Elgg

Zwei Frauen möchten Frieden stiften

Zwei Frauen bewerben sich in Elgg um das Amt als Friedensrichterin. Sie wären für das gesamte Eulachtal und rund 30 bis 40 Fälle im Jahr zuständig.

Beide möchten Elgger Friedensrichterin werden: Cornelia Germann (l.) und Barbara Claus-Schenker (r.).

Beide möchten Elgger Friedensrichterin werden: Cornelia Germann (l.) und Barbara Claus-Schenker (r.).

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Zwei Frauen wollen Friedensrichterin im Eulachtal werden. Ausgeschrieben hat das Amt die Gemeinde Elgg, nachdem im Dezember unerwartet der bisherige Friedensrichter Christoph Rieder verstorben war.

Rieder hatte das Amt 2003 in Elsau übernommen, 2009 kamen Elgg, Hagenbuch, Hofstetten und Schlatt dazu. Nun muss für den Rest der sechsjährigen Legislatur, die von 2015 bis 2021 dauert, eine Ersatzwahl durchgeführt werden. Der Entscheid fällt am 10. Juni an der Urne.

«Viel mit Justiz zu tun»

Zum ersten Mal für ein Amt dieser Art bewirbt sich CorneliaGermann: «Die Herausforderung reizt mich und ich habe viel mit Justiz zu tun», sagt sie. Die Elggerin arbeitet Teilzeit als Anwaltsassistentin und kennt sich als Therapeutin mit gewaltfreier Kommunikation aus: «Das Amt wäre der perfekte Bereich, um mein Wissen anzuwenden», sagt sie. Als Friedensrichterin gehe es in erster Linie darum, einen Prozess zu vermeiden. Das finde sie spannend.

«Im Amt könnte ich mein Wissen gut anwenden.»Cornelia Germann, Anwaltsassistentin, Elgg

Als Teilzeitarbeitende sei sie zeitlich flexibel, sagt Germann mit Jahrgang 1964. Einer Partei gehört sie nicht an. In Elgg wohnt sie seit 15 Jahren, den Wohnort sieht sie für das Amt weder als Vor- noch als Nachteil: «Wenn ich die Personen in einem Fall gut kennen würde, würde ich natürlich in den Ausstand treten.»

«Privat nicht verbandelt»

Die zweite Bewerberin heisst Barbara Claus-Schenker. Seit neun Jahren ist sie in Brütten bereits als Friedensrichterin tätig und derzeit übt sie das Amt in Elgg ad interim aus, nachdem sie vom Bezirksgericht dafür angefragt worden war. Nun bewirbt sich Claus-Schenker auch offiziell: «Ich bräuchte keine Einarbeitung und könnte einfach weitermachen», sagt sie. Einführungskurse gebe es lediglich zu Beginn der Legislaturen.

«Ich bräuchte keine Einarbeitung und könnte einfach  weitermachen.»Barbara Claus-Schenker, Bibliotheksleiterin und  Friedensrichterin Brütten

In Brütten betreue sie zwischen vier und zwölf Fälle im Jahr. In den vier Eulachtaler Gemeinden kämen rund 30 bis 40 dazu. Das hätte den Vorteil, dass sie in Übung bliebe, sagt Claus-Schenker, die ebenfalls Jahrgang 1964 hat. Ausserdem könnten sich die fünf Gemeinden mit derselben Friedensrichterin die Kosten für Administration und Weiterbildung aufteilen. Nebst ihrer Stelle als Leiterin der Bibliothek Brütten habe sie genügend Kapazität für alles, sagt sie.

Erfahrung sammelte sie in der Managemententwicklung, wo sie unter anderem Konfliktmoderationen durchführte: «Ich habe viel mit Menschen zu tun.» Die Arbeit als Friedensrichterin fasziniere sie, weil die Fälle auf dem Papier oft ganz anders aussähen, als sie sich dann in der Realität darstellten. «Mit beiden Parteien auf eine Einigung hinzuarbeiten, finde ich spannend.» Claus-Schenker ist parteilos und wohnt in Brütten, beides sieht sie als Vorteil: «Parteilos zu sein, unterstützt die Neutralität meines Amtes und im Eulachtal bin ich privat nicht verbandelt.»

(Der Landbote)

Erstellt: 09.03.2018, 18:37 Uhr

Konditionen und Aufgaben

Das macht eine Friedensrichterin

Der Kanton Zürich sieht vor, dass jede Gemeinde einen, wenn nicht sogar mehrere Friedensrichter wählt. Mehrere Gemeinden können aber auch, wie im Fall des Eulachtals, denselben Friedensrichter haben.

Wählbar sind alle stimmberechtigten Personen mit Wohnsitz im Kanton Zürich. Die Amtsinhaber vermitteln zwischen streitenden oder uneinigen Parteien nach dem Grundsatz «Zuerst schlichten, dann richten». Sie sind Mitglieder der Gerichtsbehörde auf Gemeindeebene und dem zuständigen Bezirksgericht als erste Aufsichtsbehörde unterstellt.
Friedensrichter führen die Verhandlung bei:

Forderungsklagen, arbeitsrechtlichen Klagen, Klagen aus Motorfahrzeug- und Fahrradunfällen, Klagen bezüglich Unterhaltszahlungen, erbrechtlichen und nachbarschaftlichen Klagen sowie Persönlichkeitsverletzungen. Nicht zuständig sind sie bei: Scheidungs- und Trennungsklagen, Bauhandwerkerpfandrecht, Streitigkeiten zwischen Mietern und Vermietern und Ehrverletzungsklagen.

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