Ellikon an der Thur

«Wir hätten gerne noch mehr Familien gehabt»

Erstmals hat der Gemeinderat von Ellikon an der Thur Legislaturziele definiert. Präsident Martin Bührer erklärt im Interview, was für die Gemeinde in den nächsten vier Jahren besonders wichtig ist.

Martin Bührer ist Gemeindepräsident von Ellikon an der Thur.

Martin Bührer ist Gemeindepräsident von Ellikon an der Thur. Bild: pd

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Ellikon hat erstmals Legislaturziele definiert. Warum?
Martin Bührer: Sie sollen unter anderem dazu dienen, dass sich die interessierten Ellikonerinnen und Ellikoner mit den gemeinderätlichen Ideen und Aufgaben auseinandersetzen. Allenfalls können sie so zusätzliche Ideen zu den Zielen einbringen. Das würde den Gemeinderat jedenfalls sehr freuen.

Sie haben insgesamt 29 Ziele definiert. Das sind doch einige.
Ja, wir haben sehr viel vor in dieser Legislatur, aber man soll sich hohe Ziele setzen, sonst kommt man nirgendwohin.

Welches ist besonders wichtig?
Jeder Ressortverantwortliche muss seine Ziele selber priorisieren. Aber im grossen Ganzen haben wir Nachholbedarf bei der Infrastruktur. Dort müssen wir investieren.

«Wir wollen das Dorf beleben und nicht zur Schlafgemeinde verkommen.»Martin Bührer, 
Gemeindepräsident 
Ellikon an der Thur

Konkret geht es um neue Wasserleitungen und Gemeindestrassen. Kann die Gemeinde das finanziell stemmen?
Die Leitungen werden über die Gebühren finanziert. Diese wollen wir dafür nicht gesamthaft erhöhen. Unter Umständen reduzieren wir die Abwassergebühren und erhöhen die Wassergebühren im gleichen Mass, weil die Konten unterschiedlich gut gefüllt sind. Für die Gemeindestrassen haben wir vor einem Jahr einen Plan erstellt, auf dem alle Strassen, ihr Zustand und ungefähre Sanierungskosten aufgeführt sind. Darauf basierend werden wir die Sanierungen angehen.

Gleichzeitig wollen Sie aber den Steuerfuss stabil halten, bei einem Eigenkapital von 2,5 Millionen Franken und dabei noch Fremdkapital abbauen.
Das beisst sich nicht. Wir rechnen durch das Wachstum mit höheren Steuereinnahmen und durch die Grundstückgewinnsteuern sind wir nun in der Lage, unsere 6,6 Millionen Franken Fremdkapital ein wenig zu senken. Denn dieses geliehene Geld ist eine kleine Zeitbombe, mit den aktuell tiefen Zinsen, die sich wieder erhöhen können.

Steht die Erneuerung der Infrastruktur im Zusammenhang mit dem Bevölkerungswachstum in der Gemeinde?
Nein, auch bei den Schülerzahlen zeichnet sich kein Wachstum ab. In der Überbauung Bruggwisen werden leider so gut wie keine Kinder einziehen, wie wir auf Nachfrage erfahren haben. Wir hätten gerne noch ein paar Familien mehr gehabt.

Bezüglich Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist auch ein Co-Working-Space im geplanten Zentrum Löwen genannt. Wie konkret ist das?
Das ist einfach ein Beispiel. Das Projekt Löwen, für das ja eine Genossenschaft zuständig ist, steht derzeit noch nicht. Aber wir suchen allgemein nach Möglichkeiten, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie attraktiver zu gestalten. Möglich wären da solche Räume, in denen gearbeitet werden kann. Wir hatten zu diesem Thema auch schon ein paar Anfragen.

