Saas Fee/Elgg

Zum Fernsehjass ins Wallis

Eine Elgger Fandelegation hat sichaufgemacht, ihre Jasser im Wallis beim «Donnschtig Jass» zu unterstützen mit der Hoffnung, die Sendung heimzubringen.

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Der Weg aus dem Busterminal in Saas Fee ist zu. Da steht ein Techniker und zieht sein Pult noch etwas näher zu sich, um auch die letzte Lücke vor den Nasen von 20 Reisenden zu schliessen.

Aussen herum müssen sie. Beim Haupteingang offenbart sich dann, dass der Umweg nicht der Umständlichkeit eines Einzelnen geschuldet ist, sondern seine Gründe hat: Das Fernsehen ist da.

In der Woche zuvor haben die Jasser aus Saas Fee die Jasser aus Zermatt geschlagen, weshalb die Sendung «Donnschtig Jass» nun aus ihrer Gemeinde gesendet wird – und zwar vom Postplatz, direkt vor der Ankunftshalle des Busterminals.Bereits am Nachmittag haben sich mehrere hundert Schaulustige eingefunden, um den Fernsehleuten beim Proben und Testen zuzusehen.

«Ich hab ja gemeint, in Zürich gibt es so Verbandelungen nicht.»Roman Kilchsperger, 
Moderator

Am Abend werden in der Live-Sendung die Gemeinde Elgg und die Gemeinde Oberrieden um den nächsten Austragungsort jassen. «Ich bin froh, ist es endlich so weit. Das war mega viel Arbeit», sagt Sonja Lutz, die das Projekt «Donnschtig Jass» mit ihrem Mann Erwin in Elgg aufgegleist hat und Teil des Organisationskomitees war.

Fünf Stunden lang sind die rund 70 Elgger Fans ins Wallis angereist, um ihr Team zu unterstützen. «Um halb acht Uhr morgens fuhr der Car los. Da waren alle noch etwas schläfrig, aber danach kam Stimmung auf», erzählt Lutz.

Unangefochtener Star

Auf der Musikbühne macht sich derweil der Mann bereit, der an diesem Abend wohl auf die grösste Fangemeinschaft zählen kann: Volks-Rock’n’roller Andreas Gabalier. Der österreichische Sänger versteht sich auf Nostalgie und Heimatlieder und mit Chalets und dem Mischabel-Massiv im Rücken ist die Kulisse fast unangenehm perfekt.

Beim Soundcheck gehen hunderte Handys in die Luft und wehe dem, der meint, in dieser Zeit noch kurz den Platz wechseln zu müssen – wütendes Zischen von allen Seiten ist ihm sicher.

Kurz vor Beginn der Hauptprobe marschieren die Elgger Fans mit Fahnen und Tambouren ein, aber die Produzentin ist schnell zur Stelle und schliesst den Auftritt kurz, Herr Gabalier sei noch nicht ganz fertig. «Aber das war doch genau so abgemacht», murrt es aus den Reihen roter T-Shirts.

Zeit, sich zu ärgern, bleibt keine, zu viel läuft auf dem Platz und Erwin Lutz lässt es sich dafür nicht nehmen, ausgiebig die Elgger Fahne vor dem Jasszelt zu schwenken.

«Gabalier habe ich googlen müssen.»Christoph Ziegler, Gemeindepräsident und Jasser
Elgg

Noch eine Minute bis zur Hauptprobe. «Mirko, ich habe Romans Mik gefunden», schallt es über die Lautsprecher und kurz darauf ist Moderator Kilchsperger auch bereits vor Ort und nimmt die Unterhaltung der Zuschauer mit flapsigen Sprüchen im Minutentakt an sich. Der Probe-Jass läuft den Elggern mässig.

Als erstes müssen Gemeindepräsident Christoph Ziegler und Käthi Fickler gegen Oberrieden antreten. «Der Gemeindepräsident nimmt die Geschicke gleich selbst in die Hand», kommentiert Kilchsperger. Im zweiten Teil spielt Nachwuchs-Jasser Lino Hotz, der von Schiedsrichter Dani Müller immer Holz genannt wird, mit Telefon-Jasser Thomas Ziegler, Vater des Gemeindepräsidenten. «Ich habe ja gemeint, in Zürich gibts so Verbandelungen nicht», sagt Kilchsperger.

In der Pause bevor es ernst gilt, erzählen die Jasser, die Betreuung durchs Fernsehen sei sehr gut. «Ich fühle mich wohl», sagt Käthi Fickler. Nur die Arme dürfe man beim Spielen nicht auf dem Tisch abstützen, weil der wackle und das blöd aussehe. «Man hat mir gesagt, ich habe das grosse Los gezogen, weil ich mit Kilchsperger und Gabalier in der Maske bin», erzählt Christoph Ziegler. Gabalier habe er allerdings googlen müssen.

Keine Alternative zum Sieg

Langsam brodelt Nervosität an den Fan-Tischen. «Wenn wir gewinnen, ist das SRF schon ab Montag in Elgg, um aufzubauen», sagt Sonja Lutz. Eine Alternative wie Public Viewing im Falle einer Niederlage sei nicht geplant, zu gross der Aufwand. «Es würden aber sicher einige nach Oberrieden fahren und dort dabei sein.» Egal wie es ausgehe, es habe sich gelohnt, fügt Erwin Lutz an. «Wir wollten auch keine Leute in der Organisation, die nur die Arbeit sehen. Das hier ist Spass.»

Kilchsperger übt ein letztes Mal klatschen mit dem Publikum und schimpft, als zu wenig kommt: «Andreas Gabalier füllt Stadions mit 70 000 Zuschauern, das ist eine andere Flughöhe als ein paar dahergelaufene Walliser, lasst etwas hören!» Der Anfang der Sendung sei wichtig, da würden die Zuschauer entscheiden, ob sie weiterhin dranblieben. Dann erklingt das Titellied «Guete Abig» und Saas Fee ist live.

«Die spielen sensationell»

An den beiden Elgger Tischen fiebert man fleissig mit: «Läck du mir, der hat zu viele Trümpfe» und «Hopp Lino!» und obwohl sich die Spieler wacker schlagen, haben sie keine Chance gegen ein sehr starkes Oberrieden. «Ich zieh die Jacke an», murmelt ein Fan nach der dritten Runde, als sich die Gegner schon weit abgesetzt haben.

Aber die Jassfreudigen beweisen sich als faire Gemeinschaft: «Die spielen einfach sensationell.» Das Ergebnis des Differenzlers ist dann auch mehr als eindeutig: Oberrieden schlägt Elgg mit 19 zu 106 Punkten. «Schade um den schönen Lindenplatz», sagt Kilchsperger. Den Elgger Fans bleibt die Erfahrung und ein Wochenende in den Bergen. (Der Landbote)

Erstellt: 20.07.2018, 16:24 Uhr

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