Region

Wasser wird langsam Mangelware

Wegen der aktuellen Trockenheit verbietet der Kanton Thurgau seit heute die Wasserentnahme aus Bächen, Flüssen und Weihern. Der Kanton Zürich stuft die Situation hingegen nicht als ungewöhnlich ein. In Pfungen wird gespart.

Im Dorfbrunnen bei der Gemeindeverwaltung in Pfungen fliesst das Wasser noch, voll ist er aber nicht.

Im Dorfbrunnen bei der Gemeindeverwaltung in Pfungen fliesst das Wasser noch, voll ist er aber nicht. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit den Hitzesommern 2003 und 2015 lässt sich die aktuelle Trockenheitsperiode zwar nicht vergleichen. Doch nach der Entspannung in der letzten Woche hat die Trockenheit schweizweit inzwischen wieder zugenommen.

Auf der Informationsplattform www.trockenheit.ch heisst es dazu: «Die Böden und Wälder sind stark ausgetrocknet. Dazu tragen nicht nur der fehlende Niederschlag, sondern auch der anhaltende Wind und warme Temperaturen bei.»

Viele Fliessgewässer würden deshalb im Vergleich zu anderen Jahren sehr niedrige Abflüsse aufweisen, wird weiter auf der Plattform mitgeteilt, die von der Eidg. Forschungsanstalt WSL mit Unterstützung der Bundesämter für Umwelt (Bafu) und Meteorologie (Meteo Schweiz) entwickelt wurde.

Ende Mai seien die Grundwasserstände vielerorts noch auf normalem Niveau gewesen, inzwischen würden die aktuellen Messungen des Bafu aber auf eine abnehmende Tendenz hinweisen. «Die Pegel der Seen in der Zentral- und der Ostschweiz sind tief», lautet das Resümee auf www.trockenheit.ch.

Thurgau zieht Konsequenzen

Der Kanton Thurgau geht deshalb in die Offensive. Das kantonale Departement für Bau und Umwelt hat wegen der Verschärfung des Wasserdefizits entschieden, ab heute bis auf Widerruf ein Wasserentnahmeverbot zu verhängen.

«Regen ist seit drei Monaten Mangelware»

Dieses gilt für Oberflächengewässer und betrifft vor ­allem die Landwirtschaft. Vom Verbot ausgenommen sind der Bodensee, der Rhein sowie das Grund- und das Quellwasser.

«Regen ist im Kanton Thurgau seit drei Monaten Mangelware», klagt Marco Baumann, Leiter Abteilung Wasserbau und Hydrometrie im Amt für Umwelt des Kantons Thurgau. Selbst der Wasserstand des Bodensees liege 60 Zentimeter unter der Norm und auch andere Seen und Weiher hätten tiefe Wasserstände.

Zürich sieht kein Problem

Anders tönt es auf der Baudirektion des Kantons Zürich: «Die Trockenheit ist bei uns momentan kein besonderes Thema», sagt Dominik Bonderer, der die Kommunikation leitet. Dass es trocken sei, stelle man natürlich schon auch fest. «Unsere Fachleute haben die Situation im Auge, doch momentan schätzen sie die Trockenheit für diese Jahreszeit als nicht aussergewöhnlich ein.»

Dass kürzlich in der Töss zwischen Fischen­thal und Turbenthal wegen des tiefen Wasser­pegels Fische, Krebse und andere Wassertiere abgefischt werden mussten, um sie dann unterhalb von Turbenthal wieder auszusetzen, erachte man nicht als prekäres Anzeichen. «Am Oberlauf der Töss wird im Sommer häufig ab­gefischt», sagt Bonderer. «Langjährige Messungen zeigen, dass die Töss heute nicht öfter austrocknet als früher.»

«Die Trinkwasserversorgung im Kanton Zürich ist sichergestellt»

Um das Trinkwasser muss man sich indessen weder im Kanton Thurgau noch im Kanton Zürich sorgen. «Die Trinkwasserversorgung im Kanton Zürich ist sichergestellt», versichert Bonderer.

Während viele Gemeinden in der Region den Stand des Grundwassers laufend überprüfen, um bei Bedarf reagieren zu können, haben Neftenbach und Pfungen aus Sparsamkeitsgründen bereits Massnahmen beschlossen.

So wurden in Neftenbach im Zuge der Wasserknappheit und im Rahmen des generellen Wassersparens die drei Brunnen abgestellt, welche am Leitungsnetz angeschlossen sind. In Pfungen wurde ein Brunnen abgestellt und die Einlaufmengen bei zwei weiteren Brunnen reduziert.

Dies tue man nicht wegen Wasserknappheit, sondern aus Gründen der Sparsamkeit, sagt Brunnenmeister Hanspeter Hoffmann. Denn seit dem 19. Juni bezieht Pfungen, das auch für die Wasserversorgung von Dättlikon zuständig ist, täglich zwischen 100 000 und 380 000 Liter Wasser von der Stadt Winterthur.

Um Kosten zu sparen, werden die ­Bewohner Pfungens deshalb im Mitteilungsblatt ersucht, den täglichen Wasserverbrauch zu reduzieren, will heissen: zu duschen statt zu baden, Gärten und Rasen nur in den Abendstunden zu bewässern und auf das Autowaschen gänzlich zu verzichten. (Der Landbote)

Erstellt: 13.07.2018, 10:13 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben