlten Anteil am Inventar.

Nicht immer, aber immer wieder geschlossen. Archivbild: Heinz Diener

Verwaltet wird das Restaurant über die Escoma AG, die früher einmal Landgasthof Löwen AG geheissen hat und deren Verwaltungsrat Yasin Elmali ist. Er sagt: «Gazmend Sylaj sucht die Schuld bei anderen anstatt bei sich selbst.» Man habe alles versucht, aber nachdem Sylaj monatelang die Miete nicht bezahlt habe, habe man schliesslich vorzeitig den Pachtvertrag gekündigt. Dieser sei eigentlich über fünf Jahre ausgestellt gewesen: «Wir sind ihm entgegengekommen», sagt Elmali.

Gutes Essen, wenig Kunden

Elmali sieht die Gründe für das Scheitern der Wirte in äusseren Faktoren: «Es ist schwierig in der Gastronomie. Es gibt sehr viele Restaurants, aber zu wenig Gäste und zu wenig Umsatz.» Er selbst sei nicht vor Ort in Elgg, sondern in Winterthur. Dort baut er derzeit eine neue Tankstelle mit Wohnungen und Shop an der St.-Galler-Strasse auf. «Wenn der Löwen an einer Hauptstrasse liegen würde, wäre es vielleicht auch anders», sagt Elmali. So aber müsse man für einen Besuch extra hinfahren. Es sei ein schönes Restaurant, die Einrichtung locke aber keine junge Kundschaft mehr an. Wo es bei anderen Wirten zuvor auch an den Kochkünsten gemangelt hat, bewertet Elmali Sylajs Arbeit positiv: «Gekocht hat er gut.»

«Ich trauere meiner Zeit im Löwen nach.»Angelo Meloni, 
Koch und bis 2015 
Besitzer des Restaurants Löwen

Dem pflichtet Jakob Hösli, seit 32 Jahren Wirt im Elgger Restaurant Eintracht, bei: «Sylaj war das Opfer seiner Vorgänger.» Er habe es gut gemacht, aber einen sehr schweren Stand gehabt. «Die Leute haben ja mitbekommen, dass Bumann da gewesen ist.» Am Ende habe wohl das Geld gefehlt, um die Zeit zu überbrücken, die es gebraucht hätte, um den Ruf des Löwen wieder aufzubauen. «Es ist schade um jedes Restaurant, das zugeht», sagt Hösli.

Hotel finanzierte Restaurant

Die letzte Glanzzeit des Restaurants Löwen liegt einige Jahre zurück und fand unter Wirt Angelo Meloni statt. Nach Anstellungen im Parkhotel Vitznau und im Dolder Grand Hotel Zürich kochte Meloni von 2005 bis 2015 spanische Gerichte in Elgg. «Ich war sehr gerne im Löwen, ich hatte tolle Kunden», sagt er. Er trauere dieser Zeit nach. Nach einigen Jahren der Pacht hatte Meloni damals das Restaurant gekauft und die Aktionäre ausbezahlt: «Ich wollte etwas eigenes haben.»

Im Anschluss seien aber derart viele bauliche Auflagen auf ihn als neuen Besitzer zugekommen, dass er den Betrieb finanziell nicht mehr habe stemmen können. So mussten einige Zimmer des Gasthofs wegen feuerpolizeilicher Vorgaben geschlossen bleiben: «Die Hotellerie finanzierte aber das Restaurant quer», erklärt Meloni. Anders gehe es nicht: «Da kann man sich zu Tode krüppeln und zahlt am Ende des Monats immer noch drauf.» Unter den Umständen, unter denen die letzten Wirte den Löwen geführt hätten, sei ein Betrieb eigentlich unmöglich.

Zum letzten Mal gewirtet

Den Einbau des Pizzaofens stuft Meloni ebenfalls als Fehler ein. Dafür müsse man einen professionellen Pizzaiolo anstellen, was zusätzlich koste, und die Pizzeria nehme Platz für Bankette und Familienfeste weg. «Darüber kam jeweils auch einiges an Geld herein.» Überdies gebe es genügend Pizzerien in der Umgebung, dafür müsse man nicht in den Löwen. Meloni verkaufte das Restaurant schliesslich an Yasin Elmali. Er lässt durchblicken, dass es zu Unstimmigkeiten gekommen sei, will sich aber nicht zu Details äussern.

Zuletzt hatte Meloni Ende 2018 in Bichelsee das Restaurant Landhaus wiedereröffnet, jedoch nach nur sechs Monaten wieder geschlossen: «Es ist nicht aufgegangen. Ich habe die Notbremse gezogen.» Ob es an seinem Konzept oder den Sympathien der Kundschaft gelegen habe, wisse er nicht. In der Gastronomie zu arbeiten, sei aber noch nie so hart gewesen wie heute: «Ich werde nicht mehr wirten.»

Ob und wie es nun im Restaurant Gasthof Löwen in Elgg weitergeht, ist derzeit offen. «Wir haben uns dazu noch keine Gedanken gemacht», sagt Besitzer Elmali.

Erstellt: 23.09.2019, 17:07 Uhr

Die Expertensicht

Thomas Wolf, Präsident von Gastro Winterthur, sagt: «Es gehen viele zu blauäugig in die Gastronomie.» Bevor man Verträge unterschreibe, sei es lohnenswert, sich bei Verbänden beraten zu lassen. Das sei eine kleine Investition zu Beginn, die sich langfristig aber auszahlen könne. So schätze man etwa den Wert des Inventars zu Beginn einer Pacht gemeinsam und vereinbare dann einen Preis. Bei der Rückgabe werde erneut abgerechnet. Wie für Wohnungen gilt: Kaputtes wird bezahlt, normale Abnutzung übernimmt der Vermieter. Es komme immer wieder vor, dass solche Übernahmen nicht seriös durchgeführt würden: «Das hören wir oft», sagt Wolf. Am Ende gelte aber der unterzeichnete Vertrag. «Und wer die Miete nicht bezahlen kann, hat in den Verhandlungen sowieso die kurzen Hosen an.» Auch deshalb wünsche sich Gastro Winterthur obligatorische Kurse für Wirtinnen und Wirte zurück. (nid)

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