Elgg

Wenn Widerstand zwecklos ist

Ob Poststelle oder Pumpwerk, die Elgger waren mit Entscheiden konfrontiert, auf die sie wenig Einfluss haben. Streng hingeschaut haben die Rechnungsprüfer.

Das alte «Pumphüsli» wird bald abgerissen. Das neue kommt 150 Meter weiter südlich zu stehen.

Das alte «Pumphüsli» wird bald abgerissen. Das neue kommt 150 Meter weiter südlich zu stehen. Bild: Marc Dahinden

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«Gibt es einen Plan B?», wollte ein Anwesender an der Elgger Gemeindeversammlung wissen, als es um den Neubau des Grundwasserpumpwerks ging. 1,9 Millionen Franken soll dieser kosten – ein «stattlicher Betrag», wie die Rechnungsprüfungskommission (RPK) festhielt. Nein, einen Plan B gab es nicht. «Ich bin seit 12 Jahren im Gemeinderat und dieses Pumpwerk hat mich durch alle drei Legislaturen begleitet», antwortete Werkvorsteherin Barbara Fehr-Hadorn.

Zwischendurch habe sie sich überlegt, ob man das Thema nicht fallen lassen könnte. «Der Kanton kann uns doch nicht einfach das Wasser abdrehen.» Doch ihr sei klar, dass man einen rechtmässigen Zustand herstellen müsse. Denn das Pumpwerk Ritschberg steht zu nahe an der St. Gallerstrasse. Seit seiner Erstellung weitete der Bund die Grundwasserschutzzonen aus.

Nach diesen Regeln dürfte die Anlage nicht mehr dort gebaut werden, wo sie heute steht. Läuft die Konzession 2019 aus, wird sie nicht erneuert. Elgg war deshalb gezwungen, einen neuen Standort zu suchen. Diesen fand man nach diversen Abklärungen 150 Meter weiter südlich, die Pumpröhre wird 25 Meter tief in denselben Grundwasserstrom wie heute reichen.

Keine Chance gegen den Bund

«Aber was kann denn passieren, wenn wir nicht bauen?», liess der Fragesteller nicht locker. «Dann gäbe es wahrscheinlich einen Rechtsstreit mit dem Bund und wir würden verlieren», antwortete Fehr-Hadorn. Michael Wanner, Präsident der RPK, liess keinen Raum für Zweifel: «Der Gemeinderat müsste das Geld als gebundene Ausgabe ausgeben. Es geht nicht anders.»

«Das haben wir letztes Jahr schon gesagt, aber man hielt es offenbar nicht für nötig, etwas zu ändern.» 


Seine Befürchtung ging in eine andere Richtung: Kredite ab 2 Millionen Franken muss der Gemeinderat an die Urne bringen. Das Pumpwerk für 1,9 Millionen liegt nur knapp unter der Grenze, vor der noch die Gemeindeversammlung entscheiden kann. «Frau Fehr-Hadorn hat mir gesagt, sie sei ganz, ganz sicher, dass sie das Budget einhalten könne.» Die 51 Anwesenden stimmten dem Antrag schliessliche ohne Gegenstimme zu.

Die Jahresrechnungen der Politischen Gemeinde und der Schulen schlossen zwar alle deutlich im Plus ab, aber Wanner schaute wie immer genau hin. So kritisierte er bei der Politischen Gemeinde die Ausgaben beim Zivilschutz: «Das haben wir letztes Jahr schon gesagt, aber man hielt es offenbar nicht für nötig, etwas zu ändern.»

Die budgetierten 30 000 Franken wurden um 20 000 Franken überschritten. Man schaffte zwei neue Fahrzeuge an. Gemeindepräsident Christoph Ziegler pflichtete Wanners Kritik bei: «Wir haben auch die Stirn gerunzelt.» Aber es handle sich um einen Zweckverband und im Vergleich zu Winterthur sei er sehr günstig.

«Machen wir uns nichts vor»

Nach der Präsentation der Primarschulrechnung bemängelte Wanner: «Die Kommunikation muss sich verbessern.» Er habe die Erklärung, weshalb die Heizkosten gestiegen seien, hier zum ersten Mal gehört. Der Grund war die Umstellung auf Fernwärme, die mit gut 30 000 Franken mehr zu Buche schlug. Auf die Abnahme der Rechnungen hatte die Kritik aber keinen Einfluss. Die Versammlung genehmigte alle ohne Gegenstimmen.

Gemeindepräsident Ziegler äusserte sich am Schluss zur drohenden Schliessung der Elgger Poststelle. Er konnte nicht mit viel Hoffnung aufwarten: «Machen wir uns nichts vor, sie geht wahrscheinlich zu.» Dennoch lasse man nichts unversucht, er habe Regierungsrätin Carmen Walker-Späh geschrieben und eine unterstützende Antwort bekommen. Auch mit dem Präsidenten der Postkommission habe er gesprochen.

Dieser habe ihm aber gesagt, dass sehr wenige Rekurse gegen Poststellenschliessungen gutgeheissen würden. Die Nähe zu Aadorf wird Elgg wahrscheinlich zum Verhängnis. «Wir wollen aber auf jeden Fall eine gute Ersatzlösung.»

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Erstellt: 23.06.2017, 17:14 Uhr

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