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Whatsapp-Prahlerei überführt Raser

Er fuhr fast 160 ausserorts, dagegen halfen dem 23-jährigen Schweizer vor Gericht keine Ausreden. Mit einem Kniff versuchte aber sein Vater, seinen Sportwagen vor dem Einzug zu retten. Und er hatte Erfolg.

Der nachfolgende Kollege des gestern verurteilten A. kollidierte bei der Raserei auf der Irchelstrasse mit einer Velofahrerin.
Der nachfolgende Kollege des gestern verurteilten A. kollidierte bei der Raserei auf der Irchelstrasse mit einer Velofahrerin.
Kantonspolizei Zürich

Zweimal war A. zu schnell unterwegs. Auf der Irchelstrasse bei Teufen fuhr er an der Spitze eines Konvois mit überhöhter Geschwindigkeit in eine Kurve. Er schaffte es mit seinem BMW M3 gerade noch um den Radius. Der Kollege hinter ihm aber verlor die Kontrolle und kollidierte mit einer Velofahrerin, die sich dabei verletzte.

Der Unfall lief noch glimpflich ab. Aber für A. hatte er weitreichende Konsequenzen. Die Polizei wurde auf den jungen Mann aufmerksam, der privat mit seinen Raser-Abenteuern prahlte. Ein Handy-Video, das er Freunden in in einem Whatsapp-Gruppenchat geschickt hatte, brachte ihn am Donnerstag vor Bezirksgericht. A. war am 10. April 2014 mit knapp 160 km/h von Hettlingen Richtung Unterohringen gerast und hatte den Temporausch, inklusive Tacho, gefilmt.

Der junge Mann, der damals in einer Anrainergemeinde von Winterthur sein letztes Lehrjahr als Autofachmann wiederholte, war mit einem Kundenfahrzeug unterwegs. «Ich wollte es nach der Reparatur testen. Das machen wir immer so», sagte er vor Gericht. Dass er gerast war, bestritt er nicht. Wohl aber die Absicht. Er habe sich die Tempofahrt nicht vorgenommen.

Die Beweismittel, die sich vielfach auf seinem Handy fanden, sprechen aber eine andere Sprache. Im Chat mit seinen Freunden prahlte A. mit seiner Tempofahrt. «Fascht en Unfall hani gmacht.» Der Kollege: «Du fahrsch ja fascht dopplet so schnäll wie erlaubt.» A.: «Egal.» Über die Irchelfahrt schrieb A. im Chat: «Angscht vor de Irchel-Ränk? Mir münd eine zie!» und «Ich laa hüt en ganze Satz Reife dure.» Bubenstreiche, die er im Nachhinein bereue, seien das gewesen, sagte er vor Gericht.

Getuntes Auto für die Beiz?

Neben der Tempofahrt beschäftigte aber vor allem etwas anderes das Gericht. Was nämlich mit dem BMW M3, den A. auf der Irchelstrasse gefahren war, zu tun sei. Seit Inkrafttreten von Via Sicura im Jahr 2013 kann das Gericht bei Rasern einen Einzug des Fahrzeuges verfügen, selbst wenn es nicht diesen selbst gehört. Damit soll verhindert werden, dass gefährliche Tempo-Sünder wieder Zugang zu den oft stark motorisierten Fahrzeugen erhalten. Das Bundesgericht hat diese Praxis in Entscheiden bereits gestützt.

Vor Gericht erschien A. nicht alleine, sondern zusammen mit seinem Vater, einem Restaurantbesitzer, auf dessen Firma das Auto zum Zeitpunkt des Vergehens auf der Irchelstrasse zugelassen war und das – während es von den Behörden gehütet wurde – in dessen Privatbesitz übergegangen war.

Der Anwalt des Vaters forderte die sofortige Herausgabe des Fahrzeugs und machte ausserdem eine Schadenersatzforderung geltend. Das Auto habe Standschäden erlitten. Die Forderungen begründete er damit, dass das Auto nie im Besitz von A. gewesen sei.

«Warum bloss braucht ein Restaurant für den Betrieb einen BMW M3?»

Richterin

Die Staatsanwältin hingegen machte geltend, das Auto sei immer von A. gefahren worden, er habe es in Deutschland tunen lassen, und es sei nur wegen der Versicherungen auf die Firma des Vaters zugelassen gewesen. «Warum bloss», fragte sie rhetorisch, «braucht ein Restaurant für den Betrieb einen BMW M3?» Es sei ein verbreitetes Phänomen, dass Eltern Autos Ihrer Kinder auf Ihren Namen oder auf Familienfirmen zuliessen, um Kosten zu sparen. Der Anwalt des Vaters replizierte später, auch andere Firmen hätten stark motorisierte Fahrzeuge, ohne dass ein offenkundiger Grund erkennbar wäre.

Der Antrag der Staatswaltschaft lautete auf 20 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung plus eine Busse von 2000 Franken. Der Fahrausweis wurde A. 2014 entzogen. Seine Fahrtüchtigkeit wird von einem Psychologen geprüft, davon hängt ab, ob und wann er wieder hinters Steuer darf. Sein Verteidiger verlangte eine Milderung der Strafe und schloss sich seinem Kollegen, dem Anwalt von A.s Vater an, das Auto sei unverzüglich herauszugeben.

«Nicht verwerflich genug»

Zweieinhalb Stunden hatte der Prozess am Ende gedauert. Und das Gericht hätte über dem Urteil noch eine Nacht schlafen können, denn – ungewöhnlich – beide Anwälte und auch die Staatsanwältin waren zum zunächst angekündigten Termin für die Urteilseröffnung nicht abkömmlich.

Die erfolgte deshalb heute Morgen. Und das Verdikt für A. lautete so: 15 Monate bedingte Freiheitsstrafe und 1500 Franken Busse. Ausserdem muss der 23-Jährige die auf 20 000 bis 30 000 Franken geschätzten Verfahrenskosten übernehmen. «Ich hoffe, Sie haben die nötigen Lehren aus diesem Verfahren gezogen», sagte die Richterin. Das Auto wird an den Vater herausgegeben, weil das Verhalten des Rasers «skrupellos gewesen sei, aber nicht derart verwerflich, dass eine Einziehung gerechtfertigt wäre». Eine Entschädigung für Standschäden lehnte das Gericht ab.

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