Seuzach

«Wir müssen den Lehrpersonen Sorge tragen»

Er war ohne Behördenerfahrung und wurde auf Anhieb Primarschulpräsident. Nach 100 Tagen zieht Michael Bühler Bilanz.  

Nationalökonom mit Lehrerfahrung: Michael Bühler.

Nationalökonom mit Lehrerfahrung: Michael Bühler. Bild: Madeleine Schoder

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Nach dem Rücktritt von Marco Calzimiglia sind Sie von null auf hundert Seuzachs neuer Primarschulpräsident geworden. Wie kam es dazu?
Michael Bühler: Ja, ich bin schon seit 1. Mai im Amt. Ich hatte bei meiner Kandidatur nicht damit gerechnet, dass alles so schnell geht. 

Wie war denn Ihre Vorstellung? 
Als ich mich entschloss, für das Primarschulpräsidium zu kandidieren, ging ich davon aus, dass es zu einer Kampfwahl kommen würde. Entgegen meiner Annahme war das dann aber nicht der Fall, und ich wurde still gewählt. Bei mehreren Bewerbungen wäre es am 1. Oktober zur Urnenwahl gekommen, womit ich eher gerechnet hatte. 

Sind Sie Schulpräsident mangels Alternativen geworden?
Dass ich von der interparteilichen Konferenz portiert wurde, hat wohl in erster Linie damit zu tun, dass der Neubau des Schulhauses Rietacker bevorsteht. Man suchte auf jeden Fall jemanden, der sich in Finanzfragen auskennt und Projekte managen kann. Das trifft von meinem Werdegang her bei mir zu.

Tut sich nun etwas in Sachen Schulhausbau?
Ja, es wurde eine Baukommission ins Leben gerufen, die sich unter Liegenschaftsvorstand Marcel Knecht nun ans Werk machen wird und der ich natürlich auch angehöre. Es handelt sich um ein grosses Projekt, das uns über Jahre beschäftigen wird und nun die Stationen Planung, Ausschreibung und die Urnenabstimmung über den Baukredit durchlaufen wird. Ich hoffe, das alles kann noch in dieser Legislatur bis Frühjahr 2022 erfolgt. 

Ihre Eindrücke der ersten 100 Tage? 
Ich habe im laufenden Budgetprozess herauszufinden versucht, wo der Schuh drückt. Ich will das Umfeld hinter den Zahlen, die man mir gibt, erkennen. Mir kam zu Hilfe, dass vergangenes Schuljahr etliche Lehrpersonen in Pension gegangen sind. Sie haben grosse Erfahrung und waren am Ende ihres offiziellen Berufslebens auch dazu bereit, frei über ihre Eindrücke zu sprechen. 

Was fanden Sie heraus?
Ich hatte in erster Linie die Erkenntnis, dass die Primarschule Seuzach sehr heterogen ist. Wir haben vom Kind mit Migrationshintergrund bis zu dem des leitenden Angestellten eine grosse Bandbreite in der Schule. Die Frage ist: Wie können wir auch die Kinder, die einer Sonderförderung bedürfen, möglichst lange in der Regelklasse behalten? Nebenbei gesagt, bin ich übrigens auch Migrant.

Woher sind Sie?
(lacht) Aus Konstanz.

Ein typischer Migrant sind Sie da aber nicht.
Nein, natürlich nicht. Als ich 1995 in die Schweiz kam, musste ich mich aber schon auf die andere Mentalität der hiesigen Bevölkerung einstellen. Die Schweizerinnen und Schweizer sind deutlich konsensorientierter als wir. Hier wird länger diskutiert. In Deutschland wird in der Regel schneller entschieden, dafür aber längst nicht so ausgewogen. 

Wie tragen Sie dieser Erkenntnis im neuen Amt Rechnung?
Indem ich mich als Primus inter Pares, also nicht als Chef verstehe. Ich bin ein Teil des Kollegialgremiums. Mein Credo ist es, auf die verschiedenen Beteiligten zuzugehen und sie einzubinden, seien es Lehrpersonen, Eltern oder Kinder.

Hatten Sie schon ein grösseres Problem auf dem Tisch?
Ja. Beim Klassiker der Klassenzuteilungen. In einem Schulhaus hätte es ohne Eingriff eine reine Mädchenklasse gegeben. Da dies der kantonal vorgeschriebenen Koedukation widerspricht, hat die Schulleitung einige Mädchen im weiter entfernten Schulhaus untergebracht. Das löste bei den Eltern Empörung aus. Wir bieten nun im ersten Schuljahr einen temporären Schulbus-Transport an.

Ein Schlusswort an die Lehrerinnen und Lehrer?
Wir haben das Glück, ein sehr engagiertes Team zu haben. Als Schulpflege haben wir eine Fürsorgepflicht, das heisst, wir müssen den Lehrpersonen Sorge tragen und darauf achten, dass sie keine zu hohen Präsenzzeiten haben. Sonst besteht die Gefahr, dass sie ausbrennen.

Erstellt: 11.08.2019, 17:06 Uhr

Persönlich

Michael Bühler ist in Konstanz (D)geboren und aufgewachsen. Er ist 50 Jahre alt und verheiratet. Der studierte Nationalökonom kam 1995 in die Schweiz, wo er seit 2003 als Dozent in der Erwachsenenbildung tätig ist, darunter am KV Zürich und der Kaleidos-Fachhochschule. Seit 2011 ist er zudem selbständiger Treuhänder. Derzeit absolviert er das Lehrdiplom für Maturitätsschulen und präsidiert seit 1. Mai die Primarschulpflege von Seuzach. (dt)

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