Seuzach

Wo Metzgereien laufen und wo nicht

Die Gemeinde Seuzach hat mit dem Umbau der Coop-Filiale ihre letzte bediente Fleischtheke verloren. Doch es gibt Alternativen. Metzger in Nachbargemeinden freuen sich.

Der Coop Seuzach hat seit diesem Sommer keine bediente Metzgerei mehr. Einige Kundinnen und Kunden artikulierten den Verlust, andere vermissen die Fleischtheke allenfalls im Stillen. Foto: pd

Der Coop Seuzach hat seit diesem Sommer keine bediente Metzgerei mehr. Einige Kundinnen und Kunden artikulierten den Verlust, andere vermissen die Fleischtheke allenfalls im Stillen. Foto: pd

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Umgebaute Läden treffen nicht immer den Geschmack der Kundschaft. Diese Erfahrung macht gegenwärtig der Coop in Seuzach, der diesen Sommer seinen Laden aufgefrischt und dabei die bediente Fleischtheke nach 58 Jahren wegrationalisiert hat.

«Wir bedauern, dass wir die bediente Metzgerei in Seuzach nicht aufrechterhalten konnten», schreibt Coop auf Anfrage. Die Verkäufe seien seit längerer Zeit rückläufig gewesen. Zugenommen hätten jedoch die Verkäufe von Fleisch in der Selbstbedienung, weshalb dieses Angebot ausgebaut worden sei.

«Welches Fachpersonal will heutzutage am Samstag bis 22 Uhr arbeiten?»

Die Stammkundschaft vermisst die letzte Metzgerei in Seuzach. Im Gegensatz zu einer schön angerichteten Fleischthekespreche spreche einen «so ein lustloses Kühlfach» nicht an, klagte kürzlich ein Seuzacher Ehepaar in einem Leserbrief im «Landboten».Seit Jahrzehnten sei der Coop «ihr» Laden gewesen. «Doch jetzt sehen wir uns gezwungen, ab und zu ausserorts fremdzugehen», schreiben die beiden, die ihr Alter mit Ende Vierzig angeben.

Auf die Frage, wie viele Kundenreklamationen zur Schliessung der Fleischtheke eingegangen seien, schreibt der Detailhändler nur von «vereinzelten Rückmeldungen». Zum neuen Laden habe man jedoch viele positive Rückmeldungen erhalten. Bediente Coop-Metzgereien gebe es weiterhin in den Filialen in Grüze Markt, Lokwerk, Oberi, Stadtgarten, Wülflingen und Kleinandelfingen.

«Ran an den Speck»

Doch es geht auch näher: In Seuzachs Nachbargemeinden Neftenbach und Hettlingen gibt es noch bediente Metzgereien im Volg. «Also nichts wie ran an den Speck», meint eine Hettlingerin heute auf der Leserbriefseite.

Das freut Lumni Ajro, seit 2005 Metzger im Volg Hettlingen. Im Unterschied zum Metzgereipersonal von Coop und Migros ist er selbstständig. Er merke, dass nun mehr Kundschaft aus Seuzach zu ihm komme. «Ich werde ab und zu auf die Schliessung der Fleischtheke in Seuzach angesprochen.» Über Umsatzprobleme will Ajro nicht klagen. «Es geht auf- und abwärts.» Der Trend weise eher wieder in Richtung bedienter Fleischtheken, meint er optimistisch.

Die Metzgerei im Volg von Hettlingen profitiert von der Schliessung in Seuzach.

Das sieht auch die Migros so. Statt fertig aufgeschnittenem Schinken in der Vakuumverpackung plant die Genossenschaft Migros Zürich unter dem Label «Meet food» ein neues Konzept, das den Metzger und die Bäckerin wieder näher zur Kundschaft bringen soll und eventuell auch E-Commerce beinhaltet, wie «Blick» berichtete. Auch Coop will bediente Fleischtheken nicht grundsätzlich abschaffen.«Wir haben schweizweit insgesamt in über 400 Supermärkten bediente Fleischtheken.» Seit knapp zwei Jahren biete man auch eine Online-Fleischtheke an.

«Lage stabilisiert»

Robert Reif, Präsident des Zürcher Metzgermeistervereins, ist gegenüber dem Konzept der Grossverteiler skeptisch. «Welches Fachpersonal will heutzutage am Samstag bis 22 Uhr arbeiten?» Die Situation der Metzgereien hat sich ihm zufolge bei ein bis zwei Schliessungen pro Jahr stabilisiert. Dazu gehörte dieses Jahr die Metzgerei Boosin Flaach. «Das grosse Metzgereiensterben liegt schon ein paar Jahre zurück.» Heute gibt es im ganzen Kanton noch 108 Metzgereien.

Georg Brunner, Dorfmetzger und Gemeindepräsident von Turbenthal, macht hohe Liegenschaftspreise, Nachfolgeprobleme und Einkaufstourismus für das Metzgereiensterben verantwortlich. Wer heute aber eine Metzgerei führe, sei in der Regel für morgen gerüstet. Er selbst ist ein gutes Beispiel dafür: Er produziert und schlachtet selbst, hat Wein und Käse im Sortiment und bietet einen Partyservice an.

Erstellt: 10.10.2019, 17:46 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!