Das Besoldungsreglement soll angepasst werden. Verdienen die Gemeinderäte zukünftig also mehr?
Nein, da geht es vor allem um eine Systemänderung, um die Arbeit der Buchhaltung zu vereinfachen. Da stecken wir aktuell in Diskussionen. Ich gehe davon aus, dass es an der Budget-Gemeindeversammlung im Herbst behandelt wird.

Ein hohes Ziel haben Sie bei den Stimmberechtigten: 15 Prozent, also 94 Personen, sollen an den Gemeindeversammlungen jeweils anwesend sein. Durchschnittlich waren es in den letzten zehn Versammlungen 52 Personen, was 8,3 Prozent entspricht.
Ja, dieses Ziel ist tatsächlich sehr ehrgeizig. Der Durchschnitt ist im Vergleich mit anderen Gemeinden okay, wir wollen vor allem auf die Jungen zielen. Das steht im Zusammenhang mit dem kantonalen Fokusjahr der Milizarbeit, in der wir die Leute mehr für die Kommunalpolitik interessieren wollen. Die Frage ist, wie wir besser informieren und mit Blick auf die Erneuerungswahlen das Interesse wecken können. Konkrete Massnahmen dazu gibt es aber noch nicht.

Noch bis Ende Jahr gehört Ellikon dem Seuzacher Alterszentrum im Geeren an. Wie geht es danach weiter?
Wir haben einen ersten Besprechungstermin für September fixiert. Mehr will ich dazu noch nicht sagen.

Sie wollen gemäss einem Ziel auch «den Bedürftigen besondere Aufmerksamkeit schenken». Wie muss man diese Aussage verstehen?
Wir wollen im Rahmen unserer Immobilienstrategie das Schaffen von günstigem Wohnraum berücksichtigen. Etwa für ältere Leute, die aus ihrem Einfamilienhaus ausziehen, aber trotzdem im Dorf bleiben wollen. Zum Beispiel durch altergerechte Wohnungen wie sie beim Zentrum Löwen geplant sind. Aber auch junge Familien sollen bei uns bezahlbare Wohnungen finden. Wir fokussieren uns nicht auf Gutverdienende, diese suchen sowieso vor allem den urbanen Raum. Das sehen wir aber nicht als Problem. Wir wollen ja das Dorf beleben und nicht zur Schlafgemeinde verkommen.

Apropos beleben: Auch eine Kulturkommission soll in den nächsten Jahren entstehen, so ein Legislaturziel.
Ja, momentan haben wir einen Club, der viele kleinere Anlässe organisiert. Bei den Vereinen läuft nicht mehr viel. Uns schweben mit einer Kulturkommission auch andere Anlässe wie Ausstellungen vor. Das ist ein Bereich, den ich während des Aufbaus der neuen Verwaltung ein bisschen vernachlässigt habe. Jetzt möchte ich mich diesem Thema annehmen.

Wie sieht es mit der im Frühling angekündigten Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden Dinhard, Rickenbach und Altikon aus?
Die vier Gemeindepräsidenten sind seit letztem Herbst bereits sechs Mal zusammengesessen. Ende August führen wir mit allen Behördenmitgliedern der vier Gemeinden eine Kick-off-Veranstaltung durch. Dort sollen verschiedene Projekte und deren Organisation festgelegt werden, die wir tiefer verfolgen wollen. Dann wird das Ganze sehr viel konkreter und diese Projekte werden uns in nächster Zeit sehr stark beschäftigen.

Zu guter Letzt: Was ist bei der Überarbeitung der kommunalen Bau- und Zonenordnung zentral?
Über den Zonenplan müssen wir nicht gross reden, Einzonungen bei uns sind eine Utopie. Im Wesentlichen geht es um die Bauordnung und die Begrifflichkeiten darin. Das Ziel ist es, diese auszumisten, besonders mit dem Blick aufs Bauen nach innen, also Verdichtung. Damit die Basis geschaffen werden kann, um den Raum optimal zu nutzen. Zudem wollen wir unsere Schutzobjekte definieren.

Erstellt: 19.07.2019, 17:37 Uhr

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