Gachnang

Wer wird der nächste Präsident?

Am Montagabend strömten rund 300 Personen in die Gachnanger Mehrzweckhalle. Sie alle wollten sich ein Bild der Kandidaten für das Präsidium und den Gemeinderat machen.

Die Präsidiumskandidaten Martin Schwager, Dieter Brunschweiler und Roger Jung (v.l.n.r.) auf der Bühne der Gachnanger Mehrzweckhalle.

Die Präsidiumskandidaten Martin Schwager, Dieter Brunschweiler und Roger Jung (v.l.n.r.) auf der Bühne der Gachnanger Mehrzweckhalle. Bild: Enzo Lopardo

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Nach einer knapp einstündigen, harmonischen Diskussion zwischen den drei Kandidaten fürs Gachnanger Gemeindepräsidium sagt die Neftenbacher Moderatorin und Personalberaterin Bettina Goulon: «Sie sagen es uns dann, wenn Sie das Amt zu dritt im Jobsharing erledigen wollen.» Die rund 300 Personen in der Mehrzweckhalle lachen.

Unterschiedliche Erfahrungen

Natürlich wäre das wohl das perfekte Paket. Denn die drei Kandidaten bringen unterschiedliche Erfahrungen mit. Doch die Gachnanger müssen sich bei den Wahlen vom 23. September entscheiden. Soll es etwa Dieter Brunsch­weiler werden? Ein 46-jähriger Unternehmer, der durch seine Arbeit in der Kultur-, der Baukommission und dem Ortsverein gut vernetzt ist. Oder Roger Jung? Der zweite Kandidat arbeitet als Gemeindeschreiber in Rickenbach. Der 44-Jährige bringt viel Erfahrung mit, wie man eine Verwaltung führt. Oder doch den dritten Kandidaten, Martin Schwager? Als Mitglied der EVP der einzige Nichtparteilose. Der 58-Jährige wohnt seit Mai in der Gemeinde und war zuvor zehn Jahre lang Gemeindepräsident in Unterstammheim.

Verschiedene Prioritäten

Knapp zwei Stunden lang stellten sich die drei Kandidaten am Montagabend den Fragen Goulons und des Publikums. Zu Beginn zeigte sich, dass den Kandidaten unterschiedliche Dinge wichtig sind. Schwager, der in Unterstammheim das Finanzressort innehatte, sagte: «Mir ist vor allem wichtig, dass wir die Finanzen im Griff haben.» Die anderen Themen könne man dann darauf aufbauen. Brunschweiler hatte zuvor erwähnt, dass die «rasant gewachsene Gemeinde» weiterhin lebendig bleiben müsse. «Wir können das indirekt steuern, etwa indem wir die Infrastruktur für Vereine aufrechterhalten.»

Jung sprach die Politikverdrossenheit der Bevölkerung an: «Wir müssen die Leute Schritt für Schritt mehr ins Boot holen.» Er schlug vor, dass man bei grösseren Projekten beispielsweise mit Workshops arbeitet.

Bei mehreren Themen waren sich die Kandidaten einig und nahmen auch explizit Bezug aufeinander, so beim schonenden Umgang mit Ressourcen oder der Sozialpolitik. Angriffe auf die Gegner oder die aktuellen Behörden gab es bei keinem der Kandidaten. Als es darum ging, wie Gachnang weiter wachsen soll, stand unisono das verdichtete Bauen im Vordergrund. Schwager sagte, dass es wichtig sei, trotz Wachstum die Kultur der fünf Dörfer zu erhalten. Brunschweiler scherzte, dass man irgendwann wohl Frauenfeld eingemeinden müsse. Jung sprach von einem «moderaten Wachstum».

Beim Stichwort Digitalisierung gab es unterschiedliche Ideen: Brunschweiler schlug etwa vor, dass einige junge «Nerds» mit ein paar «Normalen» in einer Kommission zusammenarbeiten könnten, um herauszufinden, was alles möglich wäre. Jung stellte ein digitalisiertes Archiv in Aussicht und sprach von einer elektronischen Verwaltung, die Abläufe effizienter gestalten könnte. Schwager hatte den Wandel von der analogen zur elektronischen Geschäftsverwaltung in Unterstammheim direkt miterlebt.

Einzonung für Motocross?

Eine Frage eines Zuschauers gab es am Ende noch zur Motocross-WM. Der aktuelle Gemeinderat schliesst eine Umzonung des Landwirtschaftsgebiets aus. Ähnlich sah das Brunschweiler, der sich angesichts des Wachstums und fehlender Gewerbeflächen gegen eine Umzonung aussprach. Schwager befürwortete «im Grundsatz» die Veranstaltung, hinterfragte aber auch den Nutzen für die Gemeinde. «Im Sinne des Marketings ist es auch wichtig, dass es der Gemeinde etwas bringt.» Jung fand es wichtig, dass vor einer solchen Entscheidung mit allen Involvierten geredet wird, um eine verhältnismässige Lösung zu finden.

Auch zur Wahlentscheidung beitragen wird die geplante Amtsdauer. Schwager sprach von zwei, Brunschweiler nannte drei bis vier, Jung würde bis zu fünf Amtsperioden absolvieren.

Gegen Ende traten noch die drei Kandidierenden für die zwei freien Gemeinderatssitze auf. Die parteilose Karin Hollenstein, Marco Rüegg (GLP) und Daniel Widmer (FDP) stellten sich kurz vor. (Landbote)

Erstellt: 05.09.2018, 08:37 Uhr

Ein Vollzeitjob

In der Gemeinde Gachnang ist das Präsidium – anders als im Kanton Zürich – ein Vollzeitjob. Die drei Kandidaten für das Amt würden ihren Beruf im Fall einer Wahl aufgeben. Ein Sitz im Gemeinderat kommt für die Kandidaten nicht infrage, die Zeit für das Milizamt fehle. (gab)

